«Ein Strommangel hängt von vielen Faktoren ab»

Die Lage auf dem Strommarkt bleibt angespannt. Die Gefahr einer Strommangellage im Winter war in der Schweiz noch nie so gross wie jetzt. Was Sie dazu wissen sollten.

Luc Descombes
24. August 2022
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Situationsbesprechung in der EKZ-Betriebsführungsstelle in Dietikon. Von hier aus überwachen Dispatcher das Stromversorgungsnetz im Versorgungsgebiet von EKZ. Bilder: Norbert Egli

Thomas Arnet und Daniel Mettler sind bei EKZ verantwortlich für den Betrieb technischer Anlagen. Sie vertreten EKZ in der Schweizer Organisation für die Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (Ostral) und haben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Thomas Arnet und Daniel Mettler sind bei EKZ verantwortlich für den Betrieb technischer Anlagen. Sie vertreten EKZ in der Schweizer Organisation für die Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (Ostral) und haben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Thomas Arnet zeichnet bei EKZ verantwortlich für den Betrieb und die Instandhaltung des Anlagenparks. Er ist Teil der EKZ-Vertretung im Rahmen von Ostral. Bilder: Norbert Egli
Daniel Mettler ist Leiter des technischen Supports bei EKZ. Träte Ostral in Kraft, wäre er involviert in die Durchsetzung der vom Bund beschlossenen Massnahmen.

Wie stellt sich im Moment die Situation bei EKZ dar?

Thomas Arnet: Besonders angespannt ist die Lage zurzeit nicht. Nach den Vorgaben der Ostral wurde eine potenzielle Krisensituation bereits gründlich vorbereitet. Nun bereiten wir uns seitens EKZ darauf vor, unsere Rolle optimal erfüllen zu können. Wir fungieren als Ansprechpartner für Behörden, Netzbetreiber und Grosskunden in Bezug auf deren Vorbereitungsmassnahmen. Wir, denken mögliche Szenarien durch und testen sie. Ansonsten herrscht bei uns geschäftiges Treiben wie immer.

Wie real ist die Gefahr eines Strommangels im Winter in der Schweiz?

Thomas Arnet: Für uns deutet die aktuelle Lage in Europa darauf hin, dass die Schweiz den Strom, der ihr im Winter normalerweise fehlt und den sie daher seit 20 Jahren regelmässig im Ausland einkauft, nicht mehr so einfach bekommen könnte, wie bisher. Wie kritisch diese Situation dann aber im Winter sein wird, kann man heute schlicht noch nicht genau sagen. Denn das hängt von vielen Faktoren ab. Die Gefahr ist aber real.

Eine zentrale Frage ist, ob die Schweizer Stauseen im Herbst noch gefüllt werden können

Von welchen Faktoren hängt das denn genau ab?

Daniel Mettler: Erstens ist für uns entscheidend, wie voll die Schweizer Stauseen in den Bergen sein werden, damit wir den Schweizer Strombedarf möglichst mit inländischen Kraftwerken decken können. Bleibt der Herbst trocken, können die Stauseen nicht ausreichend gefüllt werden. Kommt dann noch ein kalter Winter hinzu, könnte es kritisch werden. Zweitens hängt das Stromnetz in Europa grenzübergreifend zusammen. Das bedeutet, dass alle Länder aufeinander angewiesen sind. Die Schweiz importiert im Winter traditionell Kernenergie aus Frankreich. Dort stehen aber die Hälfte der AKW zurzeit aus Revisionsgründen still. Die Frage ist, wie viele davon wieder in Betrieb genommen werden können. Oder auch wie viele Kohlekraftwerke Deutschland wieder ans Netz nehmen wird und ob man dort die verbleibenden Kernkraftwerke doch noch nicht vom Netz nimmt Ende Jahr. Auch die Gaslieferungen aus Russland werden einen Einfluss haben.

Dann hat der Ukrainekonflikt und die damit verbundene Gasknappheit nur einen geringen Einfluss auf die aktuelle Situation?

Thomas Arnet: Nein. Gas hat einen wesentlichen Einfluss auf die Stromproduktion insbesondere in Deutschland. Ausserdem sind die Gasturbinen wichtig, um den volatilen Beitrag von Sonnen- und Windenergie auszutarieren. Denn Gaskraftwerke sind fein regulierbar und deshalb insbesondere für die Stabilität des Stromnetzes wichtig. Die Deutschen machen mit Gas, was wir in der Schweiz mit unseren Speicherseen machen.

