Zusätzliche 80 Megawatt fürs Limmattal

Unterwerk Oberengstringen

Zusätzliche 80 Megawatt fürs Limmattal

Das Limmattal boomt. Davon zeugen intensive Bautätigkeiten, welche sich hier über die vergangenen Jahre entfaltet haben. Immer mehr Unternehmen siedeln sich im Gebiet an. Darunter ein Rechenzentrum, das einen enormen Energiebedarf mit sich bringt. Auch die Limmattalbahn will zukünftig zuverlässig mit Strom versorgt werden. EKZ hat deswegen vorgesorgt: Seit Juli 2020 steht in Oberengstringen ein neues Unterwerk bereit und wird bis kommenden Februar sukzessive in Betrieb genommen. Energetisch sind die Weichen in eine blühende Zukunft im Limmattal gestellt.

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Hans-Peter Häberli ist Leiter Bau & Anlagen bei EKZ

Wir konnten kürzlich mit Hans-Peter Häberli über das Bauprojekt des Unterwerks Oberengstringen sprechen und haben ihn zu den Herausforderungen befragt, welchen das EKZ-Team dabei begegnet ist. 

In einem Unterwerk erfolgt die Umspannung elektrischer Energie. In diesem Fall übernimmt EKZ den Strom mit einer Spannung von 110 Kilovolt (kV) vom Hochspannungsnetz der Axpo. Mittels zwei 40-Megawatt-Transformatoren erfolgt die Umspannung der Energie auf 16 Kilovolt. Anschliessend wird der Strom über 16-kV-Leitungen im Boden an Transformatorenstationen weitergeleitet, wo der Strom erneut heruntertransformiert wird und schlussendlich übers 400-Volt-Netz zu den Endverbrauchern, z.B. Wohnsiedlungen, feinverteilt wird.
 

Herr Häberli, warum benötigt das Limmattal ein neues Unterwerk?

Wir verzeichneten über die vergangenen Jahre im Limmattal generell starke Lastzunahmen. Zukünftig wird der Energiebedarf durch die Limmattalbahn und die Ansiedlung eines Rechenzentrums in der Region zusätzlich stark getrieben. Das Unterwerk Schlieren, welches bisher die Region mit Energie versorgte, muss daher entlastet werden. Seine Kapazität würde schon bald nicht mehr ausreichen.

Welche Gemeinden werden neu durch das Unterwerk Oberengstringen versorgt?

Neu werden Ober- und Unterengstringen, Weiningen und Teile von Schlieren vom Unterwerk Oberengstringen versorgt. 

Wie ist es im Netz eingebunden?

Ein Unterwerk ist immer durch zwei unabhängige Leitungen ans Hochspannungsnetz angeschlossen. Dies stellt sicher, dass die Region auch dann mit Strom versorgen kann, wenn eine Leitung ausfällt oder ein Transformator ausgeschaltet werden muss. Zurzeit ist die Anlage erst übers Unterwerk Schlieren am 110-Kilovolt-Netz der Axpo angebunden. Dies durch eine Kabelleitung, die im Boden unter der Limmat hindurchführt. Anfangs 2021 erfolgt dann der Zweitanschluss ab Regensdorf ans Hochspannungsnetz der Axpo.

Wie gross ist das Risiko eines solchen Transformatorausfalls?

Sehr gering. Trotzdem kommt es immer mal wieder vor, dass der Schutzmechanismus auslöst. Darum sind auch die Trafos jeweils mindestens doppelt vorhanden. In diesem Fall sind es zwei 40-Megawatt-Transformatoren. Beide laufen im Normalbetrieb mit höchstens der halben Leistung. Wenn dann ein Trafo kurzfristig ausfällt, übernimmt der andere sofort die volle Last. Darum bemerkt man einen solchen Ausfall als Endverbraucher in der Regel auch nicht.
 

Einer der beiden 40-Megawatt-Transformatoren des Unterwerks Oberengstringen

Mit welchen Herausforderungen ist der Bau eines Unterwerks verbunden?

