«Das Limmattal braucht ein gemeinsames Selbstverständnis»

Interview Limmatstadt

«Das Limmattal braucht ein gemeinsames Selbstverständnis»

Jasmina Ritz ist Geschäftsführerin der Limmatstadt AG. Mit der Organisation begleitet die regionale Standortförderin aktiv den Wandel im Limmattal. Wir haben mit ihr über die Zukunft der prosperierenden Region, die Limmattalbahn und ein mögliches Limmatstadt-Festival gesprochen.

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Frau Ritz, wo liegt die Limmatstadt?

Im Zentrum zwischen Baden und Zürich. Hier im Limmattal findet der Wandel vom Agglomerationsgebiet hin zu einem zusammenhängenden urbanen Raum längst statt. Wir begleiten diesen Wandel, bündeln Ressourcen, verbinden die Vorzüge und Stärken der einzelnen Gemeinden zu einer gemeinsamen Limmatstadt.

Jasmina Ritz, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG

Worauf fokussieren Sie dabei?

In meiner Rolle bin ich ständig auf Achse, pendle zwischen politischen und wirtschaftlichen Gremien und tausche mich mit unterschiedlichsten Interessensvertretern aus. Entsprechend vielseitig ist die Aufgabe. Unser Engagement basiert kurz gesagt auf vier Säulen:
 

  1. Wir vernetzen Gemeinden und Politiker, Wirtschaft und Bevölkerung.

  2. Wir positionieren die Region und verschaffen ihr ein gemeinsames Gesicht

  3. Wir leisten einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen Entwicklung der Region und

  4. fördern das Image und schaffen ein überregionales Bewusstsein für die Vielsei-tigkeit und Attraktivität der Limmatstadt.
«Das Limmattal ist unglaublich vielfältig und seine Lage macht die Region äusserst interessant.» 
Blick in der Dämmerung aus der Vogelperspektive über das Limmattal.

Die Entwicklung von der Agglomeration hin zum urbanen Gebiet schreitet im Limmattal rasant voran.

Wie steht es denn um das Image des Limmattals?

Das Limmattal hat eine lange Geschichte als Industriestandort und als Verkehrsachse. In vielen Köpfen ist das so verankert. Durch die Dynamik des letzten Jahrzehnts machte sich das Limmattal aber einen neuen Namen und besticht durch eine grosse Vielfalt auf kleinstem Raum. Es fehlte nur lange an einer gemeinsamen grenzübergreifenden Vision und Stosskraft. Gemeinsam hat die Limmatstadt viel mehr wirtschaftliches und politisches Gewicht. Unsere Arbeit stiftet genau diese neue Identität, positioniert die Region und macht sie sichtbar.


Wie manifestiert sich Ihre Arbeit konkret für Einwohner, Wirtschaft und Politik?

Zum Beispiel durch eine Kultur- und Wirtschaftsagenda für die ganze Region oder das Regionalmagazin «36 km». Der Name spielt auf die Länge der Limmat zwischen Zürich und Baden an. Im Magazin greifen wir zweimal im Jahr Themen aus der Region auf, machen auf regionale Produkte aufmerksam oder empfehlen die besten Wanderwege, Velorouten und vieles mehr.

Und wie für Wirtschaft und Politik?

Wir fördern den Dialog unter den Gemeinden und schaffen Plattformen für den informellen Austausch mit einem Roundtable für unsere Gemeinden. Aktuell arbeiten wir an der Brandingstrategie. Die Aktivitäten der Unternehmen finden exklusiv Präsenz in unserem täglichen Wirtschafts-Newsletter «punkt4». Das gibt es in keiner anderen Region. Unsere jährliche GV ist ein Event und Treffpunkt von Wirtschaft und Politik. Dies stärkt die ganze Region und lässt sie weiter prosperieren.

«Ohne Tram wäre das Limmattal Agglomeration geblieben.»
Die Haltestelle Geissweid der Limmattalbahn mit 2-er-Tram.
Im Zentrum Schlierens verkehrt bald auch die Limmattalbahn.
Das neue Zentrum von Schlieren aus der Vogelperspektive mit Tramhaltestelle und prägnantem rotem Dach.
Der neue Stadtplatz in Schlieren ist ein wichtiger Knotenpunkt für das Limmattal.

Welche Bedeutung hat die Limmattalbahn für die Limmatstadt?

Sie ist ein riesiges Bekenntnis zur Region von Bund und Kanton und verdeutlicht, dass man das grosse Potenzial des Limmattals erkannt hat. Die Limmattalbahn ist das Rückgrat der Stadtentwicklung, Identitätsstifter und Botschafter für unsere Vision - von Zürich bis Baden. Die Gemeinden werden durch die Bahn vernetzt und enorm aufgewertet. Wo ein Tram fährt, entsteht Stadt. Ohne Tram wäre das Limmattal nur Agglomeration geblieben.

Wo erkennen Sie die grössten Hürden für die Zukunft?

Wir müssen weg vom Silodenken und brauchen Bewusstsein und Begeisterung für die gemeinsame Region. Hierzu müssen wir die Bewohnerinnen und Bewohner einladen und aktiv einbinden. Entscheidend ist, dass man ein Verständnis für die Stärken der eigenen Gemeinde entwickelt und erkennt, welche Rolle diese im Kontext der Limmatstadt spielen können. Wir können nicht überall alles haben, aber gemeinsam haben wir viel Power. Wenn wir alle Vorteile optimal kombinieren, profitiert die ganze Region.

Wollen Sie die Gemeinden denn fusionieren?

Nein. Wir fördern den Blick über die eigene Gemeinde hinaus und arbeiten konsequent an der Wahrnehmung der Gesamtregion. Die Entwicklung ist eine Realität, sie ist eine Chance für die Region, die wir aktiv antizipieren. Als apolitische Organisation können wir agil und unabhängig agieren. Das nehmen auch unsere Gemeinden als Vorteil wahr.

Was bedeutet die Limmatstadt für die Energieversorgung der Region?

Für uns ist die Nachhaltigkeit ein allumfassendes Thema – von der Siedlungsentwicklung nach innen bis zur lückenlosen Ladeinfrastruktur für E-Autos. So laufen zahlreiche Initiativen zur Erreichung der Umwelt- und Klimaziele. In den Gemeinden primär über das Label Energiestadt oder in Kooperation mit den Elektrizitätswerken wie Dietikon mit dem Smart City Labor. Nicht zu vergessen sind aber auch rein private Initiativen: die schweizweit einzige Umweltarena steht im Herzen der Limmatstadt!

Wann erleben wir das erste Limmatstadt-Festival?

Mit dieser Idee haben wir auch schon gespielt. Ein Musik- oder Kulturfestival mit Kernzone zwischen Dietikon und Spreitenbach und Nebenschauplätzen überall in den Gemeinden des Limmattals - grossartig! Im Moment ist so etwas aus bekannten Gründen aber eh nicht möglich – aber träumen darf man ja.