Startschuss für die Kabelbergung

Versorgungssicherheit

Startschuss für die Kabelbergung

Nun geht es los: EKZ steckt mitten in den Vorbereitungen für die Bergung der 80-jährigen Kabel im Zürichsee zwischen Wädenswil und Männedorf. Im August wird dann das neue, stärkere Kabel verbaut.

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Der Startschuss für den Ersatz der beiden 80-jährigen Seekabel zwischen Wädenswil und Männedorf ist gefallen. Die beiden Kabel quer durch den Zürichsee werden dem gestiegenen Strombedarf und den hohen Anforderungen an die Versorgungssicherheit nicht mehr gerecht. EKZ ersetzt die alten Haftmassekabel deshalb durch ein neues, leistungsstärkeres 16-Kilovolt-Kabel. Die Vorarbeiten für die Verstärkung laufen bereits seit einiger Zeit: Auf einigen Teilstücken auf beiden Seiten des Sees wurden verstärkte Mittelspannungskabel verlegt. Anfang Monat erhielt auch das Teilstück zwischen der Transformatorenstation Staubenweidli und der Trafostation Seeweg in Wädenswil ein neues, stärkeres Mittelspannungskabel.

Die ersten Meter in der Uferzone werden Rohre in den Untergrund gebohrt, hier sichtbar markiert entlang den Bojen.
Die ersten Meter in der Uferzone werden Rohre in den Untergrund gebohrt, hier sichtbar markiert entlang den Bojen.
Die Kabel verlaufen in etwa 10 Metern Tiefe und treten erst im See aus dem Untergrund aus. Im Vordergrund ist das Bohrloch zu sehen.
Die Kabel verlaufen in etwa 10 Metern Tiefe und treten erst im See aus dem Untergrund aus. Im Vordergrund ist das Bohrloch zu sehen.
Früher wurden die Kabel in Ufernähe in Gräben verlegt, mit vollen Zementsäcken bedeckt und anschliessend mit Erde zugeschüttet.
Früher wurden die Kabel in Ufernähe in Gräben verlegt, mit vollen Zementsäcken bedeckt und anschliessend mit Erde zugeschüttet.
Auch waren damals einige starke Männer vonnöten, um die schweren Kabelstränge zu verlegen. Heute nimmt man hierfür Maschinen zu Hilfe.
Auch waren damals einige starke Männer vonnöten, um die schweren Kabelstränge zu verlegen. Heute nimmt man hierfür Maschinen zu Hilfe.
Nicht nur für EKZ, auch für den Projektleiter Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl, ein einmaliges Projekt.
Nicht nur für EKZ, auch für den Projektleiter Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl, ist der Seekabelersatz ein einmaliges Projekt.

Spülbohrung am Ufer

Spannend sind derzeit die Arbeiten am Wasser, denn im Uferbereich werden die Rohre für das Kabel nicht konventionell in einen Graben gelegt und dann wieder zugeschüttet. Stattdessen werden die ersten etwa 50 Meter in Wädenswil und 150 Meter in Männedorf in den See hinaus gebohrt. «Dank dieser Spülbohrung können wir die Auswirkungen auf die Vegetation in der Uferzone reduzieren», erklärt Beat Kropf, Projektleiter und Leiter der EKZ-Netzregion Sihl. «Hinzu kommt, dass der Uferbereich in Männedorf als archäologische Zone gilt. Würden wir die Leerrohre konventionell verlegen, könnte dies den Untergrund schädigen.» Die Leerrohre aus der Spülbohrung treten also erst auf einer Seetiefe von etwa 10 bis 12 Metern aus dem Untergrund aus. Quer durch den See liegen die Kabel gebündelt, aber offen auf dem Seegrund. Das Kabelbündel besteht übrigens aus zwei Kabeln: einem leistungsstarken 16-Kilovolt-Kabel sowie einem Glasfaserkabel für die Kommunikation zwischen den beiden Unterwerken. «Diese Kabel wiegen etwa 11 Tonnen pro Leiter, was einem Gesamtgewicht von rund 33 Tonnen entspricht. Sie werden über die Jahre etwas in den Untergrund einsinken», führt Kropf aus.

