Am Start mit Radquer-Profi Simon Zahner

Am Start mit Radquer-Profi Simon Zahner

Am Samstag, 7. April 2018, ist es wieder so weit: Eine Horde waghalsiger Cyclocrosser brettert anlässlich des Radquer-Spektakels Urban Cyclocross mit ihren Bikes Vollgas mitten durch das Trendquartier Zürich-West und bezwingt dabei spektakuläre Hindernisse. Was den besonderen Reiz und Nervenkitzel am Cyclocross ausmacht, erklärt der Schweizer Spitzenfahrer Simon Zahner.

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Simon, Du fährst im Schweizer Radquersport ganz vorne an der Spitze mit. Wie hast Du Cyclocross für Dich entdeckt und was begeistert Dich bis heute an der Disziplin?
Simon Zahner: Ich bin über einen sportlichen Umweg zum Radquer gekommen. Anfangs habe ich mich als Mountainbiker versucht. Ohne enormen Trainingsaufwand war ich bei diesen Rennen aber immer schon weit vor der Zielgeraden völlig ausgepowert. Auf der Suche nach einer Disziplin, die meinen körperlichen Fähigkeiten besser zusagt, bin ich dann beim Radquer gelandet. Die Rennen sind je nach Kategorie in 30 bis 60 Minuten vorbei und ich kann innerhalb dieser kurzen Zeit volle Leistung bringen. Das sagt mir sehr zu und das ist es auch, was mich an der Sportart begeistert: Während den Rennen gibt es keine Pausen, keine Erholung und keine lauen Phasen. Radquer heisst: Eine Stunde lang Vollgas geben und am Ende völlig ausgepumpt sein.

Radquer heisst: Eine Stunde lang Vollgas geben und am Ende völlig ausgepumpt sein.  

Als Cyclocrosser darf man keine Scheu vor Dreck haben. Auch nur schon die Vorstellung, ohne durchgedrückte Bremsen über Stock und Stein zu rasen, sollte einem keine Angstschweissperlen auf die Stirn treiben. Für wen eignet sich Cyclocross?
Vorausgesetzt, man bringt die nötige Ausdauer und Leidenschaft mit, eignet sich Radquer grundsätzlich für alle. Sicher, eine Portion Mut schadet nicht, aber man wächst mit zunehmender Übung auch rein. Was den Sport zudem für viele attraktiv macht, ist die Vielfältigkeit der verschiedenen Strecken und die unterschiedlichen Anforderungen je nach Wetterbedingungen. So ist beim Radquer für jede und jeden etwas mit dabei. Da im Radquer kürzere Distanzen gefahren werden als bei anderen Velodisziplinen, ist der Trainingsaufwand geringer. Wenn man als motivierter Hobbysportler zweimal in der Woche nach Feierabend trainiert, ist man bereits gut gerüstet, um an einem Radquer-Rennen zu starten. So können viele Freude am Radquer haben und das ohne übertriebenen Trainingsaufwand.

Im Rahmen des Urban Bike Festivals in Zürich findet am 7. April auch ein Radquer-Rennen statt: das Urban Cyclocross. Was hat es damit auf sich?
Beim Urban Cyclocross ist alles anders. Das Rennen findet nicht wie für die Disziplin sonst üblich auf einer Wiese oder am Waldrand statt, sondern mitten in Zürich. Und eine solche Strecke trifft die Radquer-Szene das ganze Jahr über genau einmal an. Für uns Profi-Fahrer ist das Rennen zudem etwas Besonderes, weil es so quasi unsere erste grosse Klassenzusammenkunft nach Saisonende im Januar ist, und das in einem spektakulären Wettkampfrahmen.

Beim Urban Cyclocross ist alles anders.  
Radquer-Profi Simon Zahner startet am 7. April zum dritten Mal am Urban Cyclocross in Zürich.
Radquer-Profi Simon Zahner startet am 7. April zum dritten Mal am Urban Cyclocross in Zürich.

