Das Herzstück der Turbine

Das Herzstück der Turbine

Es ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und kostet hundertausende von Franken – das Laufrad der Kaplanturbine. Verfolgen Sie mit, wie es eingebaut wird.

Regelmässig spannende
Infos aus der Energiewelt?
Jetzt abonnieren

In blaue Folie eingepackt liegt das Laufrad am Mittwochmorgen Ende Mai auf seinem Transportgestell in der Eingangshalle des Hauptkraftwerks Dietikon. Das über sechs Meter lange Maschinenteil mit den grossen geschwungenen Flügeln erinnert an eine Schiffsschraube. Und der Gedanke ist nicht ganz falsch: Die Laufräder sind die Herzstücke der neuen Kaplan-Turbinen, die derzeit in Dietikon eingebaut werden. Auf die Flügel wird später das Wasser aus dem Oberwasserkanal treffen und sie mit 115 Umdrehungen pro Minute antreiben. Diese Wasserkraft überträgt die Welle des Laufrads auf den Generator, der daraus Strom produziert. Bis es soweit ist, dauert es aber noch eine Weile.

Zuallererst muss das 11 Tonnen schwere Laufrad durch die Halle gehoben und in den Laufradmantel eingefügt werden. «Die Verhältnisse in der Turbine sind eng, zwischen Mantel und Schaufel bleiben uns nur gerade 1,6 Millimeter», sagt Hansrudolf Isler. Er ist Chefmonteur von Andritz Hydro, die die Turbine herstellt und auch für die Montage in Dietikon zuständig ist. Isler erklärt, dass das Laufrad beim Einfügen in die Turbine leicht schräg gestellt werden muss, um den nach oben verengenden Laufradmantel zu passieren. «Genau 20,4 Grad in die eine und 14 Grad in die andere Richtung, so lässt sich der Umfang der drei Schaufeln verringern.» Doch zuerst muss das Laufrad aus dem Transportgestell gehoben und aufgerichtet werden.

«Die Laufräder sind die Herzstücke der neuen Kaplan-Turbine»

Ruhig und umsichtig richten Isler und seine zwei Kollegen das Laufrad mit Hilfe des Hallenkrans Schritt für Schritt auf. Einmal senkrecht, schwebt es alsbald durch die Halle bis zum zweiten grossen Turbinenloch im Boden. Schaut man hinunter, sieht man den Stützschaufelring, das grösste und schwerste Teil der Turbine mit dem Leitapparat und den gelben Schaufelhebeln. Die linsenförmigen Schaufeln des Leitapparats, durch die künftig das Wasser auf das Laufrad schiessen wird, können dank der Hebel verstellt werden. Diese stellen sicher, dass das Rad unabhängig von der Wassermenge immer mit der gleichen Drehzahl dreht.

Der Winkel muss stimmen

Nun senkt Monteur Valentin Gisler mit dem Hallenkran Rad und Welle langsam ins Loch hinab. Sein Kollege Hess steht gesichert am Leitapparat und hält eine Schaufel, damit das Laufrad nicht dreht oder schwingt. Immer wieder wird angehalten, gemessen und justiert. Isler: «Der Winkel muss genau stimmen und das Laufrad muss sich exakt in der Mitte befinden.» Nach einer halben Stunde ist das Werk vollbracht: Das Laufrad mit den Schaufeln ist eingemittet im Laufradmantel, kann geradegerichtet und temporär befestigt werden. Einen ganzen Tag hat das Einheben des Laufrads von der Anlieferung am Morgen aus Ravensburg bis zur Befestigung am Abend gedauert. «Es hat alles gut geklappt und ist schnell gegangen», ist das Fazit des Chefmonteurs.

  • 11 Tonnen schwer
  • 6.17 Meter hoch inkl. Welle
  • 3.3 Meter Durchmesser von Schaufel zu Schaufel
  • 115 Umdrehungen pro Minute
  • Produktionsdauer 1 Jahr
  • Zusammenbau des Laufrads erfolgte in Ravensburg
  • 1 Turbine produziert 8.5 GWh pro Jahr
  • Einbau der gesamten Maschine (Turbine inkl. Generator) dauert 3 Monate inkl. Verrohrung und Verkabelung