Auf dem Zürcher Hörnli wird die letzte Freileitung in den Boden gelegt und versorgt künftig die Kunden unsichtbar. Eine gewichtige Angelegenheit: Fast 5 Tonnen Kabel braucht es für die Strecke von 1,6 Kilometern.

Drei riesige metallene Räder stehen bei strahlendem Wetter auf einem Lastwagen beim sogenannten Tanzplatz auf dem Zürcher Hörnli. Es sind Kabelrollen, von denen dicke schwarze Leitungen wie Spinnenarme wegführen. Ein Kranarm fasst die drei Kabel und ein Leerrohr in luftiger Höhe zusammen, dann senkt sich der Vierer-Strang zu Boden, gleitet praktisch lautlos über eine Wiese neben dem Wanderweg und verschwindet in einer grossen weissen Plastik-Röhre im Erdboden.  

Vorsicht beim Kabelzug

Rund 400 Meter weiter unten sind die Arbeiten nicht so ruhig. Hier knattert die motorbetriebene Kabel-zugmaschine und rollt langsam das Stahlseil auf, an dem die vier Leitungen befestigt sind. Kabelbauer Markus Dürig steht in neongelben Arbeitshosen neben dem Graben und überwacht das Ziehen der Kabel. Über Funk steht er in Kontakt mit Equipenleiter André Frick auf dem Tanzplatz und informiert ihn über den Stand. «Der Kabelzug soll vorwärts gehen, aber nicht zu schnell, sonst kann es gefährlich werden», sagt Dürig.

Dafür sorgen mehrere EKZ-Mitarbeiter vom Kabelbau auf dem Tanzplatz. Vor jeder der übermannshohen Rollen steht ein Kabelbauer. «Auf dem Hörnli geht es so steil bergab, dass wir eher bremsen statt nachhelfen müssen», sagt Peter Trösch mit einer Hand am Kabel und der anderen an der Rolle. Walter Wagner, Leiter Bau der EKZ-Netzregion Oberland bestätigt: «Passen nicht alle gut auf, könnten eines oder alle Kabel unkontrolliert den Berg hinunter sausen.» In so einem Fall würde das Kabel durch die gelegten Rohre hindurch rutschen, bei der Öffnung nach 400 Metern ins Freie schiessen und sich zu einem riesigen Kabelknäuel zusammenfalten. Wagner: «Nicht nur wegen der Kosten sollte dies nicht passieren, es ist auch nicht ungefährlich für Mitarbeiter und allfällige Spaziergänger.» An jeder Kabelrolle stehe darum ein erfahrener Mitarbeiter, der genau wisse, was zu tun sei.

Aussicht auf dem Hörnli
Das sind die letzten Freilieitungsmasten auf dem Zürcher Hörnli. Sie werden in den Boden verlegt.
Viele Ausflügler sind auf dem Hörnli unterwegs
An diesem sonnigen Tag sind zahlreiche Ausflügler auf dem Hörnli unterwegs.
Der Projektleiter Elio Grande
Beim EKZ-Projektleiter Elio Grande laufen alle Fäden zusammen.
Männer an der Bobine
Beim Kabelzug ist in diesem steilen Gelände Vorsicht geboten, sonst sausen die Kabel plötzlich den Berg herunter.
Die Kabel verschwinden im Boden.
Hier verschwinden die Stromleitungen im Boden. Dadurch sind sie im Gegensatz zu Freileitungen weniger störungsanfällig.
Zugmaschine im Einsatz
Unten am Bahnhof Steg erfolgt der Kabelzug. Anschliessend werden die neuen Kabel in der Trafostation angeschlossen.

Kabel sind weniger störungsanfällig

Die drei Kabel, von denen jedes rund 1600 Kilo wiegt, werden am Hörnli in vier Etappen vom Tanzplatz auf 1000 m.ü.M. hinunter zur Trafostation Aeschacker auf 700 m.ü.M. gezogen. Die Distanz der einen Trafostation zur anderen beträgt 1600 Meter. Mit dem Verkabeln verschwindet die letzte Freileitung von EKZ auf dem Hörnli. Die Masten, die nach dem Anschliessend und Aufschalten der neuen Leitung abgebaut werden, stammen aus den Jahren 1928/1929 und waren noch aus Holz. Kabelleitungen sind im Gegensatz zu Drähten an Masten weniger störungsanfällig. «Bei Gewitter oder Nassschnee musste ich früher als Freileitungsmonteur oft aufs Hörnli» erzählt Walter Wagner. Das sei in diesem steilen Gelände nicht immer einfach gewesen. Habe man aber bei schönem Wetter die Schäden in Ordnung bringen können, sei das immer etwas Besonderes gewesen. «Dann hatte man auf dem Hörnli einen Job mit Aussicht.»