Mehr Energie fürs Limmattal

Mehr Energie fürs Limmattal

Mehr Bewohner, mehr ­Arbeits­plätze, mehr Woh­nungen: Das Limmattal ist eine Boomregion. Das hat auch Aus­wirkungen auf die Stromversorgung. In Obereng­stringen wird darum ein neues Unterwerk ­gebaut – Standorte für solche Bauten zu finden, ist aber oft nicht einfach.

Regelmässig spannende
Infos aus der Energiewelt?
Jetzt abonnieren

Wer im Limmat­tal wohnt oder arbeitet, weiss aus eigener Erfahrung: Die Region wächst wie kaum eine andere in der Schweiz. ­Allein in den Jahren 2000 bis 2017 hat die Zahl der ­Personen, die im Bezirk Dietikon ihren Wohnsitz ­haben, um rund 25 Prozent zugenommen*. Für die wachsende ­Bevölkerung wurden in dieser Zeit rund 7500 zusätzliche Wohnungen erstellt – eine Zunahme von über 21 Prozent.

Doch im Bezirk Dietikon wohnen nicht nur deutlich mehr Personen als zur Jahrtausendwende, es werden auch immer mehr Arbeitsplätze geschaffen: Allein zwischen 2011 und 2016 wuchs die Zahl der Arbeits­stätten in der Region um mehr als 400 auf rund 5800 an, und die Zahl der Beschäftigten wuchs im gleichen Zeitraum um 4500 auf knapp 52 000.

Stromversorgung muss ausgebaut werden

Dieser Boom hat direkte Auswirkungen auf die Stromversorgung: Die vielen neuen Wohnungen und Firmengebäude müssen ans Verteilnetz von EKZ angeschlossen und versorgt werden. Das bedeutet, im Bezirk Dietikon wird auch immer mehr elektrische Energie benötigt und verbraucht. Und langsam, aber sicher erreicht die ursprünglich gut ausgebaute und für hohe Leistungen ausgelegte Stromversorgung die Kapazitätsgrenze.

«Den Bezirk Dietikon versorgen derzeit zwei Unterwerke – Dietikon und Schlieren. Während Dietikon noch genügend Reserven hat, ist Schlieren heute ziemlich ausgelastet», sagt Daniel Bucher, Leiter Netze und Geschäftsleitungsmitglied bei EKZ. 

Limmattalbaustelle auf der Höhe des Briefzentrums Mülligen der Post in Schlieren.
Limmattalbaustelle auf der Höhe des Briefzentrums Mülligen der Post in Schlieren. Blick Richtung Stadt Zürich.
... Blick Richtung Schlieren Stadtzentrum.
... Blick Richtung Schlieren Stadtzentrum.
Von oben: Das rote Dach auf dem Schlieremer Stadtplatz.
Von oben: Das rote Dach auf dem Schlieremer Stadtplatz.
Prognostizierte Zunahme der Bevölkerung und der Anzahl Beschäftigten.

Bauplatz für Unterwerk gesucht

«Wir sahen diese Entwicklung voraus und machten uns deshalb vor fünf Jahren auf die Suche nach einem neuen Standort für ein drittes Unterwerk in der Region.» Unterwerke sind die Herzstücke der EKZ-Stromversorgung. Dort wird die Energie aus dem Transportnetz entnommen und von Hochspannung auf die Mittelspannung des Verteilnetzes transformiert. Von den Unterwerken aus verteilt EKZ den Strom über Kabel im Boden an die nächsten Verteilpunkte (Trafostationen) in den umliegenden Gemeinden.

Aus Sicherheitsgründen und wegen der grossen Transformatoren brauchen Unterwerke relativ viel Platz. Ausserdem gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber den Stromverteilzentralen. «Einen Bauplatz für unser Unterwerk zu finden, war darum nicht einfach», sagt Bucher. Viele Landbesitzer wurden angefragt – ohne Erfolg.

Lösung dank neuem Rechenzentrum

Gelegen kam EKZ darum, dass die kalifornische Firma Equinix ein Rechenzentrum in Oberengstringen erstellen will. Rechenzentren brauchen sehr viel Leistung und sind entsprechend auf eine gute Stromversorgung angewiesen. Daher war Equinix nach Verhandlungen auch bereit, ein Landstück direkt neben ihrem geplanten Rechenzentrum an EKZ zu verkaufen.

Im Sommer 2018 konnte EKZ mit dem Bau des neuen Unterwerks Oberengstringen beginnen. Bucher: «So kann die Region auf eine weiterhin zuverlässige Versorgung zählen, und Equinix erhält die zusätzlich benötigte Leistung.»

Wohlwollen der Bevölkerung gefragt

In anderen Wachstumsregionen wie dem Zürcher Oberland steht EKZ vor denselben Herausforderungen wie im Limmattal: «Auch dort braucht es für eine sichere Stromversorgung weitere Unterwerke. Mit der Suche nach Standorten haben wir bereits begonnen. Doch ­dafür benötigen wir nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch das Wohlwollen der Bevölkerung», sagt Bucher. 

Ohne das Entgegenkommen von Sylvia Stählin, der direkten Nachbarin des Unterwerks Oberengstringen, hätte sich dessen Bau noch stark verzögern können. Wieso sie erst messen ging und dann gebacken hat, lesen Sie hier.