Neben den bau- und anlagetechnischen Herausforderungen ist es in Ballungszentren immer schwierig, in der geforderten kurzen Zeit ein Grundstück für den Neubau eines Unterwerks zu finden. Dieses Mal konnten wir zum Glück von der Betreiberfirma des erwähnten Rechenzentrums einen Teil ihres Areals abkaufen, was uns einiges an Überzeugungsarbeit kostete. Auch die Bewilligungen für den Bau des Unterwerks und vor allem für die Zu- und Ableitungen benötigten sehr viel Zeit und Ausdauer.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie hier zu kämpfen?

Zum einen musste auf sehr engem Raum gebaut werden - direkt neben der Limmat, wo der Boden auch eher suboptimal ist. Wirklich stark herausgefordert haben uns dann die Zuleitungen, die mittels Spülbohrungen unter der Limmat und der Autobahn hindurch erstellt wurden. Hier mussten wir mehrfach ansetzen.

Was war das Problem?

Es ist grundsätzlich schon eine grosse Herausforderung, einen Fluss und eine Autobahn zu untergraben und dann auch noch punktgenau am richtigen Ort aufzutauchen. Aus Platzgründen konnten wir nicht von der Oberengstringer Seite aus ansetzen, was vielleicht einfacher gewesen wäre. Während den Bohrungen sind wir wiederholt zu Stellen vorgedrungen, an denen der Bohrkopf stecken geblieben ist. Dabei ging sogar ein Bohrkopf verloren, obwohl die Mitarbeiter der Bohrfirma noch versuchten, ihn auszugraben. Auch mussten wir aufpassen, dass wir das Fundament des Unterwerks nicht untergraben. Sonst hätten wir es womöglich destabilisiert. Aber schliesslich ist es doch gelungen die Rohre für die Kabelleitungen richtig zu platzieren. Die Leitungen verlaufen nun mehr als 10 Meter unterhalb des Grunds der Limmat. Die Bauzeit wurde durch diese Probleme wesentlich verlängert und die Kosten wurden in die Höhe getrieben.

Die Rettung des Bohrkopfs musste abgebrochen werden
Die Leitungen fanden trotzdem ihren Weg unter Limmat und Autobahn hindurch ins Unterwerk

Warum baut man ein Unterwerk nicht grundsätzlich unterirdisch?

Weil alles wesentlich teurer würde – im Bau, wie auch im Unterhalt. Ein unterirdisches Unterwerk zu bauen kostet je nach Baugrund ca. 4-5 Mal mehr. Im Falle des Unterwerks Oberengstringen reden wir, so wie es jetzt gebaut ist, von total ca. 8,5 Millionen Franken, ohne die Leitungsbauten. Nun kann man sich ausrechnen, was dies für die Energiepreise bedeuten würde, wenn wir alle 40 EKZ-Unterwerke unterirdisch verbauen müssten. EKZ hat neben der Gewährleistung der Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit auch den gesetzlichen Auftrag, den Kanton Zürich möglichst wirtschaftlich mit Strom zu versorgen.

Funktioniert nun alles wie geplant?

Das Unterwerk ist nun voll betriebsbereit, ja. Wie gesagt ist es nun aber erst via Schlieren am 110-kV-Hochspannungsnetz angeschlossen. Über die kommenden Monate werden die 16-kV-Leitungen schrittweise ans neue Unterwerk angeschlossen. Und bis Februar erfolgt der Zweitanschluss ans Hochspannungsnetz ab dem Unterwerk Regensdorf.

Verfügt das Limmattal nun über ausreichend Kapazität für die Zukunft?

Das Zürcher Limmattal wird nun durch die drei Unterwerke Schlieren, Dietikon und Oberengstringen versorgt. Damit sind wir sehr gut gewappnet für den stetig wachsenden Energiebedarf in der Region.

Das Unterwerk Oberengstringen bedient zukünftig den gestiegenen Energiebedarf im Limmattal