Das grösste Teil der neuen Kaplan-Turbine passt nur ganz knapp durch das Tor des Kraftwerkgebäudes in Dietikon. Mit Geduld und starken Kranen wurde es schliesslich hineinbugsiert.

Er hat einen Durchmesser von 5,32 Metern und wiegt 32 Tonnen: Die Rede ist vom neuen Stützschaufelring der Maschinengruppe 1 des Kraftwerks Dietikon. Stützschaufelring? Das Wort steht für eine riesige ringförmige Konstruktion aus massivem Stahl, die zum Herzstück der Turbine gehört: In seinem Innersten wird im Dietiker Hauptkraftwerk bald das Laufrad seine Arbeit verrichten.

Der Ring, der einbetoniert wird, dient dazu, den sogenannten Leitapparat in sich zu führen und zu stabilisieren. Der Leitapparat mit seinen 24 Leitschaufeln ist darum direkt in den Stützschaufelring eingebaut. Durch den Leitapparat wird künftig das Wasser auf das Laufrad fliessen. Die Schaufeln des Leitapparats lassen sich mit Gaspedalen vergleichen. Ihr Winkel wird je nach Wassermenge verändert. So kann sichergestellt werden, dass die Drehzahl des Laufrads trotz unterschiedlicher Wassermenge konstant bleibt.

«Wir mussten schieben und ziehen» 

Damit der Ring im Kraftwerk Dietikon künftig seine Aufgabe wahrnehmen kann, musste er ins bestehende Kraftwerksgebäude eingefahren werden. Die Knacknuss daran: Das Tor ins Kraftwerk ist nur minim höher als der Ring selbst. «Wir haben alles mehrfach ausgemessen, es sollte reichen, aber es ist sehr knapp», sagte Projektleiter Alfredo Scherngell im Vorfeld.

Er hatte recht: Mit zwei grossen Pneu-Kranen und dem Hallenkran im Gebäudeinnern musste der tonnenschwere Ring Schritt für Schritt durchs Tor bugsiert werden. Spielraum gab es kaum. «Es war wirklich Massarbeit gefragt und wir mussten auch etwas schieben und ziehen, aber am Schluss war der Ring in der Halle», sagte der verantwortliche Montageleiter der Firma Andritz. Aber sehen Sie selbst im Video oben, wie eng es war.  

Sondergenehmigung fürs Abladen um fünf Uhr morgens

Einen Tag zuvor war das Turbinengehäuse für das neue Dotierkraftwerk am Wehrsporn angeliefert und in das sich im Bau befindende Kraftwerksgebäude eingehoben worden. Weil der Tieflader für das Abladen des Gehäuses auf der Limmatbrücke stehen bleiben musste und den Verkehr einspurig blockierte, erhielt EKZ eine Sondergenehmigung.

Die Arbeiten durften bereits um 5 Uhr morgens statt erst um 7 Uhr beginnen. Ein früherer Beginn war aus Lärmschutzgründen nicht erlaubt. Zum Schutz der Autofahrer musste die Brücke zeitweilig sogar ganz gesperrt werden, wie Sie im Video sehen. Um 6.30 Uhr konnte der Verkehr dann wieder frei fliessen.

Ein rein europäisches Produkt

Das Turbinengehäuse, das im Dotierkraftwerk eingebaut wurde, ist ähnlich wie der Stützschaufelring die Aussenhaut der Maschinengruppe. Es enthält ebenfalls den Leitapparat und im Innern wird künftig das Laufrad drehen. Im Gegensatz zum Hauptkraftwerk, in dem die Turbine vertikal eingebaut wird, handelt es sich beim Dotierkraftwerk aber um eine horizontale Kaplan-Turbine.

Man nennt diese Rohrturbine. Solche horizontalen Turbinen werden überall dort verwendet, wo eher geringe Wassermengen mit wenig Gefälle turbiniert werden. Rohrturbinen haben dort den höchsten Wirkungsgrad.

Zusammengebaut wurden der Stützschaufelring und das Turbinengehäuse nicht weit vom Bodensee entfernt im deutschen Ravensburg. Die Firma Andritz mit Hauptsitz in Wien hat dort eine Produktionsstätte. Gefertigt wurde aber nicht alles in Ravensburg. Einzelne Teile wurden auch in Tschechien und Portugal hergestellt. «Die neuen Turbinen sind rein europäische Produkte», sagt Projektleiter Scherngell.

  • Gewicht: 32 Tonnen
  • Durchmesser: 5,32 Meter
  • Höhe: 1,87 Meter
  • Enthält den Leitapparat mit 24 Leitschaufeln
  • Material: massiver Stahl
  • Fertigungsdauer: über ein Jahr