Ein enges, steifes Bett umgibt die Limmat bei Dietikon. Diesen Sommer schuf EKZ im Rahmen der Erneuerung des Kraftwerks für den Fluss und dessen Lebewesen mehr Platz. Die Krönung ist ein Nebenarm, der durch die EKZ-Insel fliesst.

Der grosse Moment ist gekommen. Hinter einer vollen Schaufel Kies, die der Bagger aushebt, schiesst das Wasser über die Steine und fliesst durch das ausgegrabene Bett in den strömenden Fluss. Ein neuer Arm der Limmat ist soeben von Menschenhand geschaffen worden. Damit wird versucht, das Rad etwas in jene Zeit zurückzudrehen, als es im Limmattal ein riesiges Flussbett voller Auen und kleiner Nebenarme gab.

Trockenlegung zum Eindämmen von Krankheiten

Damals, Mitte 19. Jahrhundert, begannen Kanton und Gemeinden unter grossem Aufwand Flussläufe zu begradigen, Ufer zu befestigen, Dämme zu bauen und Auenlandschaften trocken zu legen. Die Verantwortlichen verfolgten in dieser Zeit der industriellen Revolution vier Ziele: Den Schutz vor Überschwemmungen, das Eindämmen von Mückenplagen und damit zusammenhängender Krankheiten, die Nutzung der Wasserkraft und die Schaffung von neuem Landwirtschafts- und Bauland für die stark wachsende Bevölkerung.

«Jetzt fliesst wieder ein Seitenarm der Limmat hindurch, so wie das früher typisch war»

So wurde zu jener Zeit die Limmat in ein enges Flussbett mit befestigten Ufern gezwängt. Die vielen Auenlandschaften rund um den Flusslauf verschwanden fast restlos. Damals war man ungemein stolz auf das Erreichte. Heute versucht man, die radikalen Eingriffe wieder etwas rückgängig zu machen. In den Nullerjahren gleiste der Kanton Zürich den Massnahmenplan Wasser auf. Dieser sieht im Bereich der Limmat vor, dass der Fluss wieder mehr Platz erhält, starre Ufer aufgelockert und Vernetzungen zwischen Fluss und Land verbessert werden. 

Lebensraum für den Eisvogel

Monica Fernandez 

Umgesetzt wird dies auf der nördlichen Hälfte der EKZ-Insel unter anderem in Form eines neuen Flüsschens. Die Massnahme gehört zu den Konzessionsauflagen für EKZ im Rahmen der Erneuerung des Kraftwerks Dietikon.

Der bewaldete Teil der Insel galt schon zuvor als Auenwald von nationaler Bedeutung. «Jetzt fliesst wieder ein Seitenarm der Limmat hindurch, so wie das früher typisch war», sagt die für den Wasserbau verantwortliche Projektleiterin Monica Fernandez vom Ingenieurbüro Staubli, Kurath und Partner. Am Nebenflüsschen soll vor allem der bedrohte Eisvogel Lebensräume finden, aber auch seltene Fische, Fledermäuse, Libellen und Reptilien hofft man anzulocken.

«Das Wasser wird den Rest selbst gestalten»

Die ersten Arbeiten für den neuen Seitenarm begannen bereits im Dezember 2017: Auf der EKZ-Insel wurde das Bett für den neuen Flusslauf ausgehoben. Im September 2018 baggerten Bauarbeiter nun den Zu- und Abfluss durch den Damm hindurch auf. «Wir haben die Möglichkeit für den Fluss geschaffen, durch die Insel zu fliessen, das Wasser wird den Rest selbst gestalten», sagt Fernandez. Das Flüsschen ist nur eine von mehreren Massnahmen auf der EKZ-Insel. So wird der Weg entlang des Limmatufers auf einer Länge von rund 500 Metern aufgehoben. Für das Naturschutzgebiet gilt künftig «Betreten verboten». Spaziergänger müssen das Gebiet umlaufen, erhalten aber einen Vogelbeobachtungsstand und einen neuen Steg.