Zählen, sortieren, auswerten

Der erste Versuchssommer ist vorbei, nun geht es ans Zählen und Sortieren der Insekten. Erste Trends zeichnen sich ab, welchen Einfluss Licht auf nachtaktive Insekten hat. Sicher ist: Am besten wärs für sie ganz dunkel.

Anja Rubin
16. November 2021
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Die beiden Forscherinnen Sina Sohneg und Julia Kappeler sind ganz in ihre Arbeit vertieft. Sie leeren den Inhalt der Falle von einer Nacht in einen Behälter, spülen auch noch den letzten Rest an Biomasse aus dem Teefilter und beginnen mit dem Sortieren und Zählen der Insekten. Auf einer Papierliste tragen sie die Anzahl je nach Gattung oder Klasse ein. «Am Anfang hatte ich keine Ahnung von der Insektenbestimmung», gibt Sina Sohneg unumwunden zu. Sie schreibt ihre Masterarbeit zum Einfluss von Licht auf nachtaktive Insekten und wurde innert zwei Wochen regelrecht zur Expertin. «Am Anfang war ich allein schon überfordert von den schieren Mengen der Insekten.» In den zehn Wochen, in denen die Fallen an den drei Versuchsstandorten in Betrieb waren, haben sich etwa 3900 Proben angesammelt. Jede davon enthält wiederum um die 200 Insekten. Da gibt es einiges zu zählen und zu bestimmen. 

Die beiden Forscherinnen Sina Sohneg und Julia Kappeler sind ganz in ihre Arbeit vertieft. Sie leeren den Inhalt der Falle von einer Nacht in einen Behälter, spülen auch noch den letzten Rest an Biomasse aus dem Teefilter und beginnen mit dem Sortieren und Zählen der Insekten. Auf einer Papierliste tragen sie die Anzahl je nach Gattung oder Klasse ein. «Am Anfang hatte ich keine Ahnung von der Insektenbestimmung», gibt Sina Sohneg unumwunden zu. Sie schreibt ihre Masterarbeit zum Einfluss von Licht auf nachtaktive Insekten und wurde innert zwei Wochen regelrecht zur Expertin. «Am Anfang war ich allein schon überfordert von den schieren Mengen der Insekten.» In den zehn Wochen, in denen die Fallen an den drei Versuchsstandorten in Betrieb waren, haben sich etwa 3900 Proben angesammelt. Jede davon enthält wiederum um die 200 Insekten. Da gibt es einiges zu zählen und zu bestimmen. 

Die beiden Forscherinnen Julia Kappeler...
Die beiden Forscherinnen Julia Kappeler...
Foto: Anja Rubin
und Sina Sohneg zählen, sortieren und klassifizieren die unzähligen Insekten,
und Sina Sohneg zählen, sortieren und klassifizieren die unzähligen Insekten,
Foto: Anja Rubin
Es sind etwa 3900 Proben aus Flug- und Bodenfallen, die über die Sommermonate zusammenkamen und nun in akribischer Arbeit ausgewertet werden.
Es sind etwa 3900 Proben aus Flug- und Bodenfallen, die über die Sommermonate zusammenkamen und nun in akribischer Arbeit ausgewertet werden.
Foto: Sina Sohneg, WSL
Die Fallen standen an drei Orten im Einsatz, die sonst kaum bis gar kein Kunstlicht kennen.
Die Fallen standen an drei Orten im Einsatz, die sonst kaum bis gar kein Kunstlicht kennen.
Foto: Janine Bolliger, WSL
Die sortierten Insekten lagern in Kisten und stehen Forschenden auch für weitere Auswertungen zur Verfügung.
Die sortierten Insekten lagern in Kisten und stehen Forschenden auch für weitere Auswertungen zur Verfügung.
Foto: Anja Rubin

Es sind drum kistenweise Insekten, die in jenen Herbsttagen im Büro der beiden Forscherinnen lagern. Die Kisten stapeln sich zu Türmen an der Rückwand des kleinen Büros in einem pavillonartigen Nebengebäude an der WSL, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Auf der anderen Seite des vielleicht 15 Quadratmeter grossen Raumes befinden sich die Behälter mit dem sortierten Material. Die Insekten – Mücken, Fliegen, Käfer etc. – befinden sich bereits klassifiziert in Behältern mit Ethanol und warten darauf, in den kühlen Keller verschoben zu werden. Sie werden für weitere Auswertungen im Rahmen von anderen Studien noch einmal gebraucht werden.

