Seit Ende September kann auf «sonnendach.ch» für jede Immobilie der Schweiz das Solarpotenzial ermittelt werden. Im Interview erklärt Walter Sachs von Solar Campus, welche Bedeutung diese Daten für die Solarbranche haben.

Herr Sachs, auf sonnendach.ch lässt sich jetzt auch das Solarpotenzial der Stadt Zürich berechnen und damit aller Dächer der ganzen Schweiz. Was steckt da dahinter?

Das ist eine komplexe Datengeschichte. Basierend auf den Wetterdaten von MeteoSchweiz, dem geografisch verorteten Basis-Register aller Adressen (GWR), den Dachmodellen von SwissBuildings3D und Geländemodellen für die Verschattung von Swisstopo wird die Eignung jedes einzelnen Daches für Solaranlagen ermittelt. Durch Verknüpfung all dieser Daten erhält man für jeden Dachabschnitt die Fläche, die Ausrichtung, den Neigungswinkel sowie die monatlichen Einstrahlungswerte der vergangenen zwölf Monate.

Die Stadt Zürich war der letzte weisse Fleck auf sonnendach.ch. Jetzt ist auch das Solarpotenzial der Dächer in der grössten Stadt der Schweiz erfasst.
Die Stadt Zürich war der letzte weisse Fleck auf sonnendach.ch. Jetzt ist auch das Solarpotenzial der Dächer in der grössten Stadt der Schweiz erfasst.
Auf sonnendach.ch sieht man, wie gut welches Dach geeignet ist: dunkelrot = top; dunkelorange = sehr gut; hellorange = gut; gelb = mittel; blau = gering.
Auf sonnendach.ch sieht man, wie gut welches Dach geeignet ist: dunkelrot = top; dunkelorange = sehr gut; hellorange = gut; gelb = mittel; blau = gering.
Viel mehr Details von den Kosten über die kWh bis hin zur Amortisation der gesamten Investition erhält man, wenn man seine Daten auf der Berechnungsseite von EKZ (einfachsolar.ch) eingibt.
Viel mehr Details von den Kosten über die kWh bis hin zur Amortisation der gesamten Investition erhält man, wenn man seine Daten auf der Berechnungsseite von EKZ (einfachsolar.ch) eingibt.
«Die Eignung jedes einzelnen Daches für Solaranlagen wird ermittelt»

Hat es darum so lange gedauert, bis alle Dächer erfasst waren?

Die Abdeckung des Solarkatasters wurde, wohl aufgrund der komplexen Berechnungen, stückweise veröffentlicht. Wir sind froh, dass nun mit Zürich die gesamte Schweiz durch das Kataster abgedeckt ist. Schön ist, dass der Bund eine Open-Data-Strategie verfolgt. Das heisst, diese Daten sind allen zugänglich und können für weitere Berechnungen genutzt werden. 

Was macht denn Solar Campus damit?

Wir haben auf der Basis dieser Informationen, die wir mit weiteren Daten wie Dämmwert der Gebäudehülle, Fensterfläche, Anzahl Bewohner oder Heizungstyp kombinieren, den wohl am einfachsten bedienbaren Solarrechner entwickelt. Dank dieses Tools können Solaranlagen-Interessierte einfach herausfinden, wieviel eine Solaranlage auf ihrem Dach leisten und kosten würde.

«Solaranlagen-Interessierte können dank dieses Tools einfach herausfinden, wieviel eine Solaranlage auf ihrem Dach leisten und kosten würde.»

Der einfachSolar-Rechner von EKZ basiert auf Ihrem Tool. Was wird da im Hintergrund berechnet, wenn jemand bei uns seine Daten eingibt?

Für die eigentliche Simulation werden die Daten an unsere Server geschickt. Das dort installierte Tachion-Framework berechnet in Windeseile die ideale Grösse der Anlage für die jeweilige Dach- und Verbrauchssituation, die Kosten dieser Anlage und wie lange es dauert, bis sie amortisiert ist. Da wird etwa simuliert, wie die Sonne ein ganzes Jahr lang über das Haus saust, dass es zwischendurch Wolken, Schnee oder Regen hat, dass es wärmer und kälter ist und die Bewohner heizen, lüften, waschen oder kochen. Aber auch die Stromkosten und die Rückliefertarife des jeweiligen Versorgers sowie die Einmalvergütung des Bundes fliessen hinein. Der Kunde erhält eine Berechnung der Jahresstromproduktion, des Verbrauchs vor Ort sowie der zu erwartenden Kosten.  

Wie genau sind Ihre Simulationen?

Je mehr konkrete Angaben ein Kunde machen kann, desto genauer sind die Ergebnisse. Beim Stromverbrauch liegt die grösste Unsicherheit: Da eine Solaranlage über 30 und mehr Jahre in Betrieb ist, muss für diese Zeit ein Verbrauch angenommen werden. Hier stützen wir uns auf statistische Daten ab, welche aber im Einzelfall auch wieder variieren können.

«Eine nachhaltige, ökologische Energieproduktion ist das grösste Geschenk, das wir unseren Kindern machen können.»

Sind Sie mit diesem Tool in eine wirtschaftliche Lücke gesprungen?

In erster Linie geht es uns darum, die Energiewende voranzubringen. Wie uns der diesjährige Sommer gezeigt hat, ist der Klimawandel voll im Gange. Um diesen zu bremsen, müssen wir unseren CO2-Ausstoss massiv drosseln. Und dafür braucht es Solaranlagen. Eine nachhaltige und ökologische Energieproduktion ist das grösste Geschenk, das wir unseren Kindern machen können. Ich vergleiche das mit dem ersten Gotthardtunnel. Von dem hat nicht nur jene Generation profitiert, die ihn gebaut hat, sondern die nachfolgenden Generationen ebenfalls.

  • Im Dezember 2011 reichte die Grüne Fraktion beim Bundesrat eine Motion mit dem Titel «Solarkataster für die ganze Schweiz» ein. Ziel war ein nationales, öffentlich zugängliches Solarkataster.
  • Der Bundesrat nahm die Motion im Februar 2012 an und das Bundesamt für Landestopographie, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie und das Bundesamt für Energie wurden mit der Erstellung eines Solarkatasters beauftragt. 
  • Eine erste Datenbasis wurde im Februar 2016 vorgestellt. Seither kamen Schritt für Schritt weitere Teile der Schweiz hinzu. 
  • Am 26. September 2018 war mit der gesamten Stadt Zürich der letzte Fleck erfasst, der auf www.sonnendach.ch noch fehlte.
  • Das Bundesamt für Energie BFE schätzt auf Basis der Sonnendach-Daten das technisch machbare Solarenergiepotenzial der gut bis sehr gut geeigneten Schweizer Gebäudedächer auf rund 50 TWh/Jahr.
  • Sonnendach ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamtes für Energie, des Bundesamts für Landestopografie (swisstopo) sowie des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz).