«Dann spüre ich den Wind im Gesicht»

«Dann spüre ich den Wind im Gesicht»

Wann immer sie Zeit hat, steigt Martina Surbeck aufs Velo. Zusammen mit ihrem Vater legt sie mehrere Hundert Kilometer pro Jahr auf dem Elektro-Spezialvelo zurück – am liebsten bergab.

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«Bereit?», fragt Martin Surbeck seine Tochter, die sich gerade ihren Helm angeschnallt hat. «Ja», sagt Martina strahlend, und die beiden steigen auf. «Wir nehmen immer das gleiche Velo, ein Doppel-Dreirad, weil wir dann nebeneinandersitzen können», erzählt Martin, während er seine Füsse auf den Pedalen installiert. Martina nimmt neben ihm Platz. «Auf dem Velo reden wir miteinander, ich kann Martina etwas zeigen oder wir besprechen, wann wir eine Pause machen», erzählt Martin. Die Pause oder das Einkehren irgendwo am Weg ist fester Bestandteil der Touren von Surbecks. «Heute machen wir eine Rundtour und kehren danach in der Eichmühle in Hettlingen ein», sagt Martin. Martinas Augen leuchten: «Wir gehen ein Glace essen.» Zuerst aber heisst es strampeln.

Wind im Gesicht

Seit knapp zehn Jahren sind die beiden zusammen auf dem Elektro-Spezialvelo unterwegs. Für Martin Surbeck ist das die ideale Form, mit seiner Tochter, die das Down-Syndrom hat, aktiv Zeit zu verbringen. «Eigentlich seit EKZ diese Velos anbietet, nutzen wir sie», erzählt Martin, während die grünen Wiesen an ihm vorbeiziehen. Zu Beginn hätten sie die Velos einfach mal ausprobieren wollen. «Martina hat es aber so gut gefallen, dass wir regelmässig zusammen Velotouren machen.» Ihr gefalle die Bewegung und das Draussensein in der Natur. «Am liebsten fahre ich bergab, weil wir dann richtig schnell sind», sagt sie voller Stolz. «Und weil ich dann den Wind im Gesicht spüre», meint sie, die auch sonst viel Sport macht: Martina schwimmt, spielt Unihockey – die Velotouren aber liebt sie.  

Velofahren gefällt Martina. Am liebsten fährt sie bergab, weil sie dann den Wind im Gesicht spüre, sagt sie.
Velofahren gefällt Martina. Am liebsten fährt sie bergab, weil sie dann den Wind im Gesicht spüre, sagt sie.
Die beiden sind gerne im Weinland unterwegs, hier in der Nähe von Hettlingen.
Die beiden sind gerne im Weinland unterwegs, hier in der Nähe von Hettlingen.
Wohlverdiente Pause bei einem Glace.
Wohlverdiente Pause bei einem Glace.
Auf dem Doppel-Dreirad sitzen Tochter und Vater nebeneinander und können miteinander reden.
Auf dem Doppel-Dreirad sitzen Tochter und Vater nebeneinander und können miteinander reden.
25 Kilometer legen die beiden im Schnitt pro Tour zurück.
25 Kilometer legen die beiden im Schnitt pro Tour zurück.

Markenzeichen: Sünneli

Pro Jahr legen Vater und Tochter zwischen 500 und 700 Kilometer zurück – alles in ihrer Freizeit. Martin hat eine eigene Sägerei in Hettlingen, Martina wohnt und arbeitet in der Stiftung Steinegg in Wiesendangen. «Ich mache dort verschiedene Sachen», erzählt sie, «ich webe, und ich helfe im Café, wo ich serviere.» – «Keine schreibt das Menü so schön auf die Tafel wie Martina», wirft der Vater ein, «immer mit einem Sünneli, das ist ihr Markenzeichen.» Sie mache aber noch mehr, wie zum Beispiel die Hasen füttern, erzählt sie weiter. «Besonders gerne spiele ich Theater. Kürzlich habe ich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gespielt.»

Velofahren statt verreisen

In den Ferien wolle sie nie weit weg, sagt der Vater. «Ich fahre lieber Velo», präzisiert Martina. «Am liebsten sind wir im Weinland entlang der Thur unterwegs», erzählt Martin, «da gibt es schöne, flache Radwege. Mal geht’s über Wiesen, mal durch Wälder, was gerade im Sommer angenehm ist.» Die Surbecks fahren von Frühling bis Herbst. In der Regel legen sie pro Tour ungefähr 25 Kilometer zurück – «so lange, wie die Batterie reicht», erklärt Martin. Er habe es recht gut im Gefühl, wie weit sie fahren könnten.

Bekannte Radler

Gerade weil die beiden so viel Velo fahren, kennt man sie in der Gegend. «Es kommt oft vor, dass uns Leute zurufen und anfeuern, wenn wir vorbeifahren. Manchmal werden wir auch spontan auf ein Glace eingeladen», erzählt der Vater, während sie bei der Eichmühle ankommen und sich an einen der Tische draussen setzen. In den Anfängen habe das Elektro-Spezialvelo jeweils sehr viel Aufmerksamkeit erhalten: «Kaum haben wir irgendwo angehalten, wollten die Leute sehen, wie das Ding aussieht und funktioniert.» Mittlerweile habe sich das etwas gelegt. Die beiden können in Ruhe ihr Glace essen. «Was machen wir an deinem Geburtstag, Martina?», fragt der Vater augenzwinkernd. «Eine Velotour», antwortet Martina, ohne zu zögern.  

EKZ bietet die Elektro-Spezialvelos an sieben verschiedenen Standorten im Kanton Zürich kostenlos an (siehe Karte). Die Velos sind mit einem Elektro-Hilfsantrieb ausgerüstet, damit alle den Ausflug geniessen können. Die Elektro-Spezialvelos dürfen ausschliesslich von Angehörigen und/oder Betreuungspersonen von Menschen mit Behinderung ausgeliehen werden.
ekz.ch/sozial