Bereits drittes Forschungsprojekt von EKZ und WSL

Die beiden Frauen arbeiten an der Auswertung eines neuen Feldversuchs, den die WSL gemeinsam mit EKZ, den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich, seit diesem Sommer durchführt. Um die Erkenntnisse aus zwei früheren gemeinsamen Studien zu vertiefen, installierten die beiden Partner an drei Standorten, die sonst nur wenig bis kein Kunstlicht kennen, Leuchten mit Fallen. Da standen also beispielsweise Lampen auf der Lägeren mitten im Wald und beleuchteten den Waldboden. Sie taten dies in unterschiedlicher Helligkeit und Lichtfarbe; die einen Leuchten waren ausserdem mit einem so genannten Diffusor versehen, der das Licht in die Umgebung streut. Von Juni bis August füllten sich nachts die Fallen mit Insekten, die vom Licht angezogen wurden. Seit September läuft nun die Auswertung. Erste Erkenntnis: Im Wald wurden mehr Insekten angelockt als in der peri-urbanen Umgebung der früheren Versuche, pro Falle bis zu zehnmal mehr. Was sagt uns das? «Entweder hat es im Wald mehr Insekten, oder die Insekten im Siedlungsgebiet sind sich einfach schon besser ans Licht gewöhnt und werden drum weniger angelockt», erklärt Julia Kappeler, die neben ihrem Masterstudium an der ETH im Projekt mitarbeitet. Zweites Fakt: Dunkel ist immer besser. Denn an den Dunkelstandorten, die zum Vergleich dienten, gingen kaum Insekten in die Fallen. Weitere Tendenzen, die sich im Versuch abzeichnen: Leuchten mit Diffusor ziehen markant mehr Insekten an als solche, die nur nach unten leuchten. «Die Lichtfarbe hat dagegen bei den bis dato ausgewerteten Proben kaum Einfluss auf die Insekten», sagt Sohneg.

Verregneter Sommer beeinflusst Resultate

Für abschliessende Erkenntnisse ist es noch zu früh, zu viele Proben liegen noch unausgewertet in den Kisten. Pro Probenwoche rechnen die Forscherinnen mit mindestens zwei Wochen Analyse. Und sind die Auswertungen des Sommers 2021 abgeschlossen, geht es im nächsten Sommer auch schon wieder weiter. Der Versuch ist über drei Jahre angelegt. «Es zeigt sich, dass das eine gute Entscheidung war. Denn der Sommer 2021 war derart verregnet, dass wir gespannt sind, wie es in einem trockenen Sommer herauskommt», sagt Kappeler. Was wir aus früheren Versuchen schon wissen: Es werden dann sehr, sehr viel mehr Insekten sein, die ab dem Herbst ausgezählt und sortiert werden müssen. Denn die Witterung ist ein wichtiger Faktor in Bezug aufs Insektentreiben.

 

Es sind drum kistenweise Insekten, die in jenen Herbsttagen im Büro der beiden Forscherinnen lagern. Die Kisten stapeln sich zu Türmen an der Rückwand des kleinen Büros in einem pavillonartigen Nebengebäude an der WSL, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Auf der anderen Seite des vielleicht 15 Quadratmeter grossen Raumes befinden sich die Behälter mit dem sortierten Material. Die Insekten – Mücken, Fliegen, Käfer etc. – befinden sich bereits klassifiziert in Behältern mit Ethanol und warten darauf, in den kühlen Keller verschoben zu werden. Sie werden für weitere Auswertungen im Rahmen von anderen Studien noch einmal gebraucht werden.

