Mehr Unabhängigkeit und ein gutes Gefühl

Mehr Unabhängigkeit und ein gutes Gefühl

Auf dem Dach der Otto Fischer AG in Zürich produzieren über 900 PV-Module Strom. 80 Prozent dieses Stroms nutzt der Elektrogrossist gleich selbst, für den Rest hat er grosse Pläne.

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Wer bei der Tramhaltestelle «Aargauerstrasse» in Zürich West aussteigt, findet sich unmittelbar vor einem grossen, hellgrauen Gebäude wieder. An der Fassade sind in orange die Initialen «OF» für Otto Fischer AG angebracht. Seit 1977 hat der Elektrogrosshändler Otto Fischer – ein Schweizer Familienunternehmen – seinen Sitz hier. Was von aussen aussieht wie ein Bürogebäude, beherbergt im Innern in erster Linie ein riesiges Lager: «Wir haben über 250'000 verschiedene Elektroartikel im Sortiment, davon 30'000 am Lager», erklärt Dieter Reiff, Leiter Zentrale Dienste bei der Otto Fischer AG. Dazu gehören Kabel, Rohre, Schalter, Schrauben, Werkzeug, PV-Module, Leuchten, Leuchtmittel, Ladestationen und vieles mehr. «Wer bei uns bis abends um 18 Uhr bestellt, hat die Ware spätestens am nächsten Morgen um 7 Uhr auf der Baustelle oder im Briefkasten», erklärt Martin Oser, Leiter Informatik und Logistik bei der Otto Fischer AG, das Geschäftsmodell, und ergänzt: «Die Hälfte der Bestellungen – ca. 8000 Positionen – erhalten wir am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr, weil die Baustellen dann den nächsten Tag planen und damit das Material, das sie benötigen. Da auf Baustellen meist nur wenig Platz vorhanden ist, wird alles kurzfristig bestellt.» Die Otto Fischer AG sei sozusagen das Aussenlager der Baustellen, meint Oser schmunzelnd.

Jetzt oder nie

«In diesen zwei Stunden am Nachmittag laufen die EDV-Systeme auf Hochtouren, aber auch im Lager herrscht reger Betrieb, weil bei der Kommissionierung jede Sekunde zählt, damit die Bestellungen rechtzeitig rausgehen», erzählt Reiff. Ein Stromausfall während dieser Zeit sei verheerend, das habe die Vergangenheit gezeigt, so Reiff. «Wir können dann nicht mehr ausliefern, weil wir keinen Zugriff mehr auf die Bestellungen haben, die noch vor dem Stromausfall reingekommen sind.» Gleichzeitig kämen keine neuen Bestellungen mehr rein. «Die Kunden kaufen in diesem Fall anderswo ein, weil sie die Waren ja dringend brauchen», meint Oser. Ein erheblicher Teil des Tagesgeschäfts würde bei einem Stromausfall zwischen 16 und 18 Uhr wegfallen.

Solaranlage als Puffer

Aufgrund dieser Erfahrungen hat man sich bei der Otto Fischer AG überlegt, wie man die Abhängigkeit vom Netz reduzieren könnte. «So sind wir auf eine Photovoltaik-Anlage gekommen», erzählt Oser. «Eine eigene Anlage verschafft uns Zeit, um die Systeme wenigstens geordnet runterzufahren», ergänzt Reiff. Klar hätten auch ökologische und wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt, sind sich die beiden einig. «Da wir selbst PV-Module und Unterkonstruktionen vertreiben, ist die PV-Anlage auch ein Referenzobjekt», ergänzt Oser, «sowohl für unsere Kunden, als auch für unsere Mitarbeitenden, damit sie ihr Knowhow erweitern und weitergeben können.»

Vom 3D-Modell zum Entscheid

Als es darum ging, die Anlage zu planen, ist Otto Fischer auf EKZ gekommen. «Wir arbeiten bereits mit EKZ zusammen und das Unternehmen hat einen guten Namen», begründet Reiff, «überzeugt hat uns schliesslich das Vorgehen von EKZ.» Eine solche Anlage sei ja doch eine grosse Investition und mit einer Potenzialanalyse könne man sich langsam an den Entscheid herantasten. «EKZ hat für uns die ganze Anlage konzipiert und geplant. Beeindruckt hat uns das 3D-Modell und die Verschattungsanalyse. Diese hat gezeigt, dass das Dach prädestiniert ist für die Produktion von Solarstrom», erklärt Reiff, und ergänzt schmunzelnd: «Und auch für die Zukunft haben wir vorgesorgt: Ob die beiden 137 Meter hohen Türme neben dem Hardturm-Stadion wirklich kommen, wissen wir noch nicht. Aber wir wissen, dass sie uns keine Module verschatten werden. Denn der Schatten der beiden potenziellen Türme wurde bei der Analyse bereits berücksichtigt.» Die Verschattung ist übrigens mit ein Grund, warum das Flachdach der Lagerhalle von Otto Fischer nicht komplett mit PV-Modulen zugedeckt ist: «Die Anlage muss wirtschaftlich, d.h. auf unseren Verbrauch ausgelegt sein», erklärt Oser. «EKZ hat die Anlage dimensioniert, also berechnet, wie viele Module wir überhaupt brauchen, wo diese aufgestellt werden und welche Exposition sie haben müssen.» Insgesamt liegen nun 904 Module auf dem Dach der Otto Fischer AG. Sie sind in Ost-West-Ausrichtung aufgeständert. Das heisst, die eine Hälfte der Module ist im flachen 10-Grad-Winkel nach Osten ausgerichtet, die andere Hälfte nach Westen. «So lässt sich über den Tag hinweg das Maximum an Solarenergie einfangen», erklärt Oser weiter.

