«Zu gut, um nicht darauf zu setzen»

«Zu gut, um nicht darauf zu setzen»

Der CEO von EKZ fährt seit über zehn Jahren elektrisch. Seine Karriere als ­E-Auto-Fahrer war nicht nur von Erfolgserlebnissen geprägt. Dennoch ist Urs Rengel überzeugter Verfechter der E-Mobilität. Verbrenner, sagt er, hätten eigentlich nur in Sibirien eine Berechtigung.

Regelmässig spannende
Infos aus der Energiewelt?
Jetzt abonnieren

Mir wäre es zu blöd, an einer Raststätte 20 Minuten zu warten, um die Batterie zu laden.» Es ist ein Satz, den man von einem Fan der E-Mobilität nicht erwarten würde. Urs Rengel setzt für die ganz langen Strecken auch heute noch aufs Zweitauto der Familie – mit Verbrennungsmotor. Sein Alltagsauto ist allerdings seit über zehn Jahren elektrisch – und er würde nicht mehr wechseln. Es sei die Technologie der Zukunft, ist er überzeugt, «unabhängig davon, ob die Energie nun in einer Batterie oder in Form von Wasserstoff gespeichert wird». Eigentlich wäre das standesgemässe E-Auto für einen CEO ja ein Tesla. «Der Model S ist optisch und technisch gesehen ein schöner Sportwagen», schwärmt er. Dennoch fährt der EKZ-Chef E-Golf. «Für mich optimal: schmal, wendig und ausgereift.» Es ist die Technik der E-Autos, die ihn fasziniert. «Der Elektromotor hat nur ein bewegtes Teil, ein Schaltgetriebe braucht er nicht», zählt er auf. «Und vor allem im Winter sieht man, was bei den anderen Autos zum Auspuff rauskommt. Da ist es ein gutes Gefühl, emissionsfrei zu fahren.» Und die viel diskutierte Reichweitenangst? «Das war früher ein grosses Thema, als man mit einer Ladung nur an die 100 Kilometer weit kam.» Heute fahre er mit seinem E-Auto problemlos in die Skiferien ins Bündnerland. «Und dank Rekuperation habe ich auf dem Rückweg in Landquart mehr Energie in der Batterie als beim Start in Davos.» Dennoch hatte auch Rengel schon mit einer fast leeren Batterie zu kämpfen. «An einem Sonntag wäre ich in Fällanden nicht mehr den Stutz hinaufgekommen. Also habe ich bei einer Ladenfiliale an einer Aussensteckdose eingestöpselt.» Die Nachbarn seien schon misstrauisch geworden, erzählt Rengel. «Ich habe sie dann über meine Situation aufgeklärt und auf den 50-Räppler gezeigt, den ich zum Dank ans Schaufenster geklebt habe.» Auch über die Ökobilanz seines Elektroautos macht er sich Gedanken. «In Zürich haben wir ja CO2-freien Strom. Wenn man aber beispielsweise mit Kohlestrom fährt, ist die Ökobilanz vergleichbar mit derjenigen eines Diesels.» Urs Rengel geht davon aus, dass in zehn Jahren jedes vierte neu zugelassene Auto elektrisch fahren wird. Schliesslich sei der Elektromotor mit seinem Wirkungsgrad von über 90 Prozent eine viel zu gute Technologie, um nicht darauf zu setzen. «Der Verbrenner mit unter 40 Prozent Wirkungsgrad hat eigentlich nur in Sibirien seine Berechtigung», schliesst der Elektroingenieur, «weil man da auch die restlichen 60 Prozent braucht – die Abwärme.»

«Dank Rekuperation habe ich auf dem Rückweg in Landquart mehr Energie in der Batterie als beim Start in Davos.»