Seit 90 Jahren erfreut der Zoo Zürich hoch über der Stadt grosse und kleine Tierfreunde. Diese können sich bald auf eine neue Attraktion freuen: die Lewa Savanne. Ein Blick hinter die Kulissen der Grossbaustelle, an der EKZ Eltop beteiligt ist.

Wie ist es, in der Savanne zu arbeiten? Andreas Schädler lacht bei dieser – zugegeben nicht ganz ernst gemeinten – Frage. Und gerät dann doch fast ins Schwärmen. «Manchmal, wenn am Morgen die Sonne aufgeht, fühle ich mich schon fast wie im Urlaub.» EKZ Eltop ist für die gesamte elektrische Erschliessung und die Installationen auf dem Gelände verantwortlich, der gelernte Elektromonteur ist in der Lewa Savanne als Bauleiter für ein 15-köpfiges Team verantwortlich. Die insgesamt über vier Hektar grosse Anlage wird Giraffen, Breitmaulnashörner und Grevyzebras, Antilopen, Strausse und weitere afrikanische Savannentiere wie Erdmännchen oder Stachelschweine beheimaten.

Im Team geht's besser

Seit August 2017 führt ihn sein Weg nun tagtäglich hierher – bisweilen sogar samstags, wie er erzählt. «Ich komme manchmal auch ausserhalb der Arbeitszeiten her, dann kann ich in Ruhe Dinge wie die Planung der nächsten Woche erledigen.» Die Organisation und Koordination aller anfallenden Arbeiten rund um die Stromversorgung ist Andreas Schädlers Aufgabe. Eine, die er mit Leib und Seele erfüllt, das merkt man schnell. Beim Rundgang über das Gelände ist die freundliche Stimmung unter den Mitarbeitenden spürbar.

«Manchmal, wenn am Morgen die Sonne aufgeht, fühle ich mich schon fast wie im Urlaub.» 

Diese positive Atmosphäre im Team ist dem Bauleiter extrem wichtig. Denn nicht immer läuft alles glatt, wie er erzählt. «Die Planung im Vorfeld ist sehr sorgfältig erfolgt, aber dennoch gibt es immer wieder Änderungen bei bereits erstellten Installationen.» Je nach Umfang kein Kinderspiel, denn die Kapazitäten des Teams wie auch das Material sind genau geplant. Jede Änderung zieht eine Umplanung nach sich. Doch Freude an ihrem aussergewöhnlichen Arbeitsplatz haben alle nach wie vor.

Installationen für Tier und Mensch

Dazu trägt sicher auch das Bewusstsein bei, dass hier einmal diverse Tierarten ihr Zuhause finden werden, die man ausserhalb des Zoos eben nicht einfach so erleben kann. Andreas Schädler weiss erstaunlich viel über die zukünftigen Bewohner der Lewa Savanne. Während unseres Rundgangs auf der Baustelle lässt er sein Wissen immer wieder hervorblitzen. Im Erdmännchenhaus, das einmal das Zuhause für die putzigen Publikumslieblinge darstellen wird, macht Schädler auf die Zugänge aufmerksam. Durch Rohre knapp über dem Boden können sie ein– und ausgehen, ganz nach Belieben. Das Haus ist Teil einer kleinen Ansammlung ähnlicher Bauten. Liebevoll gestaltet wirken sie ziemlich authentisch und man wähnt sich fast tatsächlich in der Savanne – auch wenn es da wohl etwas wärmer ist als an diesem Morgen in Zürich. Anders als wir heute können sich die Besucher ab nächstem Jahr am Kiosk mit einem Tee oder Kaffee wärmen oder ihren Hunger stillen. Dieses Gebäude wird gerade mit allen elektrischen Installationen ausgestattet, die es braucht. Neben Koch- und Kühlgeräten, Beleuchtung und vielem mehr hat es im Keller unter anderem einen grossen Kühlraum, um die Vorräte aufzubewahren.

Doch das sind Standardaufgaben für das erfahrene Team von EKZ Eltop. Spannender sind etwa die Verkabelungen der mächtigen Affenbrotbäume, von denen vier Exemplare im Gelände stehen. «Das sind naturgetreue Nachbildungen von Baobabs, Bäumen, die jahrtausendealt werden können», sagt Andreas Schädler und zeigt uns auf seinem Smartphone ein Foto eines echten Baobabs. Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Doch im Unterschied zur echten Savanne haben diese Bäume hier eine neue Aufgabe: In ihnen sind Futterautomaten untergebracht, die – elektronisch gesteuert – in vordefinierten Abständen für die Tiere Futterpellets anbieten und Heu auswerfen. Zudem beherbergen die Affenbrotbäume WLAN-Sender. 

