Wenn die Mutter schnuppern geht

Elternschnupperkampagne

Wenn die Mutter schnuppern geht

Eine unkonventionelle Kampagne soll auf den Nachwuchsmangel in der Elektrobranche aufmerksam machen: Mit der Elternschnupperlehre bot EKZ Eltop interessierten Müttern und Vätern einen Einblick in den Beruf des Elektroinstallateurs.

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Drei Tritte auf der Leiter stand Sara Satir, mitten im Hauseingang der Liegenschaft in Wallisellen, und erschwerte den anderen Handwerkern das Durchkommen mit ihren Leichtbauwänden, dem Isolationsmaterial und dem Elektromaterial, das sie eigentlich ins oberste Geschoss tragen wollten. Es herrschte das übliche Gewusel einer Baustelle, wo die verschiedenen Handwerker alle aneinander vorbeikommen müssen. Doch Tim Steiger, Elektroinstallateur bei EKZ Eltop Effretikon, liess sich nicht beirren und zeigte Sara Satir geduldig, welchen Draht sie womit verbinden musste. Liess sie in aller Ruhe die Platte anschrauben, während die anderen Handwerker vor dem Eingang warten mussten. Schnupperstiftin Sara Satir installierte ihre erste Leuchte. Soweit, so normal. Nur, dass Sara Satir keine 14 Jahre alt war, sondern eine erwachsene Frau, Mutter von zwei Teenagersöhnen.

«Ich wusste nicht, wie vielseitig der Beruf des Elektroinstallateurs ist.»

Nach der ersten erledigten Aufgabe begaben sich die beiden ins Dachgeschoss, in welchem anstelle des Estrichs gerade moderne Dachwohnungen entstehen. Unter fachkundiger Anleitung bohrte Satir mit dem Kronenbohrer ein Loch für die Kabelbuchsen in die Leichtbauwand und bereitete die Steckdosen vor. «Ihr seid aber ambitioniert!», rief sie anfangs noch aus, doch schon nach wenigen Handgriffen wurde sie selbstsicherer und absolvierte die Aufgabe ohne Probleme.

Kampf dem Lehrlingsmangel

Die EKZ Eltop AG führte in jener Woche eine besondere Kampagne durch: Die Elektroninstallationsfirma offerierte für einmal keine Schnuppertage für Jugendliche, sondern für deren Eltern. «Die Eltern sind im Berufswahlprozess nach wie vor wichtige Beeinflusser», erklärte Arthur Alexejew, Kampagnenverantwortlicher von EKZ Eltop, die ungewöhnliche Aktion. «Wir wollten bei den Eltern Vorurteile abbauen und ihnen ermöglichen, selbst einen Einblick in einen Handwerksberuf zu gewinnen.» EKZ Eltop, eine Tochterfirma von EKZ, ist für Elektroinstallateure und Montageelektriker einer der grössten Ausbildungsbetriebe im Kanton. Doch auch Eltop spürt seit ein paar Jahren, dass es nicht mehr so einfach ist, Nachwuchs zu finden.

Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Sicher stehen die Handwerksberufe in starker Konkurrenz zum Gymnasium, sie scheinen aber allgemein nicht mehr so beliebt zu sein wie früher. «Mit dieser Kampagne wollten wir in der Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen», sagte Alexejew.

Bild von Sara Satir beim Installieren
Sara Satir verkabelt ihre erste Leuchte.
Sara Satir beim Messen auf der Baustelle.
Elektroinstallateur Tim Steiger von EKZ Eltop zeigt ihr, …
Sara Satir beim Bohren auf der Baustelle von  EKZ Eltop.
wie man mit dem Kronenbohrer umgeht
Sara Satir installiert mit EKZ Eltop eine Steckdose.
und eine Steckdose anbringt.
EKZ Eltop und Sara Satir im Neubau.
Eltop-Filialleiter Urs Meyer zeigt der schnuppernden Mutter die Verteilzentrale in einem Neubau in Effretikon.
Steuerungskabel und Sara Satir
Faszinierende Steuerungskabel…
Steuerungszentrale und Sara Satir
und Steuerungszentrale in der Trocknungsanlage der Landi.
EKZ Eltop in einer Trafostation
Seltene Gelegenheit: eine Trafostation von Innen zu sehen.

Vorurteile abbauen

Ob bei Sara Satir, die von Beruf Coach ist und daneben den bekannten Podcast «Kafi am Freitag» betreibt, diese Ziele erreicht werden konnten? «Meine Motivation hier reinzuschnuppern ist die, dass ich wenig weiss über diesen Beruf. Eigentlich sind mir die ganzen handwerklichen Lehrberufe eher fremd», gibt Satir offen zu. Sie möchte hier mehr erfahren und Vorurteile abbauen, sagt sie. Doch vorschnuppern, nein das mache sie nicht, wehrt sich Satir bestimmt. Es liege ihr auch fern, ihrem knapp 13-jährigen Sohn eine Empfehlung abzugeben. Noch sei alles offen, auch das Gymi stehe im Raum. «Er ist sehr breit interessiert und begabt, wie ich finde», erzählt Satir. «Ich sehe ihn eigentlich überall, von einem handwerklichen bis hin zu einem sozialen Beruf.» Deshalb wolle sie ihn einzig dazu animieren, möglichst breit und unvoreingenommen zu schnuppern. «Denn damals, bei meiner Berufswahl, kam ein Handwerksberuf irgendwie überhaupt nicht in Frage – ohne dass ich sehr viel darüber gewusst hätte», gibt sie zu bedenken.

Vielseitiges Berufsbild

Dass der Beruf des Elektroinstallateurs äusserst vielseitig ist, lässt allein das Programm an jenem Schnuppermorgen in und um Effretikon erahnen. Nebst der Wohnungssanierung in Wallisellen hatte Satir die Gelegenheit, einen Neubau in Effretikon zu besuchen, wo sie sich die Rohinstallationen einer schicken Eigentumswohnung mit viel Gebäudeautomation ansehen konnte. Danach stand ein Besuch in der Trocknungsanlage der Landi auf dem Programm, wo gerade die gesamte Steuerung dieser enormen Maschinerie ersetzt wurde, und am Schluss noch eine Stippvisite in einer Trafostation. «Ich wusste tatsächlich nicht, was der Beruf des Elektroinstallateurs alles beinhaltet», gab Satir nach diesem ereignisreichen Schnuppervormittag zu Protokoll. «Und allein schon, dass ich gelernt habe, wie man richtig misst, war der Morgen wert!», fügt sie lachend an.

Bei EKZ ist rund jeder zehnte Mitarbeitende ein Lernender, insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 140 Lernende. Damit gehört EKZ zu einem der wichtigsten Ausbildungsbetriebe im Kanton Zürich.

Bei EKZ und der EKZ Eltop AG werden folgende Lehrberufe angeboten:

  • Netzelektriker/in EFZ
  • Elektroinstallateur/in EFZ
  • Elektroplaner/in EFZ
  • Informatiker/in EFZ Systemtechnik
  • Kaufmann/frau EFZ
  • Kaufmann/frau EFZ Eltop
  • Koch/Köchin EFZ
  • Logistiker/in EFZ
  • Montagelektriker/in EFZ
  • Telematiker/in EFZ

Mehr Infos www.ekz.ch/lehrstellen