TIXI macht elektrisch mobil

Elektromobilität

TIXI macht elektrisch mobil

TIXI Zürich, der Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, ermöglicht es seinen Fahrgästen, trotz aller gesundheitlichen Widrigkeiten, im Alltag mobil zu bleiben – seit 2013 auch mit den ersten rollstuhlgängigen E-Fahrzeugen Europas.

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Es ist Mittagszeit, doch von Mittagsflaute ist den Disponenten in der Zentrale von TIXI Zürich in Albisrieden nichts anzumerken. Es herrscht geschäftiges Treiben in dem mit drei Schreibtischen besetzten Büro, als kurz nach zwölf Uhr Urs Ammann zur Türe hereinkommt. Ammann ist einer von rund 50 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern, die täglich für TIXI im Einsatz sind. «TIXI ist für mich kein Job», so Ammann, «es ist eine Berufung und Teil meines Lebens». Bereits seit 16 Jahren ist der selbständige Jurist für TIXI auf den Zürcher Strassen unterwegs und ermöglicht es Menschen mit Behinderung so, in ihrem Alltag mobil zu bleiben. Vom Disponenten erhält er seinen heutigen Fahrplan sowie den Schlüssel für den elektrischen Renault Kangoo in die Hand gedrückt. Vor rund sieben Jahren hat EKZ für TIXI Zürich zwei dieser Kleintransporter auf elektrisch umbauen lassen. Es waren die ersten rollstuhlgängigen E-Fahrzeuge Europas. Ammann freut sich, denn «die beiden E-Taxis sind bei uns Fahrern heiss begehrt». Für die heutige Schicht mit vier Fahrten ist der elektrische Kangoo optimal geeignet. Bei Touren von über 130 Kilometern, müsse man die Reichweite im Auge behalten, um ein rechtzeitiges Aufladen zu gewährleisten. «Bei Benzinern ist das aber auch nicht anders», schiebt Ammann hinterher. Grad wenn es ums Tanken geht, kann bei Fahrten mit dem E-Taxi zudem viel Zeit gespart werden. Da die E-Fahrzeuge immer über Nacht in der TIXI-Zentrale geladen werden, sind Stopps an der Tankstelle während den Schichten mit dem elektrisch angetriebenen Kangoo kein Thema. 

Kinderleicht und maximal komfortabel

Mit dem Lift geht es runter in die Tiefgarage, wo die Fahrzeuge der TIXI-Flotte auf ihren Einsatz warten. Zielsicher steuert Ammann einen der beiden Parkplätze mit Ladestation an und ist innert weniger Minuten startklar. Das Laden und Bedienen eines Elektroautos ist «kinderleicht und klappt völlig problemlos». Also Stecker raus und los geht’s. Ammann erinnert sich, als TIXI vor sieben Jahren mit der Unterstützung von EKZ den Einstieg in die Elektromobilität gewagt hat. «Für mich als Fahrer war das absolutes Neuland und wahnsinnig spannend», genauso wie für TIXI Zürich, die mit den beiden eigens umgebauten Renault Kangoos zum europaweit ersten Anbieter rollstuhlgängiger Elektroautos avancierten. Vom Schritt Richtung nachhaltige Mobilität überzeugt, ist man bei TIXI Zürich bis heute. «Mit unseren E-Fahrzeugen sind wir energieeffizient und kostensparend unterwegs. Der einzige Kostenpunkt, der für uns anfällt, ist die Miete der Batterie. Im Vergleich zu einem Benziner sparen wir immer noch gut drei Viertel des Spritpreises», so Petra Furrer, Geschäftsleiterin von TIXI Zürich. Aber die Wahl ist längst nicht nur aufgrund des Kostenaspekts auf Elektrofahrzeuge gefallen. «Unsere Fahrgäste sollen sich wohl fühlen bei uns. Das Plus an Freiraum, welches wir ihnen mit unseren E-Autos bieten können, spielt dabei eine wichtige Rolle», ergänzt Furrer. Da E-Fahrzeuge von Grund auf anders konstruiert sind als herkömmliche Verbrenner, gibt es an vielen Stellen im Fahrzeug mehr Platz, der letztendlich den Fahrgästen zugutekommt. 