Wie bereitet man sich bei EKZ auf einen Strommangel vor?

Thomas Arnet: EKZ ist im Rahmen von Ostral in der Region Nordostschweiz verantwortlich für das Verteilnetz des Ostral-Sektors EKZ. Wir sind in der Stromversorgung aber zu 100 Prozent davon abhängig, ob wir Strom aus den vorgelagerten Netzen von Axpo und Swissgrid zum Verteilen erhalten. Darum bereiten wir uns insbesondere logistisch vor. Dazu gehört es, dass wir uns mit den Behörden absprechen, Entscheidungsketten definieren und Massnahmen wie Kontingentierungen oder Abschaltungen durchspielen und die Umsetzung testen. Im Falle einer Mangellage sind wir bereit, die Abläufe und Massnahmen von Ostral umsetzen. Üben und Vorbereiten steht momentan bei uns im Fokus.

Wie stellt sich im Moment die Situation bei EKZ dar?

Thomas Arnet: Besonders angespannt ist die Lage zurzeit nicht. Nach den Vorgaben der Ostral wurde eine potenzielle Krisensituation bereits gründlich vorbereitet. Nun bereiten wir uns seitens EKZ darauf vor, unsere Rolle optimal erfüllen zu können. Wir fungieren als Ansprechpartner für Behörden, Netzbetreiber und Grosskunden in Bezug auf deren Vorbereitungsmassnahmen. Wir, denken mögliche Szenarien durch und testen sie. Ansonsten herrscht bei uns geschäftiges Treiben wie immer.

Wie real ist die Gefahr eines Strommangels im Winter in der Schweiz?

Thomas Arnet: Für uns deutet die aktuelle Lage in Europa darauf hin, dass die Schweiz den Strom, der ihr im Winter normalerweise fehlt und den sie daher seit 20 Jahren regelmässig im Ausland einkauft, nicht mehr so einfach bekommen könnte, wie bisher. Wie kritisch diese Situation dann aber im Winter sein wird, kann man heute schlicht noch nicht genau sagen. Denn das hängt von vielen Faktoren ab. Die Gefahr ist aber real.

Eine zentrale Frage ist, ob die Schweizer Stauseen im Herbst noch gefüllt werden können

Von welchen Faktoren hängt das denn genau ab?

Daniel Mettler: Erstens ist für uns entscheidend, wie voll die Schweizer Stauseen in den Bergen sein werden, damit wir den Schweizer Strombedarf möglichst mit inländischen Kraftwerken decken können. Bleibt der Herbst trocken, können die Stauseen nicht ausreichend gefüllt werden. Kommt dann noch ein kalter Winter hinzu, könnte es kritisch werden. Zweitens hängt das Stromnetz in Europa grenzübergreifend zusammen. Das bedeutet, dass alle Länder aufeinander angewiesen sind. Die Schweiz importiert im Winter traditionell Kernenergie aus Frankreich. Dort stehen aber die Hälfte der AKW zurzeit aus Revisionsgründen still. Die Frage ist, wie viele davon wieder in Betrieb genommen werden können. Oder auch wie viele Kohlekraftwerke Deutschland wieder ans Netz nehmen wird und ob man dort die verbleibenden Kernkraftwerke doch noch nicht vom Netz nimmt Ende Jahr. Auch die Gaslieferungen aus Russland werden einen Einfluss haben.

Dann hat der Ukrainekonflikt und die damit verbundene Gasknappheit nur einen geringen Einfluss auf die aktuelle Situation?

Thomas Arnet: Nein. Gas hat einen wesentlichen Einfluss auf die Stromproduktion insbesondere in Deutschland. Ausserdem sind die Gasturbinen wichtig, um den volatilen Beitrag von Sonnen- und Windenergie auszutarieren. Denn Gaskraftwerke sind fein regulierbar und deshalb insbesondere für die Stabilität des Stromnetzes wichtig. Die Deutschen machen mit Gas, was wir in der Schweiz mit unseren Speicherseen machen.

Wie bereitet man sich bei EKZ auf einen Strommangel vor?

