Zwischen sanftem Lüftchen und steifer Brise

Seit Frühling laufen die Windmessungen von Zürich Wind in Wiesendangen, Rickenbach und Ossingen. Das Ziel: Prüfen, ob sich ein Windenergieprojekt an den Standorten lohnt. Im Interview spricht Projektleiter Simon Blättler über erste Erkenntnisse, den Austausch mit der Bevölkerung und die nächsten Schritte auf dem langen Weg zu einem möglichen Windenergieprojekt.

Viviane Ammann
20. Juli 2026
Artikel teilen
Ihm geht nicht so schnell die Puste aus: Projektleiter der Windmesskampagne Simon Blätter beim Windmessmast in Ossingen. Foto: Caroline Fink

Simon Blättler, wie sind die Windmessungen angelaufen?

Wir sind sehr zufrieden. Die Bewilligungsprozesse mit der Aviatik und den kantonalen Behörden waren gut organisiert. Auch die Installation der Messmasten verlief reibungslos und besonders erfreulich ist die Qualität der Messdaten. Zürich Wind ist schweizweit der erste Projektentwickler, der diese bereits während der Erhebungsphase laufend veröffentlicht. Damit unterstreichen wir, dass unsere oft betonte Dialogbereitschaft mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Und es lohnt sich: Die Bevölkerung nutzt dieses Informationsangebot.

Sie sprechen den Dialog an. Windenergie ist ein kontroverses Thema. Wie steht es um die Akzeptanz?

Wir fokussieren unsere Aktivitäten auf Gemeinden, die für Windenergie grundsätzlich offen sind. Entsprechend verläuft der Austausch mit der Bevölkerung bisher konstruktiv. Neben wohlwollenden Rückmeldungen erhalten wir aber auch kritische. Windenergieanlagen sind sichtbar und stellen einen Eingriff in die Umwelt dar – das weckt Emotionen. Deshalb binden wir die Bevölkerung eng in die Projektentwicklung ein mit der Absicht, Ängste frühzeitig aufzufangen. Die Ablehnung beruht oft auf Vorurteilen. Mit wachsendem Verständnis für Zusammenhänge und Technologie steigt auch die Akzeptanz.

Mit wachsendem Verständnis für Zusammenhänge und Technologie steigt auch die Akzeptanz

Zurück zu den Messungen: Für Windenergie braucht es bekanntlich genügend Wind. Lässt sich bereits eine Prognose abgeben?

An allen drei Standorten treten Windgeschwindigkeiten auf, bei denen eine Nutzung zur Energieproduktion möglich wäre. Entscheidend ist, wie häufig diese Windverhältnisse vorkommen. Interessant sind für uns Geschwindigkeiten ab etwa 4,5 Metern pro Sekunde. Für die Standortbeurteilung ist aber nicht der Jahresdurchschnitt ausschlaggebend, sondern wie viel Energie über ein Jahr produziert werden kann. Bläst der Wind zeitweise lebhafter mit 10 Metern pro Sekunde, ist das mit Blick auf die Produktion günstiger als konstant moderate Windgeschwindigkeiten.

Nicht der Jahresdurchschnitt zählt, sondern wie viel Energie über ein Jahr produziert werden kann

Über Zürich Wind

Zürich Wind Zürich Wind ist die Kooperation von EKZ, ewz und Stadtwerk Winterthur zur Nutzung von Windenergie im Kanton Zürich. Derzeit führt Zürich Wind in den Gemeinden Wiesendangen, Rickenbach und Ossingen umfassende Windmessungen durch. Die drei Standorte gelten als mögliche Flächen für Windenergieanlagen und sind für die Aufnahme in den kantonalen Richtplan vorgesehen.

In Ossingen hat in unmittelbarer Nähe auch ein anderer Projektentwickler einen Windmessmast aufgestellt. Was bedeutet das für Zürich Wind?

Zunächst hat uns das erstaunt. Parallele Messungen senken die Akzeptanz in der Bevölkerung eher und sind folglich nicht im Sinn der Sache. Gleichzeitig sind geeignete Windenergiestandorte im Kanton Zürich begrenzt, entsprechend findet ein gewisser Wettbewerb statt. Dass in Ossingen nun gleichzeitig zwei Messungen stattfinden, deutet auf das grosse Potenzial dieses Gebiets hin.

So läuft die Installation eines Windmessmasts ab
Zürich Wind hat in den Zürcher Gemeinden Wiesendangen, Rickenbach und Ossingen einen je 125 Meter hohen Windmessmast errichtet, um damit das Potenzial für die Nutzung von Windenergie zu untersuchen.
Foto: Caroline Fink
Montiert wurden die Masten entweder mit einem Kletterkran...
Foto: Caroline Fink
... oder – falls die Installation vom Boden her kommend nicht möglich ist – auch per Helikopter.
Foto: Caroline Fink
Von den Kletterern auf der Mastspitze ist Schwindelfreiheit gefragt: Sie sorgen dafür, dass die insgesamt 40, rund 100 Kilo schweren Stahlelementen ihren Platz finden.
Foto: Caroline Fink
Der Windmessmast ist mit unterschiedlichen Sensoren ausgestattet, um damit Daten zu Windgeschwindigkeit und -richtung sowie Luftdruck und -feuchtigkeit zu erfassen. Auch Aktivitäten von Fledermäusen werden aufgezeichnet.
Foto: Caroline Fink
Die Windmessungen an den drei Standorten dauern mindestens ein Jahr. Anhand der gesammelten Daten kann beurteilt werden, ob sich ein Windenergieprojekt am Standort lohnt.
Foto: Caroline Fink

Wie geht Zürich Wind mit der Konkurrenz um?

Wir konzentrieren uns darauf, unsere Projekte professionell, sorgfältig und korrekt voranzutreiben. Von der Konkurrenz lassen wir uns nicht beirren. Am Ende zählt, dass anhand der Messungen eine faktenbasierte Grundlage für das weitere Vorgehen entsteht.

Die Messungen dauern mindestens ein Jahr. Wie geht’s danach weiter?

Ein unabhängiger Windgutachter wird die Windmessdaten auswerten und mit historischen Wetterdaten abgleichen. So kann etwa ein besonders windreiches oder windarmes Jahr richtig eingeordnet werden. Sind die Windverhältnisse ausreichend für einen wirtschaftlichen Betrieb, prüfen wir in einer nächsten Studie die technische und umweltverträgliche Machbarkeit eines Windparks. Das sind weitere, mehrjährige Etappen. Mit den aktuellen Windmessungen stehen wir also noch ganz am Anfang eines langen Prozesses.

Wir stehen noch am Anfang eines langen Prozesses

Für Windenergieprojekte braucht es einen langen Atem. Wie geht Ihnen bei Ihrer Arbeit nicht die Puste aus?

Ich bin davon überzeugt, dass die Energiewende und das Setzen auf erneuerbare Energiequellen die richtige Strategie für unsere Zukunft sind. Viele heute etablierte Technologien hatten anfangs einen schweren Stand – so auch die Photovoltaik. Heute ist sie eine wichtige Energiequelle. Nun müssen wir auch der Windenergie durch diese Phase helfen. Da gilt es: dranbleiben, dranbleiben und nochmals dranbleiben.  

Zur Website von Zürich Wind