Das Original

Das Original

Die Alte Post in Aeugstertal trotzt Trends und Moden. Die Speisen sind seit 50 Jahren die gleichen, und der Gast ist zuallererst Mensch. Hier findet manch gestresstes Herz seine Ruhe.

Regelmässig spannende
Infos aus der Energiewelt?
Jetzt abonnieren

Fast alle Beizen versprechen, der Gast möge sich «wie zu Hause» fühlen. Die Produkte sollen «lokal» und «nachhaltig» sein, das Inte­rieur will mit Witz und Unverwechselbarkeit punkten. Doch oft genug stehen dahinter blutleere Marketingkonzepte. Nicht so bei der Alten Post in Aeugstertal. Das «Pöschtli» will nichts. Es ist, wie es ist. Aber das von ganzem Herzen.

Nur schon das Gebäude ist eigen. Von aussen wirkt das Pöschtli, gelinde gesagt, etwas in die Jahre gekommen. Im Inneren dominiert Holz, ganz die gemütliche Bauernstube, Kachelofen inklusive. Die uralte Registrierkasse lässt an vordigitale Zeiten denken. Touchscreens gibt es anderswo. Das Wandtelefon krächzt, als wäre es heiser. Und bei der Jukebox muss man, zur Freude der Kinder, die Knöpfe richtig fest drücken. Zur Auswahl steht eine überschaubare Zahl an Titeln, vor allem aus den 60er und 70er Jahren. Für einen Franken kann man vier Stücke spielen, darunter seltene Klassiker wie «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa» von den Minstrels. 

Lebendige Traditionen

Sabina und Franz Lehner wirken aber nicht wie hoffnungslose Nostalgiker. Sie finden wohl eher: Warum etwas ersetzen, wenn es funktioniert? So hat sich auch die Menükarte in den letzten 50 (!) Jahren kaum verändert. Im Wesentlichen gibt es Rösti, Fondue und Couscous. Der «Star» ist die Rösti. Sie gibt es in verschiedenen Variationen, mit oder ohne währschafte Beilagen, die da sind: Kotelett, Schweinshuftsteak, Wurst oder Geschnetzeltes.

Wirt Franz (hier ist man per Du) ist ein guter Geschichtenerzähler. Er selber hat «iigwiberet», wie man im Aeugstertal sagt. Seine Schwiegermutter hatte das Pöschtli 1962 übernommen, als Zugezogene, alleinerziehend mit drei Töchtern. Sie begann mit einem einzigen Gericht: Rösti. Ein Algerier, zu Besuch im Tal, lehrte sie Couscous kochen – damals hierzulande völlig unbekannt. Es muss geschmeckt haben. Später kam Fondue hinzu; die Mischung wird selbst zusammengerieben. Sabina übernahm das Lokal 1989, zehn Jahre später stieg Franz ein. Er macht den Service, sie steht meist in der Küche.

Kulinarische Freuden

Wir nehmen Schafbratwurst mit Rösti, als Vorspeise einen grünen Salat. Dieser, garniert mit etwas Gemüse, Kräutern und einem Blümchen, sieht herzig aus und schmeckt frisch. Die grobkörnige Schafbratwurst ist knackig, saftig und gut im Biss, die Rösti knusprig. Auch den Kindern schmeckt es. Ihr Wurstsalat ist rübis stübis weg.

Hier isst man schnörkellos und ehrlich. Die Grundprodukte sind von erster Qualität und kommen aus der Region – das war im Pöschtli schon Einkaufsprinzip, bevor alle Gastronomen davon sprachen. Das Wirtepaar kennt die Produzenten, bei denen es direkt einkauft, das meiste in Bioqualität. Deswegen verkauft man sich hier aber nicht als «Biobeiz». Verkaufen tut sich hier eh niemand.

Doch es sind nicht nur Speis und Trank, weswegen der Besuch hier sich lohnt: Es ist die Stimmung. Hier darf der Gast zuallererst einfach Mensch sein. Auch wenn er ein Kind ist. Die Kleinen finden Spiele und Büchlein. Wer Glück hat, mit dem spielt Sabina sogar ein Memory.

Das Pöschtli ist Familien-, Land-, Ausflugs- und Alternativbeiz zugleich. Und auch ein Kulturlokal. Von September bis Mai finden hinten im Säli regelmässig Konzerte statt. Es spielen «Bands, die uns selbst gefallen», oft aus dem Folk-, Blues- oder Jazzbereich. 

Sabina und Franz sind Originale, ohne originell sein zu wollen. Ihr «Businesskonzept»? «Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt.» Ihre Pläne für die Zukunft? «Komm in zehn Jahren wieder, es wird hier noch genau gleich aussehen.» 

Ein Ort, an dem man sich wohlfühlt: die Wirtsstube.
Im Wirtshausgarten geniesst man neben herrlicher Bewirtung auch die Sonne.
Sabina Lehner – routinierte ­Köchin aus Leidenschaft.
Für alle Liebhaber der währschaften Küche.

«Pöschtli»
Restaurant Alte Post
Pöstliweg 1, 8914 Aeugstertal
Tel. 044 761 61 38 

Offen:
Mo, Di, Fr ab 16 Uhr;
Sa und So durch­gehend ab 10 Uhr

Uetliberg

Für Ausflügler lässt sich die Einkehr in der Alten Post gut mit einer Wanderung vom Uetliberg hinab kombinieren.
www.uetliberg.ch

Türlersee

Zum Verdauen lockt ein Spaziergang an den nahen Türlersee, ein hüsches Naturschutzgebiet.
www.tuerlersee.ch