Thomas Arnet: EKZ ist im Rahmen von Ostral in der Region Nordostschweiz verantwortlich für das Verteilnetz des Ostral-Sektors EKZ. Wir sind in der Stromversorgung aber zu 100 Prozent davon abhängig, ob wir Strom aus den vorgelagerten Netzen von Axpo und Swissgrid zum Verteilen erhalten. Darum bereiten wir uns insbesondere logistisch vor. Dazu gehört es, dass wir uns mit den Behörden absprechen, Entscheidungsketten definieren und Massnahmen wie Kontingentierungen oder Abschaltungen durchspielen und die Umsetzung testen. Im Falle einer Mangellage sind wir bereit, die Abläufe und Massnahmen von Ostral umsetzen. Üben und Vorbereiten steht momentan bei uns im Fokus.

Thomas Arnet und Daniel Mettler tauschen sich regelmässig aus und besprechen die aktuelle Versorgungslage.

Welche Stromverbraucher würden in einem Notfall zuerst abgestellt?

Thomas Arnet: Es gibt Vorgaben des Bundes dazu, welche Verbraucher, wenn technisch möglich, nicht vom Netz genommen werden würden. Wenn abgeschaltet wird, wird dies vom Bundesrat per Verordnung entschieden. Dann werden wohl nicht fundamental notwendige Verbraucher wie Hallenbäder, Saunas oder Fitnesscenter zuerst verboten. Unternehmen und kritische Infrastrukturen müssen grundsätzlich immer darauf vorbereitet sein, dass die elektrische Versorgung nicht mehr funktioniert. Genaue Informationen darüber, wie eine solche Verordnung des Bundesrats aussehen würde, besitzen wir allerdings nicht.

Zyklische Stromabschaltungen sind unbedingt zu vermeiden

Welche Szenarien sind in einer Strommangellage denkbar?

Daniel Mettler: Oberstes Ziel aller Beteiligten ist es, Stromabschaltungen auf jeden Fall so lange als möglich zu verhindern. Denn solche hätten einschneidende Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung zur Folge. Wir gehen heute davon aus, dass mittels Sparaufrufen, Verboten und Kontingentierung solche Abschaltungen nicht notwendig werden. Versprechen kann das aber leider niemand. Wieviel man durch diese Massnahmen tatsächlich einsparen kann, weiss man heute nicht, denn man hat es noch nie ausprobiert. Es handelt sich also um Schätzungen darüber, wie die Bevölkerung und die Unternehmen sich verhalten werden. Das ist dann auch abhängig davon, welche Stromverbraucher der Bundesrat verbieten würde. Insofern kann man sich Szenarien vorstellen, die mehr oder weniger mühsam wären.

Was muss man sich unter Kontingentierungen vorstellen?

Daniel Mettler: Bei den Kontingentierungen würde man sich bei den Grosskunden, die über 100 Megawattstunden pro Jahr verbrauchen, anschauen, wieviel elektrische Energie sie in einer bestimmten Referenzperiode in der Vergangenheit verbraucht haben. Dann erhalten diese Grossverbraucher von EKZ im Namen des Bundes eine Verfügung, in der dann beispielsweise vorgegeben sein könnte, dass man den Verbrauch auf 80 Prozent dieser Referenzperiode herunterfahren müsste. Daran müssen sich die Kunden dann halten. Nach der Kontingentierungsperiode schaut man, ob die Vorgabe eingehalten wurde.
 

Welche Stromverbraucher würden in einem Notfall zuerst abgestellt?

Thomas Arnet: Es gibt Vorgaben des Bundes dazu, welche Verbraucher, wenn technisch möglich, nicht vom Netz genommen werden würden. Wenn abgeschaltet wird, wird dies vom Bundesrat per Verordnung entschieden. Dann werden wohl nicht fundamental notwendige Verbraucher wie Hallenbäder, Saunas oder Fitnesscenter zuerst verboten. Unternehmen und kritische Infrastrukturen müssen grundsätzlich immer darauf vorbereitet sein, dass die elektrische Versorgung nicht mehr funktioniert. Genaue Informationen darüber, wie eine solche Verordnung des Bundesrats aussehen würde, besitzen wir allerdings nicht.

Zyklische Stromabschaltungen sind unbedingt zu vermeiden

Welche Szenarien sind in einer Strommangellage denkbar?

