Rickenbach LEGt los

Seit Anfang Jahr können in der Schweiz lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) gegründet werden. Damit existiert neu ein weiteres Verbrauchsmodell, um lokal produzierten Strom möglichst vielen zur Verfügung zu stellen – und ihn so da zu nutzen, wo er produziert wird.

Viviane Ammann
18. März 2026
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Rickenbach aus der Vogelperspektive mit Blick auf die Solaranlage der Wegmüller AG – ein Teil ihres überschüssigen Stroms wird seit Anfang Jahr über eine LEG mit dem Dorf geteilt. (Bild: Caroline Fink)

Wer eine Solaranlage besitzt, möchte möglichst viel vom eigenproduzierten Strom selbst nutzen und so den Eigenverbrauch optimieren. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit der Anlage, entlastet das Stromnetz – und das Portemonnaie.  
Produziert die eigene Anlage mehr Strom, als man selbst verbraucht, liegt es nahe, den überschüssigen Strom mit anderen zu teilen. Durch die Gründung einer Eigenverbrauchsgemeinschaft in der Nachbarschaft – einem (v)ZEV – lässt sich der Eigenverbrauch steigern. LEG sind eine neue Möglichkeit, um überschüssigen Solarstrom lokal zu teilen. Der Clou: Sie erweitern den Radius bis zur Gemeindegrenze.  

LEG als Pflicht, «Gemeinsamstrom» als Kür 

Als Verteilnetzbetreiber ist EKZ seit Anfang Jahr gesetzlich verpflichtet, die Gründung einer LEG im EKZ-Netzgebiet zu ermöglichen. Als zukunftsgerichteter Energiedienstleister geht EKZ aber weiter und unterstützt Gemeinden auch bei der Umsetzung und dem Betrieb einer LEG – und hat dazu das ganzheitliche LEG-Angebot «Gemeinsamstrom» ausgearbeitet. Damit begleitet EKZ Gemeinden durch den kompletten LEG-Prozess von der Planung bis zum Betrieb, erklärt Cinzia Battaglia. Sie ist Business Development Managerin Gemeinsamstrom bei EKZ und die erste Ansprechperson für Gemeinden.

Cinzia Battaglia verantwortet bei EKZ das Angebot «Gemeinsamstrom» und unterstützt Gemeinden bei der Umsetzung von lokalen Elektrizitätsgemeinschaften.

Die Umsetzung einer LEG ist anspruchsvoll. Mit ‘EKZ Gemeinsamstrom’ wollen wir die Gemeinden mit einer ganzheitlichen Lösung entlasten – und möglichst vielen Konsumentinnen und Konsumenten Zugang zu nachhaltigem, lokal produziertem Strom ermöglichen. 

LEG mit «EKZ Gemeinsamstrom» – kurz erklärt 

Eine LEG erlaubt es Bewohnerinnen und Bewohnern derselben Gemeinde und im selben Netzgebiet, lokal produzierten Solarstrom gemeinsam zu nutzen. Eine LEG bringt Vorteile für Produzenten und Verbraucher. Die einen können von einer gesicherten, marktpreis-unabhängigen Vergütung für ihren überschüssigen Strom profitieren. Die anderen erhalten Zugang zu lokalem, nachhaltigem Strom, ohne eine eigene Solaranlage –  und zum gleichen Preis wie der EKZ-Standardtarif. 

Mehr Infos zum EKZ Gemeinsamstrom

Rickenbach als LEG-Vorreiter 

In Rickenbach im Zürcher Weinland begleitet EKZ eine der ersten Gemeinden mit «Gemeinsamstrom» beim Aufbau einer LEG. Angestossen wurde das Projekt von zwei privaten Initianten. Einer davon ein energieaffiner Anwohner mit eigener Solaranlage auf dem Dach, der andere ein lokaler Unternehmer und Solargrossproduzent. «Ich finde es lässig, dass es mit der Energiewende vorwärts geht und ich will meinen Beitrag leisten», erklärt Marc Wegmüller von der Wegmüller AG seine Beweggründe hinter der LEG-Gründung. Seine Solaranlage hat eine Leistung von 700 kWp. Das entspricht etwa dem 60-fachen einer durchschnittlichen Solaranlage auf einem Privatdach. Der Wermutstropfen: die sinkenden Preise für den eingespeisten Strom, im Fall der Wegmüller AG rund 20 Prozent der Produktion. Mit der LEG hat er nun eine Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit seiner Investition zu verbessern, denn: «Unseren überschüssigen Strom teilen wir dank der LEG jetzt mit dem ganzen Dorf – und es schaut erst noch finanziell etwas raus», freut sich Marc Wegmüller. «Eine tolle Geschichte», findet auch Andy Karrer, Gemeindepräsident von Rickenbach. «Als Gemeinde unterstützen wir den Ausbau erneuerbarer Energien, wollen unseren Strom aber auch selbst nutzen», sagt er. Was die LEG für Rickenbach besonders interessant macht: Aufgrund des Heimatschutzes dürfen viele Liegenschaften im Dorf keine Solaranlage installieren. Mit der LEG erhalten diese Haushalte dennoch Zugang zu lokal produziertem Strom. Den LEG-Vorstoss aus dem Dorf hat der Gemeinderat deshalb sofort aufgenommen und EKZ ins Boot geholt. Dass die Gemeinde dabei eine Vorreiterrolle einnimmt, ist ein zusätzlicher Ansporn. «Wir wollen von Anfang an dabei sein und Erfahrungen sammeln», sagt Andy Karrer. Entsprechend wichtig war es für die Gemeinde, dass die LEG-Gründung gleich Anfang 2026 und somit als eine der ersten LEG mit «Gemeinsamstrom» im EKZ-Versorgungsgebiet erfolgt ist.  

Bringen den «EKZ Gemeinsamstrom» nach Rickenbach (v.l.): Gemeindepräsident Andy Karrer und die beiden privaten Initianten aus dem Dorf Marc Wegmüller und Matthias Höhn.
Bild: Caroline Fink
Die erste Solaranlage auf den Dächern der Wegmüller AG wurde bereits 2012 installiert, in der Zwischenzeit wurde die Anlage auf eine Leistung von rund 700 kWp ausgebaut – etwa das 60-fache einer durchschnittlichen Solaranlage auf einem Privatdach.
Bild: Caroline Fink

Auch beim Wind die Nase vorn 

Rickenbach ist eine der drei Gemeinden, in denen Zürich Wind in diesem Jahr mit Windmessungen startet. Die Kombination von Windenergie und der LEG im Dorf eröffnet dabei spannende Möglichkeiten – auch mit Blick auf die Akzeptanz des Projekts. Die entsprechenden Abklärungen dazu sind im Gang.  

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Testballon mit Potenzial 

Aktuell umfasst die LEG Rickenbach die Liegenschaften der Gemeinde- und Schulverwaltung, zwei private Solaranlagen sowie einen Teil der Grossanlage der Wegmüller AG. «Für uns ist das ein Testballon mit grossem Potenzial für Weiterentwicklung», so Andy Karrer. In Rickenbach wolle man den Ausbau der LEG nun kontinuierlich vorantreiben und mehr und mehr Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner für die Teilnahme gewinnen.  

Auch die Gemeinden Dinhard, Mettmenstetten, Dachsen, Neftenbach und Stammheim haben LEG-Projekte mit «EKZ Gemeinsamstrom» lanciert. Mit weiteren Gemeinden steht EKZ im Austausch.  

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