Nicht nur in Innenräumen, sondern auch bei der Strassen- und Aussenbeleuchtung ist die LED kein Exot mehr. In kurzer Zeit hat sie sich durchgesetzt und sorgt für energieeffizientes Licht. Im Interview zeigt Jörg Haller auf, was bereits erreicht wurde und woran zurzeit noch gearbeitet wird.

In der Innenbeleuchtung ist die LED angekommen. Ist dies auch in der Strassenbeleuchtung der Fall?

Jörg Haller: In der Strassenbeleuchtung ist die LED seit Jahren Stand der Technik. Bei Sanierungen und Neuan­lagen kommt kaum noch eine andere Technologie zum Einsatz. Ein Punkt, der derzeit verstärkt thematisiert wird, ist die Qualität des Lichts und in diesem Zusammenhang auch die Lichtfarbe. Die LED bietet hier eine Vielzahl an Möglichkeiten, die sich hinsichtlich Effizienz, Komfort und Umweltver­ träglichkeit unterscheiden. Auch in der Sportplatzbeleuchtung ist die LED an­ gekommen und in der Lage, die erfor­ derlichen Lichtleistungen zu liefern.

Wo liegen heute die grössten Herausforderungen?

Haller: Es gibt viele neue Möglichkeiten, vor allem im Bereich von Beleuchtungssteuerungen. Das Fehlen eines echten Industriestandards war bisher ein Hemmschuh für flächendeckenden Einsatz «intelligenter» Leuchten und Steuerungssysteme. Aktuell zeichnet sich hier jedoch ab, dass wir im Jahr 2020 einen Standard bekommen könnten, was ich persönlich sehr begrüsse.

  

Jörg Haller, Leiter Öffentliche Beleuchtung EKZ
"Wir werden noch deutlich mehr Ver­netzung im Bereich der Öffentlichen Beleuchtung sehen." Jörg Haller, Leiter Öffentliche Beleuchtung EKZ

Vor Jahren kamen und gingen diverse LED-Modelle unterschiedlicher Qualität und Zuverlässigkeit. Hat sich die Modellvielfalt stabilisiert?

Haller: Es gibt immer noch eine schier uner­ schöpfliche Vielfalt unterschiedlichster LED-Modelle und Hersteller. Es ist auch gut, eine Auswahl zu haben, um für den jeweiligen Anwendungsfall das pas­sendste System einsetzen zu können. Bei den grossen Herstellern haben sich in den letzten Jahren gewisse Leuchten­familien etabliert. Diese werden tech­nisch kontinuierlich aktualisiert, sind aber hinsichtlich Erscheinungsbild gleich und bezüglich Beleuchtungsei­genschaften kompatibel.

Was sind heute die zentralen Trends?

Haller: Wenn wir insgesamt auf das Thema Aussenbeleuchtung schauen, dann fällt auf, dass im Bereich der öffentlichen Beleuchtung zunehmend ein Bewusst­sein für die Themen Lichtqualität und Umwelt (z. B. die Reduktion uner­wünschter Lichtimmissionen) entsteht. Im privaten Bereich sieht man hier teilweise einen Gegentrend – durch die vielen neuen interessanten, ener­gieeffizienten und preiswerten Beleuchtungslösungen nimmt die private Beleuchtung vielerorts eher zu. Ein Trend ist ganz klar auch der Einsatz von zusätzlichen Lichtsteuerungen.

Und worauf dürfen wir uns in den nächsten zehn Jahren freuen?

Haller: Wir werden noch deutlich mehr Ver­netzung im Bereich der Öffentlichen Beleuchtung sehen. Strassenleuchten werden dadurch neben der Beleuch­tung auch noch andere Funktionen übernehmen, z. B. als Träger für Senso­ren.
Mein Wunsch als Beleuchter ist, dass die Lichtqualität noch mehr in den Fokus rückt. Eine qualitativ hochwer­tige Beleuchtung berücksichtigt u. a. Themen wie Komfort, Sichtbarkeit und Umweltschutz und differenziert zwischen den diversen Einsatzgebieten. Im Bereich von Fussgängerstreifen steht natürlich die Sicherheit des Fussgängers über allem, in einer Begeg­nungszone hat wahrscheinlich der Komfort eine hohe Bedeutung und in Schutzgebieten und naturnahen Räu­men ist das Begrenzen schädlicher Ein­flüsse auf die Umwelt sehr hoch zu gewichten. 

Jörg Haller leitet seit 2010 die Abteilung Öffentliche Beleuchtung und Smart City von EKZ. Zuvor war der Ingenieur einige Jahre in der Industrie und Forschung tätig. Er hat sich intensiv für die Einführung von LED eingesetzt und zahlreiche Projekte sowie Pilotversuche zur intelligenten Steuerung der öffentlichen Beleuchtung realisiert. Jörg Haller engagiert sich in verschiedenen Fachgremien wie der Fachgruppe für Öffentliche Beleuchtung der Schweizer Lichtgesellschaft.