Bereits drittes Forschungsprojekt von EKZ und WSL

Die beiden Frauen arbeiten an der Auswertung eines neuen Feldversuchs, den die WSL gemeinsam mit EKZ, den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich, seit diesem Sommer durchführt. Um die Erkenntnisse aus zwei früheren gemeinsamen Studien zu vertiefen, installierten die beiden Partner an drei Standorten, die sonst nur wenig bis kein Kunstlicht kennen, Leuchten mit Fallen. Da standen also beispielsweise Lampen auf der Lägeren mitten im Wald und beleuchteten den Waldboden. Sie taten dies in unterschiedlicher Helligkeit und Lichtfarbe; die einen Leuchten waren ausserdem mit einem so genannten Diffusor versehen, der das Licht in die Umgebung streut. Von Juni bis August füllten sich nachts die Fallen mit Insekten, die vom Licht angezogen wurden. Seit September läuft nun die Auswertung. Erste Erkenntnis: Im Wald wurden mehr Insekten angelockt als in der peri-urbanen Umgebung der früheren Versuche, pro Falle bis zu zehnmal mehr. Was sagt uns das? «Entweder hat es im Wald mehr Insekten, oder die Insekten im Siedlungsgebiet sind sich einfach schon besser ans Licht gewöhnt und werden drum weniger angelockt», erklärt Julia Kappeler, die neben ihrem Masterstudium an der ETH im Projekt mitarbeitet. Zweites Fakt: Dunkel ist immer besser. Denn an den Dunkelstandorten, die zum Vergleich dienten, gingen kaum Insekten in die Fallen. Weitere Tendenzen, die sich im Versuch abzeichnen: Leuchten mit Diffusor ziehen markant mehr Insekten an als solche, die nur nach unten leuchten. «Die Lichtfarbe hat dagegen bei den bis dato ausgewerteten Proben kaum Einfluss auf die Insekten», sagt Sohneg.

Verregneter Sommer beeinflusst Resultate

Für abschliessende Erkenntnisse ist es noch zu früh, zu viele Proben liegen noch unausgewertet in den Kisten. Pro Probenwoche rechnen die Forscherinnen mit mindestens zwei Wochen Analyse. Und sind die Auswertungen des Sommers 2021 abgeschlossen, geht es im nächsten Sommer auch schon wieder weiter. Der Versuch ist über drei Jahre angelegt. «Es zeigt sich, dass das eine gute Entscheidung war. Denn der Sommer 2021 war derart verregnet, dass wir gespannt sind, wie es in einem trockenen Sommer herauskommt», sagt Kappeler. Was wir aus früheren Versuchen schon wissen: Es werden dann sehr, sehr viel mehr Insekten sein, die ab dem Herbst ausgezählt und sortiert werden müssen. Denn die Witterung ist ein wichtiger Faktor in Bezug aufs Insektentreiben.

 

Die Forschungsprojekte von WSL und EKZ im Überblick

Versuch 2017: Insekten mögens schummrig

In Urdorf und Regensdorf testeten die WSL und EKZ 2017 an mehreren Leuchten, welchen Einfluss Volllicht im Unterschied zu gedimmtem Licht auf nachtaktive Insekten und Fledermäuse hat. Eine Woche lang brannte Volllicht, eine Woche lang bedarfsorientierte Strassenbeleuchtung mit bis zu einem Drittel weniger Helligkeit. Das Fazit war: Für die beiden häufigsten Gruppen, die Käfer und Zweiflüger wie zum Beispiel Fliegen, Mücken und Schnaken, macht die Dimmung im Vergleich zum Volllicht keinen signifikanten Unterschied. Die Insekten scheinen wenig sensitiv auf Licht zu sein. Besonders empfindlich hingegen reagieren Hautflügler, wie zum Beispiel Ameisen, Bienen und Wespen, sowie Wanzen. Diese beiden Gruppen fliegen richtiggehend auf das Licht. Grundsätzlich konnte man also resümieren, dass dimmen nützt, nur bräuchte es wahrscheinlich für gewisse Gruppen noch mehr Dimmung – respektive weniger Licht.

In Urdorf und Regensdorf testeten die WSL und EKZ 2017 an mehreren Leuchten, welchen Einfluss Volllicht im Unterschied zu gedimmtem Licht auf nachtaktive Insekten und Fledermäuse hat. Eine Woche lang brannte Volllicht, eine Woche lang bedarfsorientierte Strassenbeleuchtung mit bis zu einem Drittel weniger Helligkeit. Das Fazit war: Für die beiden häufigsten Gruppen, die Käfer und Zweiflüger wie zum Beispiel Fliegen, Mücken und Schnaken, macht die Dimmung im Vergleich zum Volllicht keinen signifikanten Unterschied. Die Insekten scheinen wenig sensitiv auf Licht zu sein. Besonders empfindlich hingegen reagieren Hautflügler, wie zum Beispiel Ameisen, Bienen und Wespen, sowie Wanzen. Diese beiden Gruppen fliegen richtiggehend auf das Licht. Grundsätzlich konnte man also resümieren, dass dimmen nützt, nur bräuchte es wahrscheinlich für gewisse Gruppen noch mehr Dimmung – respektive weniger Licht.