Du gehst am Urban Cyclocross dieses Jahr bereits zum dritten Mal in Folge an den Start. Was macht für Dich den Reiz dieses unkonventionellen Rennens aus?
Einerseits ist der Rennmodus am Urban Cyclocross sehr interessant. Es ist ein Ausscheidungsrennen mit einem K.O.-System. Pro Rennrunde treten sechs Fahrer gegeneinander an und nur die besten drei kommen weiter. Als Fahrer weiss man so nie, wie der Tag verlaufen wird, ob man nach der ersten Runde nachhause muss, oder ob man acht, neun, zehn Mal an den Start geht. Diese Ungewissheit, zusammen mit der Herausforderung, den ganzen Tag über den Fokus zu behalten, sorgt für einen besonderen Kick. Dazu kommt, dass auch die Stimmung während des Rennens unvergleichbar ist. Jedes Mal, wenn wir Fahrer durch die Viaduktbögen in Richtung Josefwiese einbiegen, ist das, als ob wir in einen Hexenkessel voller Menschen fahren würden. Wenn die Zuschauer uns Fahrer sehen, geht es um alles. Man kann das vergleichen mit der letzten Runde in einem normalen Radquer-Rennen. Die Euphorie der Zuschauer und Fahrer ist dann jeweils auf dem Höhepunkt.

Jedes Mal, wenn wir Fahrer durch die Viaduktbögen in Richtung Josefwiese einbiegen, ist das, als ob wir in einen Hexenkessel voller Menschen fahren würden. 

Am Urban Cyclocross treten Spitzensportler gegen Velokuriere, gegen junge und alte Hobbyfahrer an. Das macht das Rennen einzigartig. Welche Tipps gibst Du Deinen weniger erfahrenen Konkurrenten mit auf den Weg?
Es ist immer wieder eindrücklich, wie gut sich die Hobbyfahrer am Urban Cyclocross schlagen. Bei den ersten zwei Durchführungen haben sich Hobbyfahrer beide Male einen Platz im Halbfinal gesichert. Beim einen oder anderen mussten sich die Profis also schon ein bisschen strecken, um nicht abgehängt zu werden. Was ich allgemein beobachtet habe, ist dass die Hobbyfahrer oft versuchen, die Profis zu imitieren, indem sie ihnen nachfahren. Das kommt aber fast nie gut. Mein Tipp an die Hobbyfahrer ist darum, dass sie sich am besten während der Streckenbesichtigung und beim Training vor dem Rennen an den Rand stellen sollten, um die Profis von der Seite zu beobachten. So lässt sich die Technik der Profis besser analysieren und auch der eine oder andere Trick erkennen.  

Der Schweizer Radquer-Profi Simon Zahner bestreitet als Mitglied des Teams EKZ Cyclocross-, Strassen- und Mountainbike-Rennen. Er ist 35 Jahre alt und wohnt mit seiner sechsköpfigen Familie im Zürcher Oberland.  

Seit ihrer Lancierung 2014 hat sich die EKZ CrossTour zu einer der wichtigsten internationalen Rennserien im Radquersport entwickelt. Präsentiert von den EKZ vereint die CrossTour die sechs Radquerrennen in Baden (AG), Bern (neu als UCI Radquer-Weltcup), Aigle (VD), Hittnau (ZH), Eschenbach (SG) und Meilen (ZH) zu einem Cup mit Gesamtwertung. Gemeinsam mit dem Urban Bike Festival organisiert die EKZ CrossTour zudem das Urban Cyclocross. Als Teil des Anfang April stattfindenden dreitägigen Festivals bringt das Urban Cyclocross Radquer mitten ins Trendquartier Zürich-West und sorgt so gleichermassen für Fahrer und Zuschauer für ein grossartiges Spektakel.
EKZ Crosstour
Urban Bike Festival
Union Cycliste Internationale (UCI)