Preisgekröntes Licht der Zukunft

Preisgekröntes Licht der Zukunft

Das EKZ Pilotprojekt «Verkehrsbeobachtendes Licht» in Urdorf gewinnt einen Watt d’Or. Die Steuerung, die die Strassenbeleuchtung sanft dem Verkehrs­aufkommen anpasst, hat die Jury überzeugt. Die EKZ freuen sich riesig – und entwickeln bereits die Version 2.0.

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Es war Freitagnachmit­tag, irgendwann im letzten November», erzählt Jörg Haller, Leiter Beleuchtung und Smart City bei den EKZ. «Ich hatte eine intensive Woche hinter mir und war noch unterwegs, als ein Mail vom Bundesamt für Energie in meinem Postfach landete.» Der Satz «Ihr Projekt ‹Verkehrsbeobachtendes Licht› hat den Watt d’Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien ge­wonnen», traf ihn ziemlich unvorbereitet. «Im ersten Moment war ich völlig überrascht. Ich hatte über­haupt nicht damit gerechnet», gibt Jörg Haller zu. «Mir war zwar klar, dass die Steuerung, die wir mit dem Beleuchtungsunternehmen Schréder in Urdorf an der Birmensdorferstrasse – übrigens eine Kantons­strasse – entwickelt haben, innovativ ist. Wir haben bei dieser Smart-­City-­Lösung Verkehrsmessung und Lichtsteuerung miteinander verknüpft.» Gleichzeitig wusste er aber nicht, wie viele und vor allem welche Projekte sonst noch eingereicht worden sind. «Im zweiten Moment habe ich mich dann riesig gefreut», sagt Haller strahlend. Noch grösser wurde die Freude, als er später erfuhr, dass insgesamt über 70 Projekte im Rennen waren. Fünf davon wurden mit einem Watt d’Or ausgezeichnet, eines davon mit einem Spezialpreis (siehe Box).

Die Preisverleihung fand am 11. Januar 2018 in Bern statt.
Die Preisverleihung fand am 11. Januar 2018 in Bern statt.
Jörg Haller, Leiter Beleuchtung und Smart City, EKZ
Jörg Haller, Leiter Beleuchtung und Smart City, EKZ

AUF DEM RICHTIGEN WEG

Ausgiebig feiern konnten Jörg Haller und sein Team allerdings zunächst nur im kleinen Kreis, weil die Gewinner und ihre Projekte erst an der Verleihung im Januar bekanntgege­ben wurden. «Das hat mir nichts ausgemacht, gerade wenn ich vergleiche, wie viel Zeit die Entwicklung der ganzen Lichtsteuerung in Urdorf in Anspruch genom­men hat», meint Jörg Haller und ergänzt: «Diesen Preis überreicht zu bekommen, das ist das eine. Das andere ist die Bedeutung, die diese Auszeichnung für die Zukunft der intelligenten Lichtsteuerung, für die EKZ und für mich persönlich hat.» Jörg Haller hat das Projekt an der Birmensdorferstrasse in Urdorf schon an verschiedenen Fachtagungen im In-­ und Ausland präsentiert, wo es sehr positiv aufgenommen worden ist. Im Vergleich dazu aber habe ein solcher Preis doch nochmals einen anderen Stellenwert, holt er aus. «Es ist eine neue Philosophie in der Art und Weise, das Licht zu steuern. Und der Watt d’Or bestätigt uns in dieser Philosophie. Gleichzeitig motiviert er uns und gibt uns eine gewisse Zuversicht für weitere Projekte, in denen wir ganz neue Wege gehen, gerade im Bereich Smart City.» 

«Es ist eine neue Philosophie, das Licht zu steuern. Und der Watt d’Or bestätigt uns in dieser Philosophie.» 

VON DER NISCHE IN DIE MASSE

Schliesslich rückt der Watt d’Or das verkehrsbeobachtende Licht in den Fokus der Öffentlichkeit. «Diese Aufmerksamkeit möchten wir nutzen, um die neue Idee, Licht zu steu­ern, weiterzuentwickeln», erklärt er. Die Idee müsse von der Nische in die Masse kommen. Mit Masse meint Haller aber nicht, dass jede öffentliche Beleuch­tung in Zukunft so gesteuert werden sollte: «Meine Vision ist, dass diese Idee, Licht zu steuern, in Zu­kunft auf allen Hauptverkehrsachsen der Schweiz an­ gewandt wird.» In Wohnquartieren hingegen, wo es weniger Verkehr hat, würden sich auch andere Steue­rungen eignen.

EINFACHER, GÜNSTIGER, MASSENTAUGLICH

Bis dahin fällt noch viel Arbeit an, nicht nur für Haller und sein Team. «Wir entwickeln den Prototyp in Urdorf weiter, denn wir glauben, dass dies das Licht der Zukunft ist», sagt Haller. «Nicht nur weil es Energie spart und die Umwelt schont, sondern weil ein Licht, das sich der Umgebung anpasst, ein wichtiger Baustein einer Smart City ist.» Unter «weiterentwickeln» versteht Haller vor allem, die Technik im Hintergrund zu ver­einfachen. «Dadurch braucht sie weniger Komponen­ten und wird günstiger», erklärt er. Dies wiederum vereinfacht den Schritt zur Serienreife – ein wichtiger Schritt, für den Haller auch auf die Industrie zählt: «Sie muss mitziehen und mithelfen, diese dynami­schen Steuerungen marktreif zu machen.»

Entwicklungspotenzial sieht Haller auch beim Einsatzort: «Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Steuerung auch bei komplexeren Verkehrssituationen eingesetzt wird, zum Beispiel bei einer Kreuzung.» Wo dies genau der Fall sein wird, darf Haller noch nicht verraten. Nur so viel: «Anfragen haben wir bereits.» 

Mit dem Watt d’Or zeichnet das Bundesamt für Energie innovative Schweizer Unternehmen aus, welche die Ener­giezukunft erfolgreich und mutig in die Praxis umsetzen. Der Preis wird in den vier Kategorien Energietechnologien, erneuerbare Energien, energieeffiziente Mobilität sowie Gebäude und Raum vergeben. Zusätzlich wurde dieses Jahr ein Spezialpreis Energieeffizienz vergeben. Die Preisverleihung fand am 11. Januar 2018 in Bern statt.
wattdor.ch
Bilder Verleihung

Die EKZ haben sich für den Watt d’Or mit einer Plakatkampagne im Kanton Zürich bedankt. Tagsüber erschien unser Plakat wie jedes andere, aber sobald es dunkel wurde, hat es geleuchtet – allerdings nur so viel wie nötig.