Seit mehr als 90 Jahren wird im Zürcher Tösstal Kochgeschirr hergestellt. Und seit damals ist das Unternehmen in Familien­besitz. Eine grosse Verantwortung für die junge Verwaltungsratspräsidentin der Kuhn Rikon AG, Dorothee Auwärter.

Als Dorothee Auwärter 2014, mit nur 35 Jahren, das VR-Präsidium der Kuhn Rikon AG übernahm, war sie gut vorbereitet. Dennoch flösste ihr die damit verbundene Verantwortung Respekt ein. «Niemand will diejenige sein, die ein traditionsreiches Unternehmen an die Wand fährt.» Doch sie empfindet es durchaus auch als Geschenk, dass sie die Chance hat, das Familienunternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Und sie hat dabei Unterstützung: «Ich bin ja nicht allein: Meine Kollegen im Verwaltungsrat, darunter mein ältester Bruder und ein Cousin – und mein Vater, stehen mir immer zur Seite. Hinzu kommt unser starkes Team in der operativen Verantwortung. Es ist eine wunderschöne Aufgabe, sinnvolle Produkte herzustellen und im eigenen Einflussbereich für Fairness, Vertrauen und gute Arbeitsplätze zu sorgen.»

«Es ist eine wunderschöne Aufgabe, im eigenen Einflussbereich für Fairness, Vertrauen und
gute Arbeitsplätze zu sorgen.» 

Es bleibt in der Familie

Dorothee Auwärter ist neben dem Fabrikgebäude im idyllischen Tösstal aufgewachsen. Die Firma war allgegenwärtig, nicht nur räumlich, sondern auch im Familienalltag. Das hat sie geprägt, erzählt sie: «Es war immer ein Thema am Familientisch, und wir haben auch mitgeholfen. Ich habe aber auch gesehen, wie viel mein Vater gearbeitet hat, und mir war irgendwann klar, dass ich das in dem Masse nicht will. Ich wollte ja auch eine Familie.» In den Betrieb einzusteigen, war also nicht seit jeher ihr Plan. Nach der Matur absolvierte die heute 40-Jährige ein Jusstudium. Doch als sich ihr Vater dem Pensionsalter näherte, wurde das Thema Nachfolge aktuell. «Wir haben eine Alterslimite von 70 Jahren, das zwingt einen, das Thema rechtzeitig anzugehen. Ich habe natürlich auch gespürt, dass meine Eltern Freude daran hätten, wenn ich das Präsidium übernehmen würde. Aber es war kein Zwang», betont sie. 2008 trat sie in den Verwaltungsrat ein und konnte so nach und nach ihr Wissen vertiefen. Dorothee Auwärter wuchs in ihre zukünftige Aufgabe hinein. «Ich habe dazu noch einen Executive MBA an der HSG gemacht. Nach diesem Studium war ich dann bereit, das Präsidium zu übernehmen.» Heute ist sie Partnerin in einer Wirtschaftskanzlei in Winterthur mit einem 50-Prozent-Pensum. Dazu kommen die Zeit, die sie dem Präsidium widmet, und weitere Aufgaben, wie etwa das Engagement im Stiftungsrat einer gemeinnützigen Institution. Ein gros­ses Pensum für die Mutter eines neunjährigen Sohnes. Doch in der Familie hält man zusammen: «Auch mein Mann arbeitet Teilzeit, und ich habe das Glück, dass das soziale Gefüge um mich herum das mitträgt und mich unterstützt.»

Kochen als Freizeitvergnügen

Seit 2014 hält sie nun das Unternehmen auf Kurs und meistert die Gratwanderung zwischen Tradition und den Herausforderungen der Zukunft. Denn Anpassung ist auf mehreren Ebenen gefragt. Das beginnt beim Wandel, dem das Hauptthema von Kuhn Rikon, das Kochen, unterworfen ist. «Was kocht man, wann kocht man, wer macht das? Heute ist Kochen etwas, das man eher am Wochenende zelebriert, weil während der Woche gar keine Zeit mehr dafür ist. In Asien gibt es in grossen Städten Wohnungen, in denen es gar keine Küchen mehr gibt!» Das ist zwar bei uns weniger vorstellbar, aber die Technik – Stichwort Thermomix – hält auch bei uns rasant Einzug. Eine Entwicklung, die Kuhn Rikon nicht verpassen möchte. Doch man geht einen eigenen Weg. «Wir sind da bewusst auf einer etwas anderen Schiene mit unserem Guided Cooking. Für uns sind der lustvolle Aspekt beim Kochen und das eigene Wirken sehr wichtig.» 