Versuch 2019: Warmes Licht zieht weniger Insekten an

In einer zweiten Studie von EKZ und der WSL in Weiningen wurden entlang einer Quartierstrasse am Dorfrand 29 Leuchten mit drei verschiedenen Lichtfarben (1750, 3000 und 4000 Kelvin) bestückt. Ausserdem kamen zwei verschiedene Leuchtenformen (LED-Strahler und Pilzleuchten) zum Einsatz. Mit 18 Insektenfallen und mithilfe von sechs Fledermaussensoren wurde das Aufkommen dieser nachtaktiven Tiere gemessen. Als Referenz dienten zwei Fallen an Dunkelstandorten. Der Untersuchungszeitraum dauerte von Mitte Mai bis Ende August 2019. Für eine tagesscharfe Auswertung kamen von der WSL eigens für diesen Versuch entwickelte, automatisierte Insektenfallen zum Einsatz. Diese sind mit einem Schrittmotor und 7 Messbechern ausgestattet, sodass jeden Tag eine individuelle Auswertung der gefangenen Individuen möglich ist.

Die Auswertung zeigte, dass amberfarbenes Licht signifikant weniger Insekten anzieht als solches mit 3000 bis 4000 Kelvin. Auch die Leuchtenform mit Diffusor hat eine starke Anlockwirkung. Bei den Fledermäusen zeigte sich dasselbe Bild, einfach in geringerer Ausprägung.

In einer zweiten Studie von EKZ und der WSL in Weiningen wurden entlang einer Quartierstrasse am Dorfrand 29 Leuchten mit drei verschiedenen Lichtfarben (1750, 3000 und 4000 Kelvin) bestückt. Ausserdem kamen zwei verschiedene Leuchtenformen (LED-Strahler und Pilzleuchten) zum Einsatz. Mit 18 Insektenfallen und mithilfe von sechs Fledermaussensoren wurde das Aufkommen dieser nachtaktiven Tiere gemessen. Als Referenz dienten zwei Fallen an Dunkelstandorten. Der Untersuchungszeitraum dauerte von Mitte Mai bis Ende August 2019. Für eine tagesscharfe Auswertung kamen von der WSL eigens für diesen Versuch entwickelte, automatisierte Insektenfallen zum Einsatz. Diese sind mit einem Schrittmotor und 7 Messbechern ausgestattet, sodass jeden Tag eine individuelle Auswertung der gefangenen Individuen möglich ist.

Die Auswertung zeigte, dass amberfarbenes Licht signifikant weniger Insekten anzieht als solches mit 3000 bis 4000 Kelvin. Auch die Leuchtenform mit Diffusor hat eine starke Anlockwirkung. Bei den Fledermäusen zeigte sich dasselbe Bild, einfach in geringerer Ausprägung.

Versuch 2021: Einfluss von Lichtfarbe und Leuchtenform an dunklen Standorten

  • Dritte Studie von EKZ und WSL
  • 12 verschiedene Leuchten in Birmensdorf, Alpthal und Lägeren
  • 3 verschiedene Lichtfarben (1750, 3000 und 4000 Kelvin)
  • 2 verschiedene Leuchtenformen (LED-Strahler und Pilzleuchten)
  • Insektenfallen, Fledermaussensoren, Bodenfallen
  • Fallen an Dunkelstandorten als Referenz
  • Untersuchungszeitraum: Mitte Juni 2021 bis Ende August 2024, jeweils im Sommer
  • Dritte Studie von EKZ und WSL
  • 12 verschiedene Leuchten in Birmensdorf, Alpthal und Lägeren
  • 3 verschiedene Lichtfarben (1750, 3000 und 4000 Kelvin)
  • 2 verschiedene Leuchtenformen (LED-Strahler und Pilzleuchten)
  • Insektenfallen, Fledermaussensoren, Bodenfallen
  • Fallen an Dunkelstandorten als Referenz
  • Untersuchungszeitraum: Mitte Juni 2021 bis Ende August 2024, jeweils im Sommer

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