Unter Strom an der A4

Zwischen Kleinandelfingen und Winterthur wächst die Autobahn auf vier Spuren an. Während Bagger und Bohrgeräte auffahren, sichern EKZ-Spezialisten die Stromversorgung und machen das Verteilnetz fit für die Anforderungen von morgen.

Luc Descombes
22. Juni 2026
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Ein eingespieltes Team: Franc Schneider (links) und Martin Keller verantworten den Netzausbau an der A4 für EKZ. - BILDER: Herbert Zimmermann

Artikel in Kürze

  • Entlang der A4 zwischen Kleinandelfingen und Winterthur baut EKZ parallel zur Spurerweiterung das Stromnetz aus.
  • Rund 4,5 Kilometer neue Mittelspannungskabel ersetzen alte Leitungen, inklusive einer anspruchsvollen neuen Thur-Unterquerung rund 16 Meter unter dem Flussbett.
  • Das Projekt zeigt exemplarisch, wie EKZ das Zürcher Stromnetz mit jährlich über 100 Millionen Franken fit macht für die Energiezukunft.
Karte der Baustelle
Zwischen 2025 und 2029 wird die Autobahn A4 zwischen Kleinandelfingen und Winterthur Nord auf vier Spuren erweitert und umfassend erneuert. EKZ verstärkt gleichzeitig das Stromnetz.
astra.admin.ch

Ein kühler Frühlingsmorgen im Zürcher Weinland. Lastwagen donnern an der schmalen Verengung der Grossbaustelle vorbei, statt Wiesen prägen Erdwälle und freigelegtes Terrain das Bild.

 

Hier liegt ein Mittelspannungskabel, das wir im Jahr 1991 verlegt haben

 

Zwischen Kleinandelfingen und Winterthur wird die A4 zwischen 2025 und 2028 auf vier Spuren erweitert. Das schafft mehr Kapazität und Sicherheit und entlastet die umliegenden Gemeinden.

Zwei neue Spuren zeichnen sich ab
Ein Bild der Autobahn-Baustelle
Hier, zwischen Kleinandelfingen und Winterthur, wird die Weinländer Autobahn von zwei auf vier Spuren erweitert. (1/3)
BILD-SLIDESHOW
Bagger auf der Baustelle
Da, wo die Bagger aktuell das Gelände für zwei neue Autobahn-Spuren ebnen, verliefen bisher Mittelspannungsleitungen von EKZ. (2/3)
Rund 4,5 Kilometer neue Mittelspannungskabel werden hier verlegt und alte Leitungen ersetzt. (3/3)

Mitten im Trassee bleibt Martin Keller stehen, schaut über das Feld und deutet auf den Boden, wo bald eine neue Spur verlaufen wird.

«Hier liegt ein Mittelspannungskabel, das wir im Jahr 1991 verlegt haben», sagt der Netzbauleiter der EKZ-Netzregion Weinland. «Bliebe es hier, müssten wir bei Störungen die Autobahn sperren. Das ist keine Option.»

Ausbau der Autobahn A4 – das EKZ-Projekt

  • Demontage alter Stromkabel
  • Circa 4.5 km neue Mittelspannungskabel werden verlegt
  • Insgesamt drei herausfordernde Querungen der Stromleitungen: unterhalb der Thur, des SBB-Geleises sowie der Autobahn selbst
  • Projektkosten: circa 1.5 Millionen Schweizer Franken

Aluminium statt Kupfer

Darum verlegt EKZ entlang der Strecke rund 4,5 Kilometer neue Mittelspannungskabel. Ein altes Kupferkabel wird zurückgebaut und fachgerecht entsorgt.

Parallel zur neuen Autobahn entsteht so ein leistungsfähigeres Stromnetz für die hohen Anforderungen der Energiezukunft.

Franc Schneider und Martin Keller im Gespräch
Franc Schneider (r), Bauaufseher, und Martin Keller, Leiter Netzbau, stimmen sich auf der Baustelle ab.
BILD-SLIDESHOW

Was hier auf der Baustelle sichtbar wird, beginnt lange vorher am Schreibtisch. Eine vorausschauende Projektierung ist entscheidend, damit später jeder Handgriff sitzt.

«Dafür gebührt unserem Spezialisten Roman Portmann unser Dank für das grosse Engagement und seinen kühlen Kopf», sagt Bauaufseher Franc Schneider.

 

So sparen wir im EKZ-Versorgungsgebiet jährlich über eine Million Franken ein

 

Ein paar Meter weiter richtet Schneider den Blick nach vorn: «Wir ersetzen hier das alte Kupferkabel durch eines aus Aluminium.»

