Die Nachbarin des Unterwerks

Die Nachbarin des Unterwerks

Ohne das Entgegenkommen von Sylvia Stählin, der direkten Nachbarin des Unterwerks Oberengstringen, hätte sich dessen Bau noch stark verzögern können. Wir verraten Ihnen, wieso sie erst messen ging und dann gebacken hat.

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«Bei Apfelstrudel mit Vanillesauce haben wir uns geeinigt», sagt Sylvia Stählin und lächelt verschmitzt. Die 85-Jährige ist die direkte Nachbarin des neuen EKZ-Unterwerks, das derzeit in Oberengstringen gebaut wird. Diese Verstärkung der Stromversorgung ist dringend nötig im boomenden Limmattal. Doch wie so oft bei Strom-Infrastrukturbauten will diese niemand gern in der eigenen Nachbarschaft haben. Lange musste EKZ darum suchen und die Verhandlungen waren zäh, bis endlich das Baufeld direkt neben Stählins Haus ausgesteckt werden konnte.

Als sich Stählin darauf bei den Zuständigen telefonisch wegen ihres Fuss- und Fahrrechts meldete, schrillten bei ihnen sofort die Alarmglocken: «Eine weitere Verzögerung wäre für die ganze Region schwierig gewesen», sagt Hanspeter Häberli, Leiter des Bereichs Planung und Bau bei EKZ. Was Häberli bis zum Telefonat von Stählin nicht wusste: Die 85-Jährige hatte vor vielen Jahren beim Verkauf des Landes neben ihrem Haus ein Fahrwegrecht erhalten, das breiter war als üblich. «Statt vier Meter, waren es sechs, aber das war auf den Plänen, die EKZ vorlagen, nicht eingetragen», erzählt Stählin gut informiert. Der Pensionärin macht so schnell niemand etwas vor. Sie weiss sich zu helfen. «Als die Bauprofile standen, dachte ich, sie kommen zu weit vor, nahm meinen Meter und ging selber ausmessen», erzählt sie. Darauf rief sie zuerst bei der Gemeinde an. Doch dort war die zuständige Person krank und sie kam nicht weiter. So wandte sie sich im zweiten Telefonat direkt an EKZ. «Etwa zwei Stunden später klingelten die Herren schon an meiner Tür und studierten die Pläne», erzählt Stählin. Häberli habe ihr auch sofort recht gegeben, dass ihr Fahrwegrecht durch den Bau beschnitten werde. Darum habe man einen Termin für eine Besprechung ausgemacht. «Ich habe gebacken und beim Zvieri sind wir übereingekommen, wie wir das Fahrwegrecht anpassen.»

Stählin betont, sie habe nichts verzögern oder verhindern wollen, ihr sei gute Nachbarschaft wichtig. «Mir ging es vor allem darum, dass mein Recht respektiert wird.» Bei EKZ ist man froh, auf keine Verhindererin gestossen zu sein, die für weitere Verzögerungen gesorgt hätte. «Wir hätten den ganzen Bau neu planen und umstellen müssen, oder es wäre zu einem langen Rechtsstreit gekommen», sagt Häberli. Für ihn ist es schön, dass Sylvia Stählin Verständnis hatte. «Denn ohne Entgegenkommen gibt es keinen Fortschritt. Wir sind auf Leute angewiesen, die sich für das Gemeinwohl auch etwas zurücknehmen.»