Warum Stromunterbrüche manchmal notwendig sind

Geplante kurze Stromunterbrüche sind unerfreulich, haben aber eine wichtige Funktion: Sie schützen Mitarbeitende bei anspruchsvollen Netzarbeiten und ermöglichen es ihnen, das Netz fit zu machen für steigende Anforderungen und damit die Versorgungssicherheit auch in Zukunft hochzuhalten.

Luc Descombes
2. Juli 2026
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Die hohe Netzverfügbarkeit von 99,997 Prozent im Kanton Zürich ist das Resultat täglicher harter Arbeit der EKZ-Netzspezialistinnen und -spezialisten, die das Stromnetz vorausschauend rüsten für die Zukunft - BILD: Norbert Egli

Artikel in Kürze

  • Geplante Stromunterbrüche sind manchmal notwendig, damit sicher am Stromnetz gearbeitet und alte Anlagen erneuert werden können.
  • Das Stromnetz muss laufend verstärkt werden, weil die kontinuierliche Elektrifizierung (Mobilität, Wärmeversorgung, PV) und Digitalisierung (Rechenzentren) die Anforderungen stark erhöhen.
  • EKZ hält die Einschränkungen so gering wie möglich.

Kühlschrank, WLAN, Kaffeemaschine, Lift oder Ladestation: Ohne Strom merkt man sofort, wie sehr wir an eine zuverlässige Versorgung gewöhnt sind.

Im Versorgungsgebiet von EKZ, wo die Versorgungssicherheit nachweislich sehr hoch ist, kommt es äusserst selten zu Unterbrüchen – der Strom fliesst mit einer Zuverlässigkeit von 99.997%. Umso ärgerlicher, wenn er doch einmal ausbleibt.

Warum kommt es zu geplanten Stromunterbrüchen?

  • Ersatz alter Leitungen, Verteilkabinen und Transformatorenstation
  • Digitalisierung des Stromnetzes: EKZ ersetzt herkömmliche Stromzähler durch intelligente Messsysteme.
  • Verstärkung von Leitungen, damit mehr Strom transportiert werden kann
  • Netzausbau für neue Anforderungen: Wärmepumpen, E-Mobilität, PV-Anlagen, etc.
  • Abbruch bestehender Gebäude, Anschluss neuer Gebäude oder Gewerbebetriebe  
  • Reparaturen und Instandhaltung

«Seit mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, werden Stromunterbrüche bewusster wahrgenommen», sagt Peter Oser, Leiter der Netzregion Limmattal bei EKZ.

 

In rund 80 Prozent der Fälle müssen wir Netzabschnitte für Eingriffe abschalten

 

Wer zuhause arbeitet und ein wichtiges Online-Meeting hat, reagiert verständlicherweise empfindlich auch auf einen angekündigten Unterbruch. «Wir verstehen gut, dass das im Alltag stört, gleichzeitig müssen aber auch unsere Mitarbeitenden während der regulären Arbeitszeiten arbeiten können.»

Auch bei sorgfältiger Planung sei es nicht immer möglich, Stromunterbrüche für alle optimal anzusetzen.
 

EKZ-Mitarbeitender auf der Baustelle
Mehr Power fürs Weinland: Im Zuge der Spurerweiterung der Autobahn A4 zwischen Andelfingen und Winterthur hat EKZ das Stromnetz erheblich verstärkt. Auch während diesen Arbeiten kam es teilweise zu kurzen geplanten Stromunterbrüchen.
Peter Oser, Leiter der Netzregion Limmatal
Peter Oser, Leiter der EKZ-Netzregion Limmattal, vor einem Transformator, den EKZ eigens für die Versorgung des neuen E-Postauto-Depots in Affoltern am Albis errichtet hat.

Sicherheit zuerst

Der wichtigste Grund für geplante Stromunterbrüche ist die Sicherheit: Arbeiten am Stromnetz sind anspruchsvoll und können wegen der hohen Spannung und grossen Energiemengen sehr gefährlich werden: «In rund 80 Prozent der Fälle müssen wir Netzabschnitte für Eingriffe abschalten», erklärt Oser. 
 

Stromnetz vor neuen Herausforderungen

Immer mehr Bereiche unseres Alltags werden elektrifiziert. Elektroautos ersetzen Benzin- und Dieselfahrzeuge, Wärmepumpen ersetzen Öl- und Gasheizungen. Das senkt den Verbrauch fossiler Energieträger, erhöht aber den Strombedarf und fordert vom Stromnetz grosse Leistungen. Hinzu kommen weitere Entwicklungen:
 

  • immer mehr PV-Anlagen, die gleichzeitig Strom ins Netz einspeisen, auch wenn gerade wenig verbraucht wird
  • neue Grossverbraucher wie Rechenzentren
  • stärker schwankende Stromflüsse durch erneuerbare Energien

Damit das Stromnetz mit diesen neuen Anforderungen schritthalten kann, muss es laufend ausgebaut, verstärkt und digitalisiert werden.

 

Geplante Stromunterbrüche sind ein Zeichen dafür, dass wir vorausschauend in die Versorgungssicherheit investieren

Alte Anlagen werden ersetzt

Teile der Netzinfrastruktur sind seit 40 bis 60 Jahren in Betrieb. Daher müssen Leitungen ersetzt, Transformatorenstation erneuert, Verteilkabinen neu gebaut werden.

