Ein Watt d’Or 2018 geht an das verkehrsbeobachtende Licht in Urdorf, ein Pilotprojekt der EKZ und Schréder SA. Projektleiter Jörg Haller über die Bedeutung des Preises und die Zukunft des verkehrsbeobachtenden Lichts.

Jörg Haller, das verkehrsbeobachtende Licht in Urdorf gewinnt den Watt d’Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Auch wenn der Watt d’Or ausserhalb der Energiebranche nicht so bekannt ist, hat er für uns einen hohen Stellenwert: Beim verkehrsbeobachtenden Licht geht es um eine neue Philosophie, das Licht zu steuern. Und der Watt d’Or bestätigt uns in dieser Philosophie. Gleichzeitig motiviert er uns, neue Wege zu gehen, gerade im Bereich Smart City. Ich bin überzeugt, dass Strassenleuchten eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Infrastruktur von Städten und Gemeinden intelligent zu machen.

Intelligente Lichtsteuerungen gibt es bereits seit einigen Jahren. Was ist anders an der Steuerung in Urdorf?

Bei unserem Projekt an der Birmensdorferstrasse in Urdorf passt sich das Licht fliessend und kaum wahrnehmbar dem Verkehrsaufkommen an. Das hat mehrere Vorteile: Für Autos und Fussgänger ist diese Kantonsstrasse immer optimal beleuchtet. Für die Anwohner ist dieses sanfte Hoch- und Runterfahren des Lichts angenehmer als ein Licht, das schnell auf Bewegungen reagiert und dann häufig ein- und ausschaltet. Das verkehrsbeobachtende Licht schont aber auch nachtaktive Tiere wie Insekten und Fledermäuse, da es nur so viel wie nötig beleuchtet.

Je nach Verkehrsaufkommen verändert sich die Beleuchtungsstärke in Urdorf normgerecht zwischen 100% (links) und 40% (rechts).
Je nach Verkehrsaufkommen verändert sich die Beleuchtungsstärke in Urdorf normgerecht zwischen 100% (links) und 40% (rechts).
Das verkehrsbeobachtende Licht haben die EKZ zusammen mit dem Beleuchtungsunternehmen Schréder entwickelt.
Das verkehrsbeobachtende Licht haben die EKZ zusammen mit dem Beleuchtungsunternehmen Schréder entwickelt.
Mit dem Watt d’Or zeichnet das Bundesamt für Energie innovative Schweizer Unternehmen aus, welche die Energiezukunft erfolgreich und mutig in die Praxis umsetzen.
Mit dem Watt d’Or zeichnet das Bundesamt für Energie innovative Schweizer Unternehmen aus, welche die Energiezukunft erfolgreich und mutig in die Praxis umsetzen.

Die Steuerung, die hinter dem verkehrsbeobachtenden Licht in Urdorf steckt, ist bislang die Einzige ihrer Art. Wie sehen Sie die Zukunft?

Diese Art der Steuerung eignet sich für alle Strassen – insbesondere dort, wo es zu den Stosszeiten viel und dazwischen wenig Verkehr hat. Damit die Steuerung an weiteren solchen Strassen eingesetzt wird, muss sie für die Strasseneigentümer, also die Gemeinden und Kantone, erschwinglich werden. Die Industrie ist hier bereits daran, serienreife Steuerungen zu entwickeln.
Gleichzeitig möchten wir die Steuerung weiterbringen, sodass sie auch bei komplexen Verkehrssituationen wie zum Beispiel einer Kreuzung funktioniert.

Jörg Haller leitet seit 2010 die Abteilung Öffentliche Beleuchtung und smarte Infrastruktur der EKZ. Zuvor war der Ingenieur einige Jahre in der Industrie und Forschung tätig. Er hat sich intensiv für die Einführung von LED eingesetzt und zahlreiche Projekte sowie Pilotversuche zur intelligenten Steuerung der öffentlichen Beleuchtung realisiert. Jörg Haller engagiert sich in verschiedenen Fachgremien wie der Fachgruppe für Öffentliche Beleuchtung der Schweizer Lichtgesellschaft.

Mit dem Watt d’Or zeichnet das Bundesamt für Energie innovative Schweizer Unternehmen aus, welche die Energiezukunft erfolgreich und mutig in die Praxis umsetzen. Der Preis wird in den vier Kategorien Energietechnologien, Erneuerbare Energien, Energieeffiziente Mobilität sowie Gebäude und Raum vergeben. Zusätzlich wurde dieses Jahr ein Spezialpreis Energieeffizienz vergeben. Die Preisverleihung findet am 11. Januar 2018 in Bern statt.
wattdor.ch