Daniel Mettler: Oberstes Ziel aller Beteiligten ist es, Stromabschaltungen auf jeden Fall so lange als möglich zu verhindern. Denn solche hätten einschneidende Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung zur Folge. Wir gehen heute davon aus, dass mittels Sparaufrufen, Verboten und Kontingentierung solche Abschaltungen nicht notwendig werden. Versprechen kann das aber leider niemand. Wieviel man durch diese Massnahmen tatsächlich einsparen kann, weiss man heute nicht, denn man hat es noch nie ausprobiert. Es handelt sich also um Schätzungen darüber, wie die Bevölkerung und die Unternehmen sich verhalten werden. Das ist dann auch abhängig davon, welche Stromverbraucher der Bundesrat verbieten würde. Insofern kann man sich Szenarien vorstellen, die mehr oder weniger mühsam wären.

Was muss man sich unter Kontingentierungen vorstellen?

Daniel Mettler: Bei den Kontingentierungen würde man sich bei den Grosskunden, die über 100 Megawattstunden pro Jahr verbrauchen, anschauen, wieviel elektrische Energie sie in einer bestimmten Referenzperiode in der Vergangenheit verbraucht haben. Dann erhalten diese Grossverbraucher von EKZ im Namen des Bundes eine Verfügung, in der dann beispielsweise vorgegeben sein könnte, dass man den Verbrauch auf 80 Prozent dieser Referenzperiode herunterfahren müsste. Daran müssen sich die Kunden dann halten. Nach der Kontingentierungsperiode schaut man, ob die Vorgabe eingehalten wurde.
 

In der EKZ-Betriebsführungsstelle überwachen Dispatcher 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr das Versorgungsnetz.
Bild: Noë Flum

Was passiert, wenn man diese Menge überschritten hat?

Thomas Arnet: In diesem Fall muss EKZ den Verbraucher beim Bund melden. Der Bund informiert dann wiederum die Behörden. Daraufhin würde die Strafverfolgung eingeleitet über den Kanton und entsprechend Bussen ausgestellt oder allenfalls die Abschaltungen angeordnet.

Was, wenn das alles zu wenig bringen würde?

Daniel Mettler: Der äusserste Fall wäre das Szenario der zyklischen Abschaltungen. Dieses gilt es, wie gesagt, unbedingt zu verhindern. Abschaltungen würden in vierstündigen Perioden erfolgen. Auch hier gäbe es wiederum Szenarien: das der 50-Prozent- und das der 30-Prozent-Abschaltungen. Im ersten Fall hätte man vier Stunden lang Strom gefolgt von vier Stunden Stromunterbruch und so weiter. Im Fall des 30-Prozent-Rhythmus hätte man jeweils vier Stunden keinen Strom gefolgt von acht Stunden Strom. Solche Abschaltungen würden gebietsweise über den Kanton verteilt werden.

Was wären die Konsequenzen von Abschaltungen für Industrie, Wirtschaft und Bevölkerung?

Daniel Mettler: Sie wären weitreichend und würden Bevölkerung wie Wirtschaft gleichermassen treffen. Es käme zu massiven Einschränkungen in den verschiedensten Bereichen. Beispielsweise dürfte es nicht mehr so einfach möglich sein, sich kurzfristig mit Lebensmitteln einzudecken, tanken zu gehen, oder anderen Tätigkeiten des täglichen Lebens nachzugehen. Darum muss eine solche Situation unter allen Umständen verhindert werden können. Abschaltungen sind die Ultima Ratio.

Wie kann ich mich als Privatperson auf einen Strommangel vorbereiten?

Daniel Mettler: Das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung bietet auf seiner Website einen nützlichen Ratgeber. Es ist empfehlenswert, sich diesen anzuschauen. 

Wie können sich Unternehmen auf einen Strommangel vorbereiten?

Thomas Arnet: Unternehmen empfehlen wir seit letztem Herbst, sich zu überlegen, wo man Einsparungen treffen könnte, damit sie auch mit weniger Energie den Betrieb aufrechterhalten können. Man sollte abklären, ob es Komfortbereiche gibt, auf die man notfalls verzichten könnte.