Kuhn Rikon produziert seit mehr als 90 Jahren im Tösstal Kochgeschirr. In der Fabrik sind einige der frühen Produkte zu sehen.
Kuhn Rikon produziert seit mehr als 90 Jahren im Tösstal Kochgeschirr. In der Fabrik sind einige der frühen Produkte zu sehen.
Kuhn Rikon produziert seit mehr als 90 Jahren im Tösstal Kochgeschirr. In der Fabrik sind einige der frühen Produkte zu sehen.
Kuhn Rikon produziert seit mehr als 90 Jahren im Tösstal Kochgeschirr. In der Fabrik sind einige der frühen Produkte zu sehen.
Produktion der Pfannendeckel.
Produktion der Pfannendeckel.
Einzelteile aus dem 3-D-Drucker.
Einzelteile aus dem 3-D-Drucker.

Wo wird eingekauft?

Eine weitere Aufgabe, der man im Tösstal begegnen muss, ist der Wandel in Verkauf und Distribution durch die Digitalisierung. Die traditionellen Verkaufskanäle, also Einzelhandel und Kaufhäuser, sind seit Jahrzehnten im Rückgang begriffen. Auch für einen grossen Namen wie Kuhn Rikon wird es damit zunehmend schwieriger, sich als Qualitätsprodukt beim Verbraucher zu positionieren. Dorothee Auwärter ist realistisch: «Wir sind abhängig von den verschiedenen Verkaufskanälen, trotz unseren eigenen Webshops und eigenen Läden. Die Warenhäuser sind nach wie vor wichtig. Das ist eine grosse Herausforderung für uns.»

«Man kann nur versuchen, der eigenen ­Marke Sorge zu tragen und authentisch zu ­bleiben. Im Ernstfall muss man eben auch zu seinen Fehlern ­stehen.» 

Einen Vorteil aber sieht sie in der Ausrichtung des Produktsortiments auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Das sei seit jeher Firmenphilosophie, betont sie: «Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind ein wichtiges Thema. Mit unserem Kochgeschirr kann man bis zu 70 Prozent Energie einsparen. Unsere Produkte sind langlebig, was eben auch nachhaltig ist. Ein Familienunternehmen denkt vielleicht auch stärker an die nächste Generation, darauf legen wir grossen Wert.» Dabei ist ihr durchaus bewusst, dass es in diesem Bereich noch sehr viel zu tun gibt, gerade, was Transportwege und Materialien angeht. «Klar, auch wir verschiffen unsere Produkte um die halbe Welt, und auch bei uns ist vieles zum Teil noch mit Plastik verpackt. Aber es ist ein Weg der kontinuierlichen Verbesserung, den wir gehen.»

Schweizer Produktion

Aktuell sind in Rikon rund 150 Mitarbeitende tätig. Das sind weniger als noch vor einigen Jahren. «Wir mussten insbesondere in der Produktion leider ein wenig abbauen.» Doch am Produktionsstandort Schweiz möchte man auch in Zukunft festhalten, vor allem im Bereich der Spezialtöpfe. Bei den Küchenhelfern greift man teilweise auf Partnerunternehmen in China, aber auch Italien und weiteren europäischen Ländern zurück, welche diese Produkte nach den Vorgaben von Kuhn Rikon produzieren.

«Was kocht man, wann kocht man, wer macht das? Heute ist Kochen etwas, das man eher am Wochen­ende zelebriert, weil während der Woche gar keine Zeit mehr dafür ist.» 

Doch wie kann man im Ausland die Produktionsbedingungen überwachen? «Es ist immer ein Spagat», gibt Dorothee Auwärter unumwunden zu. «Einerseits möchten wir möglichst wenig Partner, zu denen wir aber eine umso engere Beziehung aufbauen. Da kann man dann auch kritische Punkte ansprechen. Doch zu wenig Partner bedeutet auch ein Klumpenrisiko. Wir müssen also immer die Balance finden.» Dazu sind Mitarbeitende von Kuhn Rikon oft vor Ort, um den Überblick zu wahren. Doch es bleibt ein gewisses Restrisiko, wenn man im Ausland produzieren lässt. Denn eine lückenlose Kontrolle ist kaum möglich. Und wenn etwas anders läuft als geplant, reagiert die Öffentlichkeit im Zeitalter des Digitalen heute umso unerbittlicher. «Ich bin hauptberuflich Anwältin und es gewohnt, erst einmal beide Seiten zu hören. Aber in den Social Media funktioniert das eben nicht so. Man kann also nur versuchen, der eigenen Marke, so gut man kann, Sorge zu tragen und authentisch zu bleiben. Im Ernstfall muss man eben auch zu seinen Fehlern stehen.»

