Ein Leerrohr auf Reisen

Versorgungssicherheit

Ein Leerrohr auf Reisen

Das neue Seekabel zwischen Männedorf und Wädenswil verläuft einmal quer durch den Zürichsee. In den Uferzonen wird das Kabel durch ein Leerrohr geschützt. Ein spezieller Bohrer bereitete den Tunnel vor und zog das Rohr anschliessend ein. Doch die Vorarbeiten hatten ihre Tücken.

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Trotz der frühen Zeit am Morgen standen ein paar Neugierige am Seeufer in Männedorf und beobachteten interessiert das Geschehen. Denn was da passierte, sieht man nicht jeden Tag: Weit draussen im See näherte sich ein motorisierter Weidling, im Schlepptau ein über 200 Meter langes Rohr, das leichte Wellen warf. Eine Seeschlange im Zürichsee?

Das Kabelschutzrohr wird in Feldbach vom Feldweg...
Das Kabelschutzrohr wird in Feldbach vom Feldweg...
in den Zürichsee hinaus gezogen.
in den Zürichsee hinaus gezogen.
Das Rohr ist in Männedorf angekommen und wird zwischenzeitlich am Ponton fixiert.
Das Rohr ist in Männedorf angekommen und wird zwischenzeitlich am Ponton fixiert.
Die Taucher bereiten sich für ihren Einsatz vor.
Die Taucher bereiten sich für ihren Einsatz vor.
Nicht nur für EKZ, auch für den Projektleiter Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl, ein einmaliges Projekt.
Nicht nur für EKZ, auch für den Projektleiter Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl, ist der Seekabelersatz ein einmaliges Projekt.

Das Rohr war in den Tagen zuvor aus etwa 10 Meter langen Einzelstücken in Feldbach verschweisst worden. In Feldbach deshalb, weil am Zielort in Männedorf schlicht kein Platz war für ein derart langes Rohr. In Feldbach lag die fertige «Seeschlange» dann am Mittwochmorgen entlang des Feldwegs von der Baumschule zum See auf Rollen bereit, in den See gezogen zu werden. Mithilfe des Zugs vom Weidling und unter leichter Anschubhilfe eines kleinen Baggers glitt das Rohr dann pünktlich um acht Uhr morgens ins Wasser und trat seine Reise an nach Männedorf.

Bohrung in der Uferzone

Derweil bereitete die Bohrfirma Schenk in Männedorf den Bohrer vor. Die Bohrmaschine hatte in den Wochen zuvor eine so genannte Spülbohrung vorgenommen: Vom Ufer aus bis etwa 150 Meter in den See hinaus erstellte der Bohrer ein Tunnel, in welches das in Feldbach gefertigte Schutzrohr nun zu liegen kommen sollte. Die Bohrung war nicht ganz ohne gewesen, hatte der Bohrkopf doch das eine oder andere unerwartete Hindernis im Untergrund angetroffen, unter anderem Betonblöcke. «Aber Überraschungen sind bei einer solchen Bohrung völlig normal», zeigte sich der Projektleiter und Leiter der Netzregion Sihl bei EKZ, Beat Kropf, entspannt. Die Bohrung war nötig, weil so die Auswirkungen auf die Vegetation in der Uferzone reduziert werden konnten. Ausserdem gilt der Uferbereich in Männedorf als archäologische Zone. Der Bohrer kam dann auch zum Einsatz, um das Leerrohr vom Austritt des Bohrlochs in etwa 12 Metern Tiefe und etwa 150 Meter vom Ufer entfernt an den Anschlusspunkt am Ufer zurückzuziehen. Hierfür entfernte die Bohrfirma Schenk den Bohrkopf und ersetzte ihn durch einen Aufsatz, der den Tunnel gleichzeitig etwas aufweiten sollte. Daran brachten Taucher der Wasserbaufirma Stäubli, die künftig auch für die Kabelbergung und die Verlegung der neuen Kabel verantwortlich zeichnet, das Schutzrohr an. Vom Ufer aus zog die Bohrmaschine dann den Kopf durchs Loch wieder zurück. Langsam, aber kontinuierlich verschwand das schwarze Kunststoffrohr im Untergrund. Nun wartet es darauf, bis im August die neuen Kabel eingezogen werden.

Abschluss der Vorbereitungsarbeiten

Auf der Wädenswiler Seite war zuvor dasselbe geschehen. Da dort das Ufer aber deutlich steiler abfällt, waren die Bohrung über 50 Meter und der Einzug der Leerrohre im Vergleich zu Männedorf eine schnelle und unkomplizierte Angelegenheit. Mit dem Einzug der Schutzrohre an beiden Ufern und den Kabelverstärkungen bei den Trafostationen auf beiden Seiten des Sees sind die Vorbereitungsarbeiten für den Kabelersatz somit abgeschlossen. Im nächsten Schritt werden Mitte Juni die 80-jährigen alten Kabel geborgen, was bestimmt auch die eine oder andere Überraschung mit sich bringen wird. Ab August werden dann die neuen Kabel verlegt. Wir berichten laufend.  

1940 hat EKZ zwei Mittelspannungskabel von Wädenswil nach Männedorf gelegt, um die Region am rechten Zürichseeufer vom Unterwerk Wädenswil aus mit Strom zu versorgen. Heute, fast 80 Jahre später, werden die alten Leitungen dem gestiegenen Strombedarf und den hohen Anforderungen an die Versorgungssicherheit nicht mehr gerecht: EKZ plant, die alten Haftmassekabel durch ein neues, leistungsstärkeres 16-kV-Seekabel zu ersetzen. Die Leitung durch den Zürichsee dient dabei der sogenannten redundanten Versorgung: So erhalten die Bewohner der Region Stäfa im Normalfall Strom vom Unterwerk Stäfa. Fällt dieses aus, kann die Region durch Umschalten unter anderem über das Seekabel von Wädenswil her versorgt werden. «Das redundante Netz ist ein wichtiges Instrument für die Versorgungssicherheit im Kanton Zürich», erklärt Beat Kropf, Leiter Netzregion Sihl und Projektleiter für die Seekabelbergung bei EKZ.

Anzahl alte Seekabel: 2
Alter: Aus dem Jahr 1940
Gewicht: je 48 Tonnen
Länge: je 3,3 Kilometer
Anzahl neue Seekabel: 1 (ein Bündel bestehend aus drei Einleiter-Mittelspannungs- und einem Kommunikationskabel)

Mitte Mai 2020: Spülbohrungen auf beiden Seiten
Anfang Juni 2020: Freilegen der Kabel auf beiden Seiten
Mitte Juni 2020: Entfernung und Entsorgung der alten Seekabel
Anfang August 2020: Lieferung und Verlegung des neuen Mittelspannungs- und des
Kommunikationskabels
Ende August 2020: Inbetriebnahme

Schenk AG
Willy Stäubli Ing. AG
Brugg Kabel AG