«Mit unseren E-Fahrzeugen sind wir energieeffizient und kostensparend unterwegs. Im Vergleich zu einem Benziner sparen wir gut drei Viertel des Spritpreises.» Petra Furrer, Geschäftsleiterin TIXI Zürich

Urs Ammann manövriert gekonnt durch den dichten Stadtverkehr. Während das für in Stadtzentren typische und doch so leidige Stop-and-Go-Fahren zwar nach wie vor zur Geduldsprobe werden kann, bietet es für den Elektromotor einen erheblichen Vorteil: Beim Bremsen gewinnt er Energie – und fährt danach trotz langsamer Geschwindigkeit mit viel Schwung wieder an. So zeigt sich auch Ammann begeistert über die sehr gute Beschleunigung. Urs Ammann, der ursprünglich als Spontanfahrer bei TIXI Zürich angefangen hat, erzählt mit einem Leuchten in den Augen von seinem Engagement. «Auch wenn es unbezahlte Freiwilligenarbeit ist, so kriege ich dennoch so viel zurück.» Die Schicksale seiner Fahrgäste bewegen ihn immer wieder. Dass er es ihnen mit seinem Einsatz ermöglichen kann, mobil zu bleiben, bezeichnet er als «Herzensangelegenheit».

Zwei der insgesamt 30 Flottenfahrzeuge von TIXI Zürich sind elektrisch betrieben.
Der freiwillige TIXI-Chauffeur Urs Ammann hilft beim Ein- und Aussteigen – auch das gehört zum TIXI-Service.
Dank TIXI auch trotz Rollator viel unterwegs: Die Rentnerin und TIXI-Stammkundin Silvia Kaspar aus Zürich.

Leise, aber oho

Ammann biegt in die Einfahrt seines ersten Fahrgasts ein. Er wird bereits erwartet. Als treue Stammkundin ist Silvia Kaspar mindestens einmal die Woche mit einem TIXI unterwegs. Heute hat sie sich im Treffpunkt Nordliecht in Wipkingen zu einem Kaffee verabredet. Die Rentnerin, die dieses Jahr ihren 70. Geburtstag feiert, ist nicht mehr gut zu Fuss. «Dank TIXI kann ich meine Freizeit geniessen und etwas mit meiner Zeit anfangen», erzählt Kaspar. Mit wenigen geübten Handgriffen ist der Rollator verstaut und Silvia Kaspar hat mit Hilfe ihres heutigen TIXI-Chauffeurs auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Während der Elektromotor leise vor sich hin summt, verkürzen sich die beiden die Fahrzeit mit einem Schwatz. Dass das E-Taxi so leise ist, schätzt Kaspar ganz besonders. «Man kann sich so viel besser unterhalten.» Was für die Gesprächsqualität ein grosser Vorteil ist, hat dennoch seine Tücken. «Mit dem Elektroauto rolle ich fast lautlos durch die Strassen und muss deshalb besonders Acht geben, von den anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen zu werden», hält Ammann fast. «Also fast wie mit dem Velo.»

«Das E-Taxi ist beim Fahren so leise, da kann man sich viel besser unterhalten.» Silvia Kaspar, Stammfahrgast von TIXI Zürich

Am Ziel angekommen, bietet Urs Ammann Unterstützung beim Aussteigen und begleitet Silvia Kaspar bis in den Freizeittreff. Das gehört zum Service von TIXI Zürich dazu und ist etwas, dass Kaspar neben der Professionalität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Fahrerinnen und Fahrer besonders schätzt. «Ich lege viel Wert auf die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der TIXI-Fahrer». Bei herkömmlichen Taxiunternehmen sei dies manchmal kritisch und brauche starke Nerven, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Dennoch drängt die Zeit. «Ich muss weiter», sagt Urs Ammann mit einem Blick auf die Uhr, «der nächste Fahrgast wartet schon». Und schon ist er in sein E-TIXI eingestiegen und davongebraust. Völlig lautlos.

Die Idee von TIXI, dem Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, gibt es in der Schweiz seit den 1980er Jahren. Der Verein TIXI Zürich wurde 1983 gegründet. Im vergangenen Jahr waren über 2‘300 Fahrgäste mehr oder weniger regelmässig mit TIXI Zürich unterwegs. Auf 64'876 Fahrten legte das freiwillige, 400-köpfige Fahrteam gut 1'460'000 Kilometer zurück. Das sind im Durchschnitt täglich etwa 4‘000 Kilometer.

Der TIXI-Fahrdienst kann von registrierten Vereinsmitgliedern in Anspruch genommen werden. Die Fahrpreise sind vergleichbar mit den Tarifen im öffentlichen Verkehr. 

tixi.ch/

Die Flotte von TIXI Zürich umfasst 30 Fahrzeuge, darunter auch zwei elektrisch betriebene. Die beiden rollstuhlgängigen Elektroautos (Modell Renault Kangoo) waren ein Geschenk von EKZ anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums von TIXI Zürich 2013. Die in einem anspruchsvollen Verfahren speziell für den Rollstuhltransport umgebauten E-Fahrzeuge waren die europaweit ersten ihrer Art. Nach sieben Jahren werden die beiden Fahrzeuge in Kürze ausrangiert und durch eine neue Generation mit einer Reichweite von über 200 Kilometern ersetzt. Die Ersatzmodelle (wiederum zwei Renault Kangoos) wurden bereits bestellt und befinden sich in der Auslieferung.