Daniel Mettler: Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man eine Produktionsschicht weniger fahren oder eine Produktionsstrasse nicht in Betrieb nehmen würde. Ganz grosse Unternehmen wie zum Beispiel die Detailhändler könnten vorübergehend Filialen schliessen und im Öffentlichen Verkehr wäre es denkbar, dass man den Fahrplan ausdünnt und der Zug weniger häufig fährt.

Ist die Situation, die wir jetzt erleben, eine einmalige Geschichte?

Daniel Mettler: Ein potenzieller Strommangel beschäftigt uns schon mehrere Jahre. Ostral existiert bereits seit über 30 Jahren und die Vorgängerorganisation entstand kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Es ist jetzt einfach so, dass aufgrund der zuvor genannten Faktoren eine Strommangellage wahrscheinlicher wird. Wir gehen davon aus, dass wir uns, solange solche grossen Abhängigkeiten vom Ausland bestehen und solange man auf den Import von Energie angewiesen ist, immer auf eine Strommangellage einstellen müssen. Das wird sich nicht von heute auf morgen ändern und auch nächstes und übernächstes Jahr ein Thema sein.

Problematisch ist, dass wir in der Schweiz niemanden haben, der die alleinige Verantwortung für die Stromversorgung trägt

Thomas Arnet: Das Problem ist auch, dass wir in der Schweiz bei keiner Instanz die alleinige Verantwortung für die Stromversorgung verordnen können. Der Bundesrat sieht die Branche in der Pflicht, die Branche wiederum den Bundesrat. Und deshalb regelt schlussendlich der Markt die Stromversorgung. Ist der Strom zu günstig, hat niemand Interesse, neue Kraftwerke zu bauen. Entsprechend wurden keine neuen Kraftwerke mehr gebaut. Früher war es so, dass der Staat dafür gesorgt hat, dass genügend Kraftwerke zur Verfügung standen, ungeachtet der Kosten. Wie man nun sieht, können sich Strompreise plötzlich verändern. Augrund der sehr hohen Kosten würde es sich heute lohnen, neue Kraftwerke zu bauen. Jedoch hat man ja keine Sicherheit, dass die Preise so hoch bleiben und man dann nicht in ein Rentabilitätsproblem läuft. Zudem muss man vom Entscheid, ein neues Kraftwerk zu bauen, bis zur Inbetriebnahme, mit mehreren Jahren rechnen. Von daher ist es eigentlich fast gegeben, dass das Thema Energie in den kommenden Jahren eine hohe Priorität haben wird in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Wie könnte man kurzfristig reagieren?

Daniel Mettler: Der Bund hat ja nun beschlossen, dass man bereits in diesem Winter neue Gaskraftwerke ans Netz nehmen will, die im Notfall auch mit Öl betrieben werden können. Das dürfte etwas helfen. Jedoch wird es schwierig werden, mit solchen Kraftwerken den Wegfall eines Kernkraftwerks zu kompensieren. Ein grundlegendes Problem ist wohl, dass man in den vergangenen Jahren Kapazitäten und Reserven abgebaut hat, ohne sich genügend Gedanken zu machen, wie man diese ersetzen kann. Man hat sich auf den Import verlassen.  

Was passiert, wenn man diese Menge überschritten hat?

Thomas Arnet: In diesem Fall muss EKZ den Verbraucher beim Bund melden. Der Bund informiert dann wiederum die Behörden. Daraufhin würde die Strafverfolgung eingeleitet über den Kanton und entsprechend Bussen ausgestellt oder allenfalls die Abschaltungen angeordnet.

Was, wenn das alles zu wenig bringen würde?

Daniel Mettler: Der äusserste Fall wäre das Szenario der zyklischen Abschaltungen. Dieses gilt es, wie gesagt, unbedingt zu verhindern. Abschaltungen würden in vierstündigen Perioden erfolgen. Auch hier gäbe es wiederum Szenarien: das der 50-Prozent- und das der 30-Prozent-Abschaltungen. Im ersten Fall hätte man vier Stunden lang Strom gefolgt von vier Stunden Stromunterbruch und so weiter. Im Fall des 30-Prozent-Rhythmus hätte man jeweils vier Stunden keinen Strom gefolgt von acht Stunden Strom. Solche Abschaltungen würden gebietsweise über den Kanton verteilt werden.

Was wären die Konsequenzen von Abschaltungen für Industrie, Wirtschaft und Bevölkerung?