Bergung mit Tücken

Das geschah auch mit den alten Kabeln, die seit 80 Jahren im See liegen. Teilweise konnten die Kabel weder vom Echolot noch von Tauchern exakt geortet werden. Es ist wohl eine beachtliche Sedimentschicht, die die alten Kabel überzieht. Deshalb sind sie in den Bergungsplänen bloss ungefähr anhand von Schätzungen entlang von Vegetationsverläufen und Strömungen eingezeichnet. Für die Bergung ist das aber noch das kleinere Problem: In den Tiefen des Zürichsees befinden sich nicht nur die Seekabel von EKZ. Zahlreiche Trinkwasserleitungen und eine Wärmepumpenleitung wurden ungefähr an ähnlicher Stelle verlegt. Die meisten dieser Leitungen kamen nach den Stromkabeln von EKZ in den See. Es ist möglich, dass diese Leitungen die Stromkabel kreuzen. Eine Tauchertruppe begleitet darum die Arbeitsplattform, von welcher aus die Kabel an die Wasseroberfläche gehoben werden. Wo andere Leitungen in der Nähe der Kabel vermutet werden, tauchen sie ab. Kreuzt eines der Kabel eine andere Leitung, zerschneiden sie das Seekabel, versiegeln es und bergen danach die einzelnen Teile. Projektleiter Kropf bestätigt: «Die Bergung birgt tatsächlich einige Risiken, aber wir sind eigentlich auf alle vorbereitet. Das macht das Unterfangen ja auch derart interessant.» Für ihn ist klar: So ein Projekt erlebt die EKZ-Netzregion Sihl, eine von vier Regionen, in die das EKZ-Versorgungsgebiet aufgeteilt ist, nur einmal. «Für mich ist es jedenfalls eine einmalige Erfahrung.»

1940 hat EKZ zwei Mittelspannungskabel von Wädenswil nach Männedorf gelegt, um die Region am rechten Zürichseeufer vom Unterwerk Wädenswil aus mit Strom zu versorgen. Heute, fast 80 Jahre später, werden die alten Leitungen dem gestiegenen Strombedarf und den hohen Anforderungen an die Versorgungssicherheit nicht mehr gerecht: EKZ plant, die alten Haftmassekabel durch ein neues, leistungsstärkeres 16-kV-Seekabel zu ersetzen. Die Leitung durch den Zürichsee dient dabei der sogenannten redundanten Versorgung: So erhalten die Bewohner der Region Stäfa im Normalfall Strom vom Unterwerk Stäfa. Fällt dieses aus, kann die Region durch Umschalten unter anderem über das Seekabel von Wädenswil her versorgt werden. «Das redundante Netz ist ein wichtiges Instrument für die Versorgungssicherheit im Kanton Zürich», erklärt Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl und Projektleiter für die Seekabelbergung bei EKZ.

Anzahl alte Seekabel: 2
Alter: Aus dem Jahr 1940
Gewicht: je 48 Tonnen
Länge: je 3,3 Kilometer
Anzahl neue Seekabel: 1 (ein Bündel bestehend aus drei Einleiter-Mittelspannungs- und einem Kommunikationskabel)

Mitte Mai 2020: Spülbohrungen auf beiden Seiten
Anfang Juni 2020: Freilegen der Kabel auf beiden Seiten
Mitte Juni 2020: Entfernung und Entsorgung der alten Seekabel
Anfang August 2020: Lieferung und Verlegung des neuen Mittelspannungs- und des
Kommunikationskabels
Ende August 2020: Inbetriebnahme

Willy Stäubli Ing. AG mit Subunternehmer
Brugg Kabel AG