Strom aus erneuerbaren Energien soll besser in den Markt integriert werden. Das ist das Ziel, das der Bund mit der «Direktvermarktung» verfolgt. Wie sie funktioniert und wer davon profitieren kann, erklärt EKZ-Produktmanager Patrick Reust.

Das revidierte Energiegesetz, das Anfang Jahr in Kraft getreten ist, hat viele Änderungen mit sich gebracht. Eine davon ist die «Direktvermarktung». Patrick Reust, wie ist diese Direktvermarktung einzuordnen?

Die Direktvermarktung löst die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ab. Die KEV war ein Fördermodell, mit dem der Strom, den ich z. B. mit meiner Solaranlage produziere und ins Netz einspeise, entschädigt wurde. Die Höhe der Vergütung pro eingespeiste Kilowattstunde war dabei immer gleich hoch – unabhängig von der Situation auf dem Strommarkt. Hier liegt der Unterschied zum «Einspeisevergütungssystem mit Direktvermarktung», wie das neue System mit vollem Namen heisst, das sich am Markt orientiert. Dank der Direktvermarktung soll der Strom aus erneuerbarer Energie bedarfsgerechter produziert werden als bis anhin, was die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit erhöht.

Patrick Reust, Strommanger EKZ: «Unter dem Strich hat der Kunde also eine planbare Vergütung, die über dem heutigen Vergütungssatz liegt.»
«Unter dem Strich hat der Kunde also eine planbare Vergütung, die über dem heutigen Vergütungssatz liegt.»

Wie funktioniert das neue System genau, sodass dem Markt Rechnung getragen wird?

Indem der Marktpreis als neue Komponente in das System integriert wird. Der Markpreis ist aber nur eine von drei Komponenten. Die anderen beiden Komponenten sind die Einspeiseprämie und das Bewirtschaftungsentgelt.
Die Einspeiseprämie ist die Differenz aus dem heutigen anlagenspezifischen KEV-Satz und dem Referenz-Marktpreis. Letzterer ist ein Durchschnittspreis, der vom Bundesamt für Energie (BFE) quartalsweise publiziert wird. Hier wird klar, dass wenn ein Anlagenbesitzer einen Marktpreis erzielt, der über dem Referenz-Marktpreis liegt, er einen Gewinn machen kann, während er im umgekehrten Fall (Markpreis liegt unter Referenz-Marktpreis) einen Verlust einfährt.
Die dritte Komponente, das Bewirtschaftungsentgelt, ist eine technologiespezifische Entschädigung, damit der Anlagenbesitzer seine Aufwände für die Vermarktung des Stroms decken kann.

Vergütung mit Direktvermarktung

Welche Anlagen sind von der Direktvermarktung betroffen?

Grundsätzlich betrifft sie alle Anlagen, die in der KEV waren bzw. heute im Einspeisevergütungssystem (EVS) sind. Je nach Anlagengrösse gibt es aber Unterschiede: Anlagen, die mehr als 500 Kilowatt Leistung haben und Ende 2017 bereits eine KEV erhalten haben, müssen spätestens per 1. Januar 2020 ihren Strom selber vermarkten, also in die Direktvermarktung wechseln. Auch wechseln müssen Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung, die ab 2018 neu ins EVS aufgenommen worden sind. Kleinere KEV-Anlagen hingegen dürfen wechseln.

Welche Rolle kommt EKZ in diesem System zu?

Wer seinen Strom nicht selber vermarkten will, kann diese Aufgabe an EKZ übertragen. EKZ übernimmt die Direktvermarktung des Stroms und alle administrativen Belange rund um den Wechsel. Im Gegenzug garantiert EKZ dem Kunden eine planbare und risikofreie Vergütung. Wenn wir zurück auf die drei oben erwähnten Komponenten gehen, bedeutet das konkret, dass EKZ dem Kunden immer den Referenz-Marktpreis für seinen Strom vergütet. Der Kunde trägt also keine Marktrisiken und hat auch keine Aufwände für die Vermarktung seines Stroms. Zusammen mit der Einspeiseprämie kommt der Kunde so auf den gleichen Betrag wie sein heutiger anlagenspezifischer Vergütungssatz.
Oben drauf erhält der Kunde eine EKZ-Prämie, ein fixer Betrag pro MWh. Diese Prämie entspricht dem Bewirtschaftungsentgelt, das der Anlagenbetreiber von der Pronovo* erhält, abzüglich dem Betrag, den er EKZ für die Dienstleistung bezahlt. Unter dem Strich hat der Kunde also eine planbare Vergütung, die über dem heutigen Vergütungssatz liegt.

[*Die Pronovo AG ist die akkreditierte Zertifizierungsstelle für die Erfassung von Herkunftsnachweisen und die Abwicklung der Förderprogramme für erneuerbare Energien des Bundes.]

Vergleich: bisher vs. EKZ-Direktvermarktung

Kann jemand mit einer Anlage, die nicht von EKZ ist, auch vom EKZ-Angebot der Direktvermarktung profitieren?

Ja, die Anlage muss nicht von EKZ sein und sie muss auch nicht im EKZ-Versorgungsgebiet stehen. Unser Angebot steht allen berechtigen Anlagen in der ganzen Schweiz zur Verfügung.

Welche Anlagen sind bereits heute in der Direktvermarktung und liefern ihren Strom an EKZ?

Da gibt es schon einige. Einer unserer Kunden ist das Holzheizkraftwerk Aubrugg in Wallisellen, das Strom aus Biomasse produziert. Bei der Photovoltaik haben wir zum Beispiel die Wegmüller AG in Attikon in der EKZ Direktvermarktung. Uns freut besonders, dass sich viele regionale Produzenten für unser Angebot entschieden haben.  

Gerade bei den kleineren Anlagen stellt sich die Frage, ab wann lohnt sich die Direktvermarktung?

Das hängt von vielen Faktoren ab, wovon die Anlagengrösse nur einer ist. Es lohnt sich aber sicher zu prüfen, wie viel im Einzelfall rausspringt. Wir von EKZ machen den Kunden sehr gerne eine individuelle Offerte.

Wann genau muss ich in die Direktvermarktung wechseln und wann kann ich wechseln?

Wer eine Anlage hat, die für die Direktvermarktung berechtigt ist, kann den Wechsel sofort beantragen. Der Wechsel ist aber nur quartalsweise möglich und muss drei Monate im Voraus beantragt werden. D.h. aktuell ist der früheste Eintritt in die Direktvermarktung per 1. April 2019 möglich, dieser muss aber bis Ende 2018 beantragt werden. Der nächste Eintrittstermin ist dann der 1. Juli 2019 usw. Per 1. Januar 2020 müssen alle Anlagen in die Direktvermarktung gewechselt haben, die dazu verpflichtet sind. Für unsere Kunden übernehmen wir übrigens alle administrativen Belange rund um den Wechsel.

Was passiert, wenn ich nichts mache?

Gemäss Bundesamt für Energie sieht es momentan so aus: Wenn der Wechsel in die Direktvermarktung nicht per 1. Januar 2020 erfolgt, dann entfällt der Anspruch auf die Einspeiseprämie. Die Anlage erhält somit nur noch den Referenz-Marktpreis. Sobald aber der Wechsel in die Direktvermarktung erfolgt ist, wird die Einspeiseprämie wieder ausbezahlt, jedoch nicht rückwirkend. Die Meldung für einen rechtzeitigen Wechsel muss also spätestens per 30. September 2019 erfolgen.