Der Grund dafür ist pragmatisch: «Alu ist kostengünstiger, so sparen wir im EKZ-Versorgungsgebiet jährlich über eine Million Franken ein.»

Stromleitung entlang dem Feldweg
Zugmaschine zieht Kabel durchs Rohr
Eine Zugmaschine zieht ein neues Stromkabel über 700 Meter durch ein Kabelrohr (1/4).
BILD-SLIDESHOW
Bild des Displays der Zugmaschine
Ein Mitarbeiter stellt sicher, dass der Zugwiderstand 800 kg nie überschreitet. Andernfalls könnte das Kabel beim Ziehen kaputt gehen. (2/4)
Kabel von beiden Richtung aus den Röhren
Von zwei entgegengesetzten Richtungen treffen in diesem Graben neben der Autobahn die Stromkabel aufeinander. Sie verbinden die Trafostation Bilg mit dem EKZ-Unterwerk Adlikon über eine Distanz von circa 1400 Meter. (3/4)
EKZ-Mitarbeiter ziehen die Stromkabel aus dem Kabelrohr
Die EKZ-Mitarbeiter ziehen die Stromkabel aus dem Kabelrohr. Anschliessend werden sie mit jenen Kabeln «gemufft» (verbunden), die von der gegenüberliegenden Seite her in die Grube gezogen wurden. (4/4)

Verlegt wird die neue Leitung leicht versetzt zur Autobahn, entlang des neuen Feldwegs. So bleibt sie jederzeit zugänglich. «Bei einer Störung oder für Wartungsarbeiten können wir eingreifen, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen.»

16 Meter unter der Thur durch

Besonders eindrücklich ist die Situation am Ufer der Thur. Der Fluss fliesst ruhig, doch unter seinem Bett entsteht ein technisches Meisterstück: «Wir führen eine Mittelspannungsleitung rund 16 Meter unter dem Flussgrund hindurch», erklärt Keller.

Die Thur wird unterquert
Franc Schneider und Martin Keller im Gespräch
An dieser Stelle in Andelfingen wird ein Mittelspannungs-Stromkabel 16 Meter tief unterhalb des Grunds der Thur hindurchgezogen (1/5).
Die Thur von einer Brücke in Andelfingen aus
Auch die Autobahnbrücke der A4 über die Thur bekommt zwei neue Spuren. An der Stelle der Spurführung wurde bereits der Wald abgeholzt (2/5).
BILD-SLIDESHOW
Der Bohrkopf, der unterhalb der Thur hindruchgezogen wird
Dieser Bohrkopf wird von der gegenüberliegenden Flussseite her circa 16 Meter tief unterhalb des Grunds der Thur hindurchgezogen (3/5).
Bohrkopf bei der Arbeit
Während der Arbeit gibt der riesige Bohrer Betonit ab. Das kühlt den Bohrkopf und stützt das Bohrloch, durch das später das Mittelspannungskabel gezogen werden soll (4/5).
Zugmaschine auf der anderen Flussseite
Am gegenüberliegenden Flussufer steht die Zugmaschine, die den Bohrkopf 16 Meter tief unterhalb des Flussgrunds hindurchzieht (5/5).

Bereits im vergangenen August wurde eine Verbindung zwischen den beiden Ufern gebohrt.

Solche Horizontalbohrungen verlangen höchste Präzision

In das Bohrloch wird ein Kabelrohr eingezogen, durch das später die Leitung zwischen Andelfingen und Kleinandelfingen verläuft. «Solche Horizontalbohrungen verlangen höchste Präzision», sagt Franc Schneider.

Mit Bobinen wird das alte Kabel aufgewickelt
EKZ-Mitarbeiter wickelt Stromkabel auf
Ein EKZ-Mitarbeiter überwacht die Bobine, die das alte Stromkabel aufwickelt (1/5).
BILD-SLIDESHOW
EKZ-Mitarbeiter in der Baugrube
Ein Seil wird am Stromkabel befestigt damit..(2/5)
...der Bagger es aus dem Kabelrohr ziehen kann (3/5).
EKZ-Mitarbeiter vor der Bobine
Anschliessend kann das Kabelende an der Bobine fixiert werden.(4/5)
Bobine wickelt Stromkabel auf
Das Stromkabel wird aufgewickelt und anschliessend fachgerecht entsorgt (5/5).

Die Thur-Unterquerung ist eine von drei anspruchsvollen Spülbohrungen im Projekt: Auch das SBB-Geleise und die Autobahn wurden unterquert.

