Radquer-Profi Simon Zahner hat kaum ein Rennen aufgegeben – egal, ob sein Velo einen Defekt hatte oder es eiskalt war. Für die Radquer-WM im Februar 2020 in Dübendorf wünsche er sich sogar Schnee, sagt seine Frau Sina.

Simon und ich lernten uns recht früh kennen, wir waren 19 Jahre alt. Ich hatte von Radquer schon gehört, wusste aber nur, dass man da viel im Dreck rumfährt. Einen Bezug dazu hatte ich nicht.

Und trotzdem fanden wir dank Simons Leidenschaft für Velos zusammen. Er suchte nämlich in einer Online-Fundgrube nach einem Velo und stiess dabei auf mein Inserat – kein Velo- sondern ein Kontaktinserat. Darin schrieb ich, wie ich bin und dass ich einen sportlichen Mann suche. Daraufhin meldete sich Simon bei mir, und wir verabredeten uns in einem Restaurant. So fing es an.

Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und trafen uns immer wieder. Simon sagte mir sehr früh, dass er Profi werden wolle und dass das Velo bei ihm an erster Stelle komme. Mir war sofort klar, dass ich – solange er Profi ist – immer erst nach dem Velo kommen werde. Ich fand das konsequent von ihm und ehrlich.

Was ich unterschätzte, ist, wie schnell er dann Profi geworden ist. Er hatte mit elf Jahren das erste Mal an einem Velorennen teilgenommen. Zehn Jahre später, 2004, wurde er Radquer-Schweizer-Meister bei den unter 23-Jährigen (U23). Ein Jahr später wurde er Dritter an der Radquer-WM U23. Und 2010 unterschrieb er beim Schweizer Fahrradhersteller BMC einen Profivertrag für Strassenrennen. 

Ein eingespieltes Team: Sina und Simon Zahner freuen sich auf die Radquer-WM 2020 in Dübendorf.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon zwei Kinder – ein und drei Jahre alt – und ich war gerade schwanger mit den Zwillingen. Mit dem BMC-Team nahm er an Strassenrennen überall auf der Welt teil und war oft weg. Das war eine harte Zeit für uns alle. Es hat uns aber auch zusammengeschweisst, wie so manch anderes, das wir zusammen erlebt haben.

Mittlerweile haben sich Simons Karriere und unser Familienleben eingependelt. Simon hat 2012 wieder zurück zum Radquer gewechselt und wurde Teil des Teams von EKZ. Bei den Rennen in der Schweiz sind wir immer dabei. Es geht nicht nur ums Rennen, sondern wir treffen andere Familien mit Kindern, die inzwischen zu Freunden geworden sind. Simon fährt mit dem Wohnmobil und ein bis zwei Kindern am Samstag hin, und ich komme mit dem Rest der Familie am Sonntag nach. Simon freut sich extrem, wenn wir ihn anfeuern. Es macht ihn mental stark, wenn er weiss, dass wir da sind. Ich begleite ihn zusätzlich bei zwei bis drei Rennen im Ausland, aber ohne Kinder. Und die Weltmeisterschaften lasse ich mir nie entgehen.

Die nächste WM, die 2020 in Dübendorf stattfindet, ist etwas Besonderes. Für Simon geht damit ein Traum in Erfüllung: eine WM so nahe bei Familie und Fans. Und ein Terrain, das er sehr gut kennt, weil er viel in dieser Gegend trainiert. Sollte es schneien – so Simons Wunsch –, hätte er einen weiteren Vorteil: Während sich die belgischen und die niederländischen Fahrer Sand gewohnt sind, ist Simons Spezialität Schnee und Eis. Bei richtig winterlichen Bedingungen könnte er die sonst starken Belgier und Niederländer herausfordern. Nervös ist er wegen der WM noch nicht, meist beginnt das so zwei bis drei Wochen vorher. Dann schaut Simon sehr genau da­rauf, was er isst und dass er sich auch erholt.

Er ist über die Jahre aber lockerer und spontaner geworden. Ich würde nicht sagen weniger diszipliniert, aber er kann mittlerweile gut über einen Witz von uns lachen, wenn er beim Einfahren ist, was früher absolut tabu war. Durchhaltewillen und Biss hat er nach wie vor. Ich finde es eindrücklich, dass er kaum je ein Rennen aufgegeben hat, auch wenn er seine Hände vor Kälte nicht mehr gespürt oder sein Velo einen Defekt hatte.

Im Sommerhalbhalbjahr ist es bei uns ruhiger, weil die Radquer-Saison von September bis Februar dauert. Simon nimmt dann an Bike-Marathons teil, um fit zu bleiben. Wir gehen aber auch zusammen wandern, am liebsten im Engadin. Und unsere Kinder gehen ihren Hobbys nach. Es ist uns wichtig, dass sie das entdecken, was ihnen Spass macht – es muss überhaupt nicht das Velo sein. Es fahren zwar alle gern Velo, unsere Buben fahren auch Radquer-Rennen, die Kinder haben aber auch andere Hobbys wie Jugi, Meitliriege oder Volleyball. Strandferien machen wir eigentlich nie, weil wir eine sehr aktive Familie sind. Simon kann nicht lange ohne sein Velo sein. Auch wenn er als Profi einmal aufhören wird, wird er weiterhin irgendetwas mit Velos machen, da bin ich überzeugt. Aber noch denkt er nicht ans Aufhören, sondern ist voll und ganz auf die WM in Dübendorf fokussiert. Doch die Zeit wird irgendwann kommen. Wir sind uns bewusst, dass es eine Umstellung für uns wird: Wir werden dann plötzlich freie Wochenenden haben und Dinge tun können, für die wir bislang keine Zeit hatten. Die Rennen und die Leute, die über die Jahre zu Freunden geworden sind, werden uns sicher fehlen.»