«Beeindruckt hat uns das 3D-Modell und die Verschattungsanalyse. Diese hat gezeigt, dass das Dach prädestiniert ist für die Produktion von Solarstrom.» Dieter Reiff,Leiter Zentrale Dienste, Otto Fischer AG
«Beeindruckt hat uns das 3D-Modell und die Verschattungsanalyse. Diese hat gezeigt, dass das Dach prädestiniert ist für die Produktion von Solarstrom.» Dieter Reiff, Leiter Zentrale Dienste, Otto Fischer AG
«Da wir selbst PV-Module und Unterkonstruktionen vertreiben, ist die PV-Anlage auch ein Referenzobjekt, sowohl für unsere Kunden, als auch für unsere Mitarbeitenden, damit diese ihr Knowhow erweitern und weitergeben können.» Martin Oser, Leiter Informatik und Logistik, Otto Fischer AG
«Da wir selbst PV-Module und Unterkonstruktionen vertreiben, ist die PV-Anlage auch ein Referenzobjekt, sowohl für unsere Kunden, als auch für unsere Mitarbeitenden, damit diese ihr Knowhow erweitern und weitergeben können.» Martin Oser, Leiter Informatik und Logistik, Otto Fischer AG

Installation im Team

Die Module, die Otto Fischer einsetzt, stammen vom Schwesterunternehmen Fankhauser Solar AG. Jedes hat eine Nennleistung von 285 Wattpeak, was für die ganze Anlage mit den 904 Modulen eine Leistung von insgesamt 258 Kilowattpeak ergibt. Gemäss Berechnungen soll sie pro Jahr ca. 213'700 Kilowattstunden Strom produzieren – so viel wie knapp 50 4-Personenhaushalte in der gleichen Zeit verbrauchen.
Das Besondere an der Anlage sei die Unterkonstruktion, die ebenfalls von Fankhauser stamme, so Oser. «Im Gegensatz zu herkömmlichen Solaranlagen wurden die Moduleinheiten bereits auf der Unterkonstruktion vormontiert geliefert. Das ist ideal, wenn es schnell gehen muss oder wenig Platz vor dem Haus ist. Für die Montage haben wir nur wenige Tage gebraucht.» Wir – das seien in diesem Fall Mitarbeitende der Otto Fischer AG, wie Reiff erzählt: «Die Anlage ist im Team entstanden. Von Anfang an war uns wichtig, dass unsere Verkaufsmitarbeitenden ins Projekt involviert sind und mitanpacken.» Oser ergänzt: «Als die Moduleinheiten angeliefert wurden, haben die Verkaufsmitarbeitenden – übrigens alles ehemalige Elektroinstallateure – ihren Bürostuhl in die Ecke geschoben und die Moduleinheiten auf dem Dach installiert.»

Das gute Gefühl

Seit Anfang Juli 2018 ist die Anlage in Betrieb. Sie versorgt die EDV, das Lager, die Personen- und Warenlifte, die Förderbänder, die Klimaanlage im Serverraum, das Licht und die Transportwagen mit Strom. An den internen Abläufen habe sich nichts geändert, meint Reiff. «Die Anlage gibt uns aber generell ein gutes Gefühl, weil wir einen grossen Teil des Stroms, den wir brauchen, selbst produzieren.» Die Solarmodule seien aber eigentlich nur der erste Schritt eines grösseren Projekts, ergänzt Oser: «Jetzt geht es darum, den zur Verfügung stehenden Strom besser zu managen.» Damit meint Oser den Batteriespeicher, der als nächstes installiert werden soll. «Noch schöner wird es, wenn wir die Sicherheit haben, dass uns unser eigener Strom auch im Falle eines Stromausfalls zur Verfügung steht», schliesst Reiff.

Bau und Inbetriebnahme: Juni/Juli 2018
Anlagenleistung: 258 kWp
Gemittelte Jahresproduktion über gesamte Laufzeit (25 Jahre): 214’000 kWh
Fläche: 1500 m2
Modulfläche: 1492 m2
Module Typ: Longi Solar LR6-60 285M
Anzahl Module: 904
Wechselrichter Typ: ABB PVS-100-TL
Anzahl Wechselrichter: 2
Aufständerung: «SmartSolarBox» (vormontiertes, faltbares Flachdach-System mit integrierter Ballastierung)
Anteil Eigenverbrauch: 79%

Die Otto Fischer AG wurde 1899 gegründet. Das unabhängige Elektrogrosshandels-Unternehmen wird als Familienbetrieb geführt. Im eigenen Gebäude an der Aargauerstrasse 2 in Zürich beschäftigt die Otto Fischer AG über 290 Mitarbeitende. Mit einem umfangreichen Sortiment und breiten Dienstleistungsangebot versorgt die Otto Fischer AG täglich die Elektroinstallationsbranche in der ganzen Schweiz. 

ottofischer.ch