Jede Passage erfordert sorgfältige Planung, geologische Gutachten, Bewilligungen und präzise Umsetzung.

Heikle Spülbohrung unter dem SBB-Geleise
EKZ Team vor Spülbohrer
Nach langwierigen geologischen Abklärungen konnte auch die Bohrung unter dem SBB-Geleise hindurch gestartet werden.
Graben
Trotz genauer Abklärungen kam es zum Grundwassereinbruch auf circa zehn Metern Tiefe, weswegen die Bohrung länger unterbrochen werden musste.
Bohrer
Das Zuggerät zieht den Bohrkopf durch den Boden.
Leitung
Bohrungen unterhalb von Geleisen sind sehr heikel, es darf zu keinen Verwerfungen kommen, weil sonst die Gleisführung beeinträchtigt werden könnte.
Während den Bohrarbeiten wurde präzise Überwacht, ob es am Geleise zu Erschütterungen kommt.
Kran

Das Stromnetz muss fit werden

Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur für E-Autos und Rechenzentren fordern zusätzliche Leistung und mehr Intelligenz im Netz. Bis 2050 dürfte der Strombedarf in der Schweiz je nach Szenario um zwischen 35 bis 50 Prozent zunehmen. EKZ investiert jährlich über 100 Millionen Franken in Erhalt, Ausbau und Digitalisierung des Stromnetzes. Der Einsatz im Weinland steht exemplarisch für den Netzbau im ganzen Kanton. Allein die Netzanpassungen an der A4 kosten rund 1,5 Millionen Franken.

99,997 Prozent Netzverfügbarkeit

Trotz den teils garstigen Bedingungen auf der Grossbaustelle bleibt eines konstant: die hohe Versorgungssicherheit von EKZ. «Das Stromnetz ist im Kanton Zürich zu 99,997 Prozent verfügbar», betont Schneider mit Stolz. «Das ist schweizweit ein Spitzenwert.» 

Kabelanschluss im Unterwerk Adlikon
Mitarbeiter schliesst Kabel an
Im Unterwerk Adlikon wird das neue Stromkabel in einem letzten Schritt angeschlossen (1/4).
BILD-SLIDESHOW
MS-Kabel kommt durch die Wand ins UW
Hier wird das Kabel ins Unterwerk geführt (2/4).
Schalter der Mittelspannungsschaltanlage
Um das Kabel anzuschliessen wird zunächst ein Schalter aus der Mittelspannungs-Schaltanlage entfernt. Danach kann ein EKZ-Spezialist die Kabel mit der Anlage verbinden (3/4).
Kabelanschluss in der Anlage
Von der Mittelspannungs-Schaltanlage gelangt der Strom – aus dem Axpo-Hochspannungsnetz und im Unterwerk heruntertransformiert – auf niedrigerer Ebene zu den Trafostationen, die ihn weiter zu Haushalten und Unternehmen verteilen (4/4).

Diese Verlässlichkeit ist das Ergebnis konsequenter Investitionen und des täglichen Einsatzes von zahlreichen engagierten Mitarbeitenden.

Ob auf Grossbaustellen wie hier an der A4 oder bei kleineren Projekten in den Gemeinden: Die EKZ-Teams sorgen überall dafür, dass der Strom zuverlässig fliesst.

Bei der Transformatorenstation
Bei der Transformatorenstation in der Industrie Bilg in Andelfingen laufen viele Kabel zusammen.

Auch im Stromnetz stellen wir hier sicher, dass künftig stets genügend Platz und Leistungsfähigkeit vorhanden sind

 

Während Keller das emsige Schaffen beobachtet, setzt im Hintergrund ein Bagger zum Aushub an, eine Zugmaschine zieht ein Stromkabel durch den Boden:

«Der Autobahnausbau soll eine der meistbefahrenen Strecken im Weinland entlasten», sagt er, was zum EKZ-Netzbauprojekt passe wie der Deckel auf den Topf:

Franc Schneider und Martin Keller schauen auf die Baustelle
Alles im Griff: Die EKZ-Teams sorgen dafür, dass der Strom auch während des Grossprojekts und danach zuverlässig fliesst.

«Auch im Stromnetz stellen wir hier sicher, dass künftig stets genügend Platz und Leistungsfähigkeit vorhanden sind.» 

Wenn 2028 die Fahrzeuge vierspurig durch das Weinland rollen, wird nebenan der Strom durch ein modernes Netz fliessen – zwar nicht so sichtbar wie die Autobahn, aber genauso unverzichtbar.

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