«In Ghana ist alles einfach anders»

«In Ghana ist alles einfach anders»

Stefan Burri reist ein- bis zweimal pro Jahr nach Ghana, um
ehrenamtlich die Stromversorgung in abgelegenen Spitälern zu verbessern. Und lernt jedes Mal viel Neues dazu.

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Gerade so, dass es Stefan Burri in die Ferne ziehen würde, ist es nicht. «Vor Ghana war ich wegen meiner Flugangst erst zweimal geflogen.» Dass er sich nun ausgerechnet Ghana aussuchte, hat seinen Grund: An einer Weiterbildung erzählte ihm ein Schulkollege, dass er mit dem Verein Ghana Switzerland Hospital Technicians (GSHT), der ehemaligen Ernst Peyer Memorial Foun­dation (EPMF), die Stromversorgung in abgelegenen Kliniken und Spitälern verbessere. GSHT verschifft nicht mehr gebrauchte Trafostationen und Notstromgeneratoren aus der Schweiz nach Ghana und installiert sie dort mithilfe ghanaischer Partnerorganisationen. Burri, ausgebildeter Elektroinstallateur, gefiel die Idee, und so sagte er 2012 erstmals für eine Reise zu. Der 33-Jährige wusste, dass ihn am Zielort nicht Sonne, Strand und Entspannung erwarten würden. Die Fahrt vom Flughafen ins Hotel mit dem turbulenten Treiben auf den Strassen und den bunten Marktständen überall war für ihn ein kleiner Crashkurs in ghanaischer Kultur. «In Ghana ist einfach ­alles anders. So vieles ist gebastelt oder improvisiert – und dennoch funktioniert es irgendwie.» Burri passte sich den Gepflogenheiten rasch an. Der Dresscode lautete ab sofort: Strohhut und Flipflops. Wollte er «pünktlich» um 10 Uhr abfahren, setzte er den Besammlungstermin bereits um 8 Uhr an. Die Arbeit im Spital, abgelegen im Nirgendwo, gefiel ihm sehr. «Es ist eine nachhaltige Hilfe, die wir betreiben. Wir bilden die Menschen vor Ort aus, damit sie sich selbst um den Unterhalt der Notstromgeneratoren kümmern können.» Oft gleiche das Niveau der Elektroinstallateure vor Ort demjenigen von 1.-Lehrjahr-Lehrlingen in der Schweiz. «Deshalb sind die Einsätze für mich wie Weiterbildungen: Ich lerne immer dazu, muss erklären und selbst wieder studieren.»

«Es ist eine sehr nach­h­altige Hilfe, die wir betreiben.»

Seit 2012 reist Burri ein- bis zweimal pro Jahr nach Ghana – und ist mittlerweile Präsident von GSHT. Zusammen mit den sieben Vereinsmitgliedern investiert er seine Ferien und Überstunden, um zu helfen. «Es steckt viel Herzblut in den Projekten, aber ich erhalte auch viel zurück. Bin ich in einer abgelegenen Stadt, funktioniert das Buschtelefon unverzüglich und die Bewohner wissen am nächsten Tag, dass wir hier sind. Sie bedanken sich auf offener Strasse für unsere Hilfe oder laden uns zu sich nach Hause zum Essen ein, auch wenn sie selbst nur wenig haben. Das inspiriert mich für mein eigenes Leben.»