Erdwärme für 26'000 m2 Wohnfläche

25. Juli 2011
Viele Gebäude, welche in den Sechziger- oder Siebziger-Jahren erbaut wurden, müssen saniert werden. So auch die Überbauung Bruggächer in Mönchaltorf. Die 238 Wohnungen werden neu mit Energie aus erneuerbaren Quellen beheizt und mit warmem Wasser versorgt. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) betreiben die zwei Energiezentralen im Contracting.

Beinahe jedes zweite Wohngebäude in der Schweiz wurde vor 1970 erstellt. Viele dieser Liegenschaften müssen nun saniert werden. Neben einer effizienten Gebäudehülle umfasst das Modernisierungsprogramm meist auch die Erneuerung des Heizsystems. Denn oft sind diese Liegenschaften noch immer mit einer energieintensiven Öl-, Gas- oder Elektroheizung ausgerüstet.

600 Personen in Mönchaltorf nutzen neu Erdwärme

Die Liegenschaft Bruggächer in Mönchaltorf, die zwischen 1969 und 1971 erbaut worden ist, setzt nach einer Teilsanierung auf Erdwärmesonden. Die Stockwerkeigentümerschaft zählt 238 Wohnungen in 12 Wohnhäusern. Mit der Sanierung der bestehenden Ölheizung und dem Einsatz von Erdwärmesonden-Wärmepumpen können in Zukunft 80 Prozent der Heizenergie und der gesamte Brauchwarmwasserbedarf aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. Rund 600 Tonnen CO2 werden so ab Sommer 2011 jährlich vermieden. Das entspricht etwa 230'000 Litern Öl (12 grosse Tankwagen). Gegen 600 Personen profitieren von der ökologisch erzeugten Wärme. Zukünftig versorgen zwei Energiezentralen mit insgesamt sechs Wärmepumpen die rund 26'000 m2 Wohnfläche mit Heizwärme. Zwei Ölkessel bringen die zusätzliche Leistung für die Spitzenlast. "Der Beweggrund für das Contracting mit einer Erdwärmesonden-Wärmepumpenanlage war vor allem die Kostensicherheit gegenüber der unsicheren Preisentwicklung beim Heizöl. Ausserdem spielte der Wunsch nach einer sauberen Wärmeversorgung eine grosse Rolle", erklärt Patrick Balmelli, verantwortlicher Projektleiter EKZ Energiecontracting.

50 Erdwärmesonden bis 300 Meter Tiefe

Die EKZ treten beim Projekt als Totalunternehmer auf. Die Aufgabe der EKZ ist die Versorgung mit Wärme und Brauchwarmwasser von der Energiegewinnung bis hin zur Wärmeabgabe aus der Heizzentrale. Zudem wird die Wärmeabgabe in verschiedenen Unterstationen der einzelnen Gebäude vom kantonalen Energiedienstleister sichergestellt. Die EKZ übernehmen alle Grab- und Bauarbeiten, die Planungsarbeiten, die Projektfinanzierung sowie den künftigen Betrieb und Unterhalt der Anlagen.

 

Das installierte Sondenfeld umfasst 50 Erdwärmesonden mit je 300 Metern Tiefe. Dabei handelt es sich um das bislang grösste von den EKZ im Rahmen eines Energiecontractings übernommene Projekt auf Basis von Erdwärme. Unterirdische Sammelleitungen mit einer Länge von insgesamt rund 7,4 Kilometer führen die dem Boden entzogene Energie in die beiden Heizzentralen. Diese beinhalten je drei Wärmepumpen à 100 Kilowatt (kW) für die Heizung, eine Wärmepumpe mit 85 kW für das Brauchwarmwasser und einen Spitzenlastkessel mit Öl und einer Leistung von 400 kW. Das Brauchwarmwasser wird zu 100 Prozent über die Wärmepumpen bereitgestellt.

Baumbestand schützen

Um den Wohnkomfort während der Bauarbeiten so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, fanden die Bohrungen und Bauarbeiten im Winter 2010/2011 statt. Patrick Balmelli: "Da wir bei dieser Sanierung als Totalunternehmer auftreten, übernehmen die EKZ auch die Gartenarbeiten. Vor der Sanierung schmückten zahlreiche Bäume die gepflegte Gartenanlage. Diese werden nach der Verlegung der Bodenleitungen wieder eingepflanzt. So werden sämtliche Grünanlagen nach Abschluss der Aussenarbeiten wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht". Die Inbetriebnahme der neuen Anlage ist auf Ende August 2011 geplant.

Eine Million fossile Anlagen könnten nachhaltig ersetzt werden

"Insgesamt kann man in der Schweiz von etwa einer Million fossiler Heizanlagen und 170'000 Elektroheizungen ausgehen, die in Betrieb sind und theoretisch je nach Anlagetyp durch ein nachhaltiges System ersetzt werden könnten", so Dr. Richard Pierre-Guy Phillips, Leiter Marktbereich Wärmepumpen beim Bundesamt für Energie (BFE).

Die Technik zur Nutzung von erneuerbaren Energiequellen ist hocheffizient und komfortabel geworden. So stehen heute bereits 180'000 Wärmepumpen im Einsatz. Am meisten genutzt werden folgende Energiequellen: Luft mit 55,8 Prozent gefolgt von Erdwärme mit 41,3 Prozent sowie See-, Grund- oder Abwasser mit 2,9 Prozent (Quelle: Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz FWS). Tief in das Erdreich geführte Sonden eignen sich besonders gut zur Wärmegewinnung. Ab 50 bis 100 Meter unter dem Boden ist die Temperatur von Sonneneinstrahlung und klimatischen Bedingungen unbeeinflusst und steigt mit zunehmender Tiefe pro 30 Meter um etwa ein Grad.

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