Auf dem Dach des Giraffenhauses laufen viele Leitungen zusammen. Da heisst es, den Überblick zu behalten!
Im Inneren des späteren Besucherbereichs wird sogar ein Kino entstehen.
Mehr als zwei Jahre dauerten die Bau­arbeiten. Eine lange Zeit, in der das Team von EKZ Eltop sich perfekt aufeinander einspielen konnte.
Die Elektroinstal­lationen sind über das gesamte Gelände verteilt.

Technik für neue Erlebnisse

Eine besondere Installation sind unsichtbare elektrische Zäune rund um Pflanzeninseln, die von den Tieren nicht abgefressen werden sollen. Durch diese Art der Abgrenzung wird das Savannengelände für die Besucher als Einheit ohne erkennbare Abschrankungen erfahrbar. Dazu werden Bauteile verwendet, die sich fast unsichtbar in das Grasland einfügen. Darin liegt auch die besondere Herausforderung dieses Projekts, denn technisch ist das für die Eltop-Spezialisten kein Problem. Doch die Installationen müssen mit Rücksicht auf Tiere und Besucher vorgenommen werden. Das heisst, sie sollten möglichst wenig sichtbar sein und natürlich keine Gefahr darstellen.

Ein besonderes Highlight des Grossprojekts ist das Giraffenhaus. Und das beeindruckt schon jetzt, noch bevor es fertiggestellt ist, durch seine Grösse. Mehr als 6 Meter hoch sind die Stallungen der Giraffen. Die Besucher werden in der Innenanlage sogar auf speziellen Emporen Tiere selber füttern können – sozusagen auf Augenhöhe. Eine ganz besondere Attraktion schon deshalb, weil mit dieser Anlage nach über 60 Jahren die Giraffen auf den Zürichberg zurückkehren werden. Ihre direkten Nachbarn werden die Nashörner sein. Deren Stallungen sind zwar nicht so hoch – dafür aber mit armdicken Stahlrohren gesichert. Schliesslich müssen sie auch der Wucht eines wütenden Nashorns standhalten.

«Eine solche Baustelle hat man wohl nur einmal
im Leben.» 

Die Arbeiten sind auf Kurs, was die Elektroinstallationen angeht – nicht zuletzt dank Andreas Schädlers umsichtiger Planung und seinem Durchsetzungsvermögen. «Ich bin die Schnittstelle zwischen den Planern und der Umsetzung. Da kommt es manchmal zu Konflikten. Aber im Interesse des Projekts und meines Teams muss ich immer Lösungen finden, die für alle passen.» Im Oktober kommen bereits die ersten Bewohner an, um sich in Quarantäne an ihr neues Zuhause zu gewöhnen. An Ostern 2020 soll es soweit sein, dann wird das neue Aushängeschild des Zoo Zürich eröffnet werden. Dann endet auch Andreas Schädlers Zeit hier. Verspürt er Wehmut? «Ich bin schon gespannt auf ein neues Projekt», sagt er schnell, als würde er erst gar keinen Abschiedsschmerz aufkommen lassen wollen. Doch er gibt auch zu: «Das ist eine Baustelle, die man so wohl nur einmal im Leben hat.» 

Die Lewa Savanne im Zoo Zürich ist nach dem Lewa Wildlife Conservancy in Kenia benannt. Der Zoo unterstützt das Reservat seit 1998. Seit 2013 gehört es zum UNESCO-Weltnaturerbe. Der Zoo Zürich leistet im Rahmen seines Naturschutzengagements wesentliche Beiträge an Ausrüstung und Löhne der Lewa-Wildhüter.

Im Rahmen seines Masterplans entsteht nun nach dem Masoala Regenwald und dem Kaeng Krachan Elefantenpark die dem Original nachempfundene Lewa Savanne, die auf über 40 000 Quadratmetern Platz für zwölf unterschied­liche Tierarten bieten wird: Giraffen, Grevyzebras, Breit­maul­nashörner, Antilopen, Springböcke, Stachelschweine, Papageien, Strausse, Perlhühner, Nacktmulle, Hyänen und
Erdmännchen. Die Eröffnung ist für Ostern 2020 geplant.

EKZ Eltop zeichnet verantwortlich für alle elektrischen Installationen. Dazu werden mehr als 10 Kilometer Kabelleitungen verlegt, neun Gebäude mit Elektrizität versorgt und über 500 Leuchten montiert.