Für einen möglichst emissionsfreien Umgang mit SF6

Für einen möglichst emissionsfreien Umgang mit SF6

EKZ engagiert sich als Mitglied des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE freiwillig fürs Vermeiden von Schwefelhexafluorid-Emissionen – kurz SF6 genannt. EKZ geht sogar einen Schritt weiter: Sie zählt zu den ersten Bestellern von SF6-freien Schaltanlagen bzw. Komponenten in der Schweiz

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«Im UW Etzel haben wir seit 2018 zusammen mit Axpo die erste g3-Schaltanlage von GE in Betrieb und im Herbst 2019 wurden im UW Wädenswil neuartige Freiluft-Leistungsschalter 110kV in «Clean Air»-Technik von Siemens eingebaut», betont Hanspeter Häberli, Leiter Planung und Bau Anlagen bei EKZ. EKZ versucht möglichst auf SF6-Komponenten zu verzichten und setzt solche Anlagen nur dort ein, wo aus Platzgründen (zum Beispiel beim Trafostationenbau) oder aufgrund von speziellen Anforderungen nichts Anderes möglich ist.

Lange Abbaudauer

In den letzten Jahren rückten die Auswirkungen von SF6 auf das Klima in den Fokus der politischen Diskussion. SF6 weist ein sehr hohes Treibhauspotenzial auf und, falls es in die Atmosphäre gelangt, erfolgt der Abbau sehr langsam. In Zahlen ausgedrückt heisst das: Die Wirkung von SF6 ist rund 24 000 Mal höher als diejenige von CO2. Oder anders gesagt: 1 Kilogramm SF6 ist mit 23,8 Tonnen CO2 zu vergleichen. Die Abbaudauer beträgt rund 3 200 Jahre.

«Für die Umwelt schädlich wird es, wenn die Anlagensicherheit von SF6-gasisolierten Schaltanlagen beispielsweise durch zu geringe Konzentrationen infolge von entwichenem Gas oder durch Zersetzungsprodukte nicht mehr gegeben ist. Diese Zersetzungsprodukte entstehen während des Betriebs durch Lichtbögen, zum Beispiel beim Schalten in feuchtem bzw. unreinem SF6-Gas», so Hanspeter Häberli. Die giftigen Rückstände verbleiben im Gehäuse, weshalb spezielle Vorsichtsmassnahmen erforderlich sind, wenn die Anlage am Ende ihrer Nutzungsdauer abgebaut wird.

Branchenvereinbarung zur Vermeidung von SF6-Emissionen

In der Schweiz haben sich deshalb die Schaltanlagenhersteller und –betreiber im Rahmen einer VSE-Branchenvereinbarung schon im Jahr 2000 zum Ziel gesetzt, SF6-Emissionen – wo immer möglich – zu vermeiden. Und bis 2020 die gesamten Emissionen von SF6 aus der Herstellung und dem Betrieb von Anlagen der Höchst-, Hoch- und Mittelspannung um mindestens 3,2 Tonnen zu unterschreiten. Die SF6-Produzenten und –Vertreiber sowie die Hersteller und Anwender von SF6-Schaltgeräten und –anlagen stellen dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) die für ihre Arbeit erforderlichen statistischen Daten zur Verfügung. Aus den Daten wird jährlich ein SF6-Monitoring erstellt, das Auskunft über die Verwendung von SF6 im Bereich elektrischer Schaltgeräte und Anlagen in der Schweiz gibt. Swissmem koordiniert das freiwillige Branchenengagement. Auch an alternativen Gasen wird intensiv geforscht. Zur Zeit werden vielversprechende Alternativprodukte, wie zum Beispiel fluorierte Nitrile bzw. Ketone oder neue Vakuum- bzw. Reinluft-Technologien im Betrieb getestet.

Quellen: Richtlinie zum Umgang mit SF6 in den Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen Schwefelhexafluorid in der heutigen Energieversorgung, Sonderdruck aus etz 7/96 (Siemens) und Artikel David Gautschi, Karsten Pohlink (Branche Schaltanlagen)

Seit 1960 wird SF6 als Isoliergas in der Mittel- und Hochspannungstechnik eingesetzt wie beispielsweise in gasisolierten Schaltanlagen, in Hochspannungsschaltern und bei gasisolierten Rohrleitern in komplett gekapselten Anlagen mit Betriebsspannungen von 6 kV bis 800 kV. Aufgrund der ausgeprägt guten Isoliereigenschaften von SF6 können Innenraum-Schaltanlagen gebaut werden, die um einiges weniger Platz brauchen, als die herkömmlichen luftisolierten Freiluftanlagen. Auch die Einflüsse von Witterung, Vögel oder Nagetieren werden dadurch vermieden. Zudem ist das farb- und geruchslose Gas unter normalen Bedingungen ungiftig. Es ist unbrennbar und verhält sich ähnlich wie Stickstoff reaktionsträge.