Mut zur Innovation

Was ist Dorothee Auwärters Vision für die Zukunft? «Wir möchten unsere Eigenständigkeit bewahren», sagt sie schlicht und meint damit die Besitzverhältnisse ebenso wie die Produkte. «Es muss uns gelingen, dass wir weiterhin kreativ und zukunftsorientiert sind und auf dieser Basis mit hoher Qualität und neuen Ideen überzeugen können.» Dazu gehört Mut, denn manchmal setzt man dabei auch aufs falsche Pferd, wie sie freimütig erzählt. «Wir hatten zum Beispiel einen super Einbaudrucksteamer entwickelt, sind aber an dessen Vermarktung und Vertrieb gescheitert.» Derartige Risiken gehören dazu, doch man darf auf das unternehmerische Geschick der Verwaltungsratspräsidentin vertrauen. Denn sie behält alle Faktoren im Auge: «Ich bin mir bewusst, dass es nicht nur um unsere Familiengeschichte und den guten Ruf von Kuhn Rikon geht, sondern auch um unser Familienvermögen.» Bei Dorothee Auwärter ist diese Verantwortung in guten Händen.  

Leckere Gerichte zubereiten und währenddessen Wäsche falten? Oder mit den Gästen einen Aperitif trinken? Dank der neuesten Entwicklung von Kuhn Rikon in Zusammenarbeit mit V-Zug ist dies tatsächlich bald möglich. In knapp einjähriger Entwicklungszeit wurde gemeinsam eine Technologie entwickelt, bei der es möglich ist, dass Pfanne und Kochfeld während des Kochvorgangs miteinander kommunizieren.

Die klassischen Modelle des DUROMATIC® und HOTPAN® wurden um einen Bluetooth-­Sensor im Griff erweitert, der Interaktionen mit der Kuhn Rikon App ermöglicht. Der Topf meldet der App sekündlich, ob eine Temperaturanpassung notwendig ist. Über diese funktioniert der anschliessende Datenaustausch mit dem Kochfeld. Zudem wird der Kochprozess in Abhängigkeit vom Lebensmittel und von der Topfgrösse direkt gesteuert. Es wird also nur so viel Hitze zugeführt wie gerade nötig. Sobald der Kochvorgang be­endet ist oder eine Information aufgrund eines notwendigen manuellen Eingreifens notwendig ist, erklingt ein akustisches Signal.

Wir laden Sie ein zu einem Besuch bei der Kochgeschirrmanufaktur Kuhn Rikon. Die Mitarbeitenden werden für Sie am Samstag eine Sonderschicht einlegen. So erhalten Sie einen einmaligen Einblick in die Produktionsstätten im Tösstal.

Programm

Wir starten in der Produktionsstätte von Kuhn Rikon, wo Sie jeden einzelnen Arbeitsschritt miterleben können. Angefangen beim Rohmateriallager, übers Tiefziehen der Rohlinge und Bodenlöten bis hin zur Innen- und Aussenbearbeitung sowie Endmontage. Danach wechseln wir den Standort von der Produktion ins Kochstudio, wo wir einen Einblick in die neue Welt des Guided Cooking erhalten
werden. Der Besuch wird mit einem Apéro abgeschlossen.

Wann?

Samstag, 23. November 2019, 8.30 bis 11.30 Uhr

Wo?

Kuhn Rikon AG, Neschwilerstrasse 4, 8486 Rikon

Preis?

15 Franken pro Person

So melden Sie sich an

Online über myEKZ.ch oder über
ekz.ch/leserevent

Per Postkarte: Senden Sie Ihren Namen, Ihre Adresse, E-Mail-­Adresse* und Telefonnummer an: EKZ, Leser­event «EKZ Blue», 8022 Zürich

Anmeldeschluss

10. November 2019

Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Personen beschränkt. Aus allen Anmeldungen werden die Teilnehmenden ausgelost. Sie erhalten bis am 13. November 2019 eine Anmeldebestätigung mit detailliertem Programm.

* Zur Ergänzung Ihrer Kundendaten und um Sie über diesen Anlass wie auch zukünftig elektronisch zu informieren, bitten wir Sie bei der Anmeldung um Ihre E-Mail-Adresse.