Im Bann der Pedaleure

Im Bann der Pedaleure

Velo ist Trumpf in Zürich – besonders ­während des Urban Cyclocross. Dann kämpfen sich die Radquerspe­zia­listen durch einen ganz ungewohnten Kurs und begeistern die Massen.

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Tief über den Lenker gebeugt, biegt der Cyclocrosser auf die Josefwiese ein. Auch wenn er abgeschlagener Letzter seiner Gruppe ist, gibt er alles, um den Kurs zu bewältigen. Auf der langen Geraden nimmt sein Velo Fahrt auf. Die Strecke ist beidseits von Zuschauern gesäumt. «Hopp, hopp, hopp!», rufen sie und geniessen das prachtvolle Frühlingswetter. Für den Wettkämpfer geht es jetzt in den staubtrockenen Sand des Beachvolleyballfelds. Das Velo verliert Tempo. Der Fahrer geht aus dem Sattel und tritt noch einmal voll in die Pedale. Es nützt nichts: Immer langsamer pflügen sich die Veloräder durch den heissen Sand. Der Fahrer muss absitzen, zu Fuss weiter und das Velo schultern – er flucht, hustet. «Komm, nochmal!», feuert ihn das Publikum an. Und weiter geht’s, quer durchs Kinderplanschbecken mitten auf der Josefwiese. Die Pneus sind wieder sauber. Im Gesicht des Fahrers klebt immer noch Sand. Das ist Radquer mitten in der Stadt – Urban Cyclocross.

Durchs Beachvolleyballfeld: Der Sand bremst die Fahrer aus.
Durchs Beachvolleyballfeld: Der Sand bremst die Fahrer aus.
Ungewohntes Terrain, das Kinderplanschbecken. Die einen tragen ihr Velo...
Ungewohntes Terrain, das Kinderplanschbecken. Die einen tragen ihr Velo...
... Simon Zahner fährt durch das Becken.
... Simon Zahner fährt durch das Becken.
«Gimme five!» - Danny MacAskill sucht den Kontakt zu den Zuschauern.
«Gimme five!» - Danny MacAskill sucht den Kontakt zu den Zuschauern.
Treppe runter: Jeder Fahrer hat seine Technik.
Treppe runter: Jeder Fahrer hat seine Technik.
Bremst die Fahrer aus: Sand auf dem Beachvolleyballfeld.
Bremst die Fahrer aus: Sand auf dem Beachvolleyballfeld.
Marcel Wildhaber fährt als erster durchs Ziel.
Marcel Wildhaber fährt als erster durchs Ziel.
Marcel Wildhaber mit dem Pokal des Urban Cyclocross Zürich.
Marcel Wildhaber mit dem Pokal des Urban Cyclocross Zürich.
Gewinner des Urban Cyclocross 2017: 1. Marcel Wildhaber; 2. Simon Zahner; 3. Nicola Rohrbach
Gewinner des Urban Cyclocross 2017: 1. Marcel Wildhaber; 2. Simon Zahner; 3. Nicola Rohrbach
Gewinnerinnen des Urban Cyclocross 2017: 1. Jasmin Egger-Achermann; 2. Nadja Heigl; 3. Lucie Chainel
Gewinnerinnen des Urban Cyclocross 2017: 1. Jasmin Egger-Achermann; 2. Nadja Heigl; 3. Lucie Chainel

Schafft Danny das?

An diesem Samstag Anfang April ist das Velo sowieso Trumpf in der Zürcher Innenstadt. Es ist nicht nur Urban Cyclocross, sondern auch Urban Bike Festival. Vom Turbinenplatz her dringt frenetischer Applaus auf die Josefwiese. Vor dem Schiffbau bringen Trial-Artist Danny Mac­Askill und seine Crew die Besucher zum Toben. Die Künstler springen mit ihren Bikes über einfach alles, was hier herumsteht. «Danny, Danny, Danny», ruft es aus der Menge – lauter dröhnt nur der Bass der Soundanlage. Dann setzt MacAskill aus dem Stand zum Sprung über eine 1,10 Meter hohe Hochsprunglatte an. «Das schafft er nicht», sagt ein junger Zuschauer halb zweifelnd, halb staunend. Irrtum, der Trail-Artist schafft sogar das.

Zurück auf die Josefwiese: Immer wieder jagen die Fahrer grüppchenweise über den Kurs. Jeweils angekündigt von den Anfeuerungsrufen der bunt durch­­mischten Zuschauerschar: Cyclocross-Fans, picknickende Familien, Kinder auf der Schaukel, Passanten. Es ist nicht das gewohnte Umfeld der Cyclocrosser. Sie sind eher schlammige Wiesen und holprige Kiespfade gewohnt. Der 1,3-Kilometer-Rundkurs über Lettenviadukt, Kinderplanschbecken, Kleinlaster und Beachvolleyballfeld ist da weniger bekanntes Terrain. Und nicht nur die Hindernisse sind ungewohnt – auch der Modus ist es. Gestartet wird in Sechsergruppen, wobei sich jeweils die besten für die nächste Runde qualifizieren. Bis am Schluss nur noch sechs Athleten übrig bleiben, die im Finale über den Kurs jagen.

Herausforderung Stadt

Die Siegertrophäen ­holen sich am Schluss zwei Schweizer: Marcel Wildhaber bei den Männern und Jasmin Egger-Achermann bei den Frauen. «Es war ein cooles Rennen», resümiert Wildhaber, der sich im Sprint gegen Mitfavorit Simon Zahner durchsetzte. Dabei sei er eigentlich ohne ­Ambitionen nach Zürich gekommen. Und auch die siegreiche Jasmin Egger-Achermann freut sich: «Die Hindernisse waren teilweise schon etwas tückisch. Aber es war toll, inmitten dieser Stimmung zu fahren.»