Daniel Mettler: Sie wären weitreichend und würden Bevölkerung wie Wirtschaft gleichermassen treffen. Es käme zu massiven Einschränkungen in den verschiedensten Bereichen. Beispielsweise dürfte es nicht mehr so einfach möglich sein, sich kurzfristig mit Lebensmitteln einzudecken, tanken zu gehen, oder anderen Tätigkeiten des täglichen Lebens nachzugehen. Darum muss eine solche Situation unter allen Umständen verhindert werden können. Abschaltungen sind die Ultima Ratio.

Wie kann ich mich als Privatperson auf einen Strommangel vorbereiten?

Daniel Mettler: Das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung bietet auf seiner Website einen nützlichen Ratgeber. Es ist empfehlenswert, sich diesen anzuschauen. 

Wie können sich Unternehmen auf einen Strommangel vorbereiten?

Thomas Arnet: Unternehmen empfehlen wir seit letztem Herbst, sich zu überlegen, wo man Einsparungen treffen könnte, damit sie auch mit weniger Energie den Betrieb aufrechterhalten können. Man sollte abklären, ob es Komfortbereiche gibt, auf die man notfalls verzichten könnte.

Daniel Mettler: Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man eine Produktionsschicht weniger fahren oder eine Produktionsstrasse nicht in Betrieb nehmen würde. Ganz grosse Unternehmen wie zum Beispiel die Detailhändler könnten vorübergehend Filialen schliessen und im Öffentlichen Verkehr wäre es denkbar, dass man den Fahrplan ausdünnt und der Zug weniger häufig fährt.

Ist die Situation, die wir jetzt erleben, eine einmalige Geschichte?

Daniel Mettler: Ein potenzieller Strommangel beschäftigt uns schon mehrere Jahre. Ostral existiert bereits seit über 30 Jahren und die Vorgängerorganisation entstand kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Es ist jetzt einfach so, dass aufgrund der zuvor genannten Faktoren eine Strommangellage wahrscheinlicher wird. Wir gehen davon aus, dass wir uns, solange solche grossen Abhängigkeiten vom Ausland bestehen und solange man auf den Import von Energie angewiesen ist, immer auf eine Strommangellage einstellen müssen. Das wird sich nicht von heute auf morgen ändern und auch nächstes und übernächstes Jahr ein Thema sein.

Problematisch ist, dass wir in der Schweiz niemanden haben, der die alleinige Verantwortung für die Stromversorgung trägt

Thomas Arnet: Das Problem ist auch, dass wir in der Schweiz bei keiner Instanz die alleinige Verantwortung für die Stromversorgung verordnen können. Der Bundesrat sieht die Branche in der Pflicht, die Branche wiederum den Bundesrat. Und deshalb regelt schlussendlich der Markt die Stromversorgung. Ist der Strom zu günstig, hat niemand Interesse, neue Kraftwerke zu bauen. Entsprechend wurden keine neuen Kraftwerke mehr gebaut. Früher war es so, dass der Staat dafür gesorgt hat, dass genügend Kraftwerke zur Verfügung standen, ungeachtet der Kosten. Wie man nun sieht, können sich Strompreise plötzlich verändern. Augrund der sehr hohen Kosten würde es sich heute lohnen, neue Kraftwerke zu bauen. Jedoch hat man ja keine Sicherheit, dass die Preise so hoch bleiben und man dann nicht in ein Rentabilitätsproblem läuft. Zudem muss man vom Entscheid, ein neues Kraftwerk zu bauen, bis zur Inbetriebnahme, mit mehreren Jahren rechnen. Von daher ist es eigentlich fast gegeben, dass das Thema Energie in den kommenden Jahren eine hohe Priorität haben wird in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Wie könnte man kurzfristig reagieren?

Daniel Mettler: Der Bund hat ja nun beschlossen, dass man bereits in diesem Winter neue Gaskraftwerke ans Netz nehmen will, die im Notfall auch mit Öl betrieben werden können. Das dürfte etwas helfen. Jedoch wird es schwierig werden, mit solchen Kraftwerken den Wegfall eines Kernkraftwerks zu kompensieren. Ein grundlegendes Problem ist wohl, dass man in den vergangenen Jahren Kapazitäten und Reserven abgebaut hat, ohne sich genügend Gedanken zu machen, wie man diese ersetzen kann. Man hat sich auf den Import verlassen.  

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