«Wenn wir alte Anlagen durch neue ersetzen, kommt irgendwann der Moment, in dem der Strom unterbrochen werden muss, um die Leitung sicher vom alten in den neuen Zustand zu überführen», sagt Oser.
 

Immer rechtzeitig informiert

Betroffene Kundinnen und Kunden werden in der Regel drei bis fünf Tage im Voraus schriftlich informiert. Zusätzlich können digitale Mitteilungen über myEKZ.ch abonniert werden.

Fit für neue Lasten

Damit das Netz für die Energiezukunft bereit ist, wird es kontinuierlich verstärkt. «Geplante Stromunterbrüche sind ein Zeichen dafür, dass wir vorausschauend in die Versorgungssicherheit investieren», erklärt Oser.

Dementsprechend investiere EKZ jährlich über 100 Millionen Franken in den Ausbau des Versorgungsnetzes. Wenn eine Strasse saniert wird, nutzen wir die Gelegenheit, um auch gleich fällige Netzarbeiten zu erledigen

Damit muss das Netz schritthalten
Embraport - die grösste Solaranlage Zürichs
In Embrach hat EKZ die grösste Solaranlage des Kantons Zürich ans Netz genommen. Wenn an sonnigen Sommertagen viele PV-Anlagen gleichzeitig hohe Erträge liefern und Strom einspeisen, kann das Netz lokal stark gefordert sein. Es muss deshalb verstärkt werden, was zu geplanten kurzen Stromunterbrüchen führt.
Bild-Slideshow
E-Postauto-Depot in Affoltern am Albis
Im Knonaueramt ist rund ein Drittel der Postauto-Flotte der Rolf Stutz AG elektrisch unterwegs. Für die dafür notwendige leistungsfähige Ladeinfrastruktur baute EKZ eigens eine neue Transformatorenstation aufs Gelände in Affoltern am Albis.
The Valley in Kemptthal
Auf dem ehemaligen Maggi-Areal The Valley in Kemptthal versorgt EKZ 149 Unternehmen mit 1335 Arbeitsplätzen mit natürlicher Wärme aus der Umwelt. Die dafür eingesetzten Wärmepumpen benötigen viel Strom. Das Beispiel zeigt exemplarisch, welche Anforderungen die Elektrifizierung der Wärmeversorgung an das Stromnetz stellt. Für die Stromzufuhr mussten auf dem Gewerbeareal extra vier neue Transformatoren installiert werden.

Warum nicht ausserhalb der Arbeitszeiten?

Netzarbeiten müssen mit den verfügbaren Fachkräften effizient und sicher umgesetzt werden. Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Netzqualität, Aufwand und möglichst geringen Einschränkungen für die Bevölkerung.

Das Netz wird stärker gefordert sein

Und das ist dringend notwendig. Denn die Anforderungen steigen zurzeit enorm. Wärmepumpen ersetzen fossile Heizungen und benötigen dafür Strom. Elektroautos brauchen leistungsfähige Ladeinfrastruktur und immer mehr Photovoltaikanlagen speisen Strom auch dann ins Netz ein, wenn die Nachfrage tief bleibt.

Kommt hinzu, dass sich im Kanton Zürich viele Grossverbraucher ansiedeln. Insbesondere Rechenzentrumsbetreiber profitieren von der hohen Versorgungsqualität und ziehen enorme Mengen Strom.

Versorgungssicherheit auf Spitzenniveau

EKZ sorgt im Kanton Zürich für eine hohe Versorgungsqualität zu tiefen Stromtarifen, die schweizweit ihresgleichen sucht. Die Netzverfügbarkeit liegt bei 99,997 Prozent. Das Stromnetz ist im Durchschnitt also nur während rund 16 Minuten pro Jahr nicht verfügbar. Ein Wert, hinter dem viel sorgfältige Planung, präzise Koordination und harte Arbeit stecken.Damit das so bleibt, investiert EKZ wöchentlich über zwei Millionen Franken in Ausbau, Erneuerung und Digitalisierung des Stromnetzes. Das Netz wird Schritt für Schritt fit gemacht für die Energiezukunft mit mehr Elektromobilität, Wärmepumpen, Photovoltaik und neuen Grossverbrauchern.

So kurz wie möglich

Wenn Stromunterbrüche nötig werden, plant EKZ diese so effizient wie möglich ein. Arbeitsschritte werden gebündelt und mit dem Tiefbau koordiniert, um Auswirkungen zu minimieren: «Wenn z.B. eine Strasse saniert wird, nutzen wir meist die Gelegenheit, um auch gleich fällige Netzarbeiten zu erledigen», erklärt Oser.

Immer mehr Rechenzentren ziehen enorme Mengen an Strom
Rechenzentrum in Glattfelden
KI, Streaming, Digitalisierung: Rechenzentren fordern das Stromnetz heraus: In den letzten fünf Jahren hat EKZ über 100 Anschlussanfragen erhalten. Dieses neue Rechenzentrum bei Glattfelden wird im Endausbau mit bis zu 36 Megawatt versorgt. Zum Vergleich: Eine mittelgrosse Stadt benötigt rund 25 Megawatt.
Bild: Vantage Data Centers

«So vermeiden wir unnötige Baustellen und Unterbrüche.» Ziel sei ein Gleichgewicht zwischen Netzqualität, Aufwand und möglichst geringen Einschränkungen für die Bevölkerung.

Geplante Stromunterbrüche sind im Moment zwar störend, leisten aber einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Strom auch künftig zuverlässig fliessen kann.

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