Postautos unter Strom – dank leistungsfähigem Netz

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme des ersten Depots für elektrische Postautos im Kanton Zürich ist die Aufbruchstimmung noch immer spürbar. In Affoltern am Albis, einem regionalen Postauto-Depot im Kanton Zürich, hat sich aber nicht nur der Antrieb der Fahrzeuge verändert.

Irene M. Wrabel
23. Juli 2026
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Die grosszügig dimensionierte PV-Anlage soll künftig mit einem Batteriespeicher ergänzt werden. Damit die Postautos auch in der Nacht mit Solarstrom geladen werden können. - BILDER: Lea Della Zassa

Artikel in Kürze

  • Das erste E-Postauto-Depot im Kanton Zürich ist nun bereits ein Jahr am Netz
  • Die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs läuft auf Hochtouren. Bereits ein Drittel der Flotte der Rolf Steiner AG fährt elektrisch.
  • Damit die Busse heute zuverlässig laden können, war eine neue Trafostation, stärkere Leitungen und leistungsfähige Netzanschlüsse nötig.
  • EKZ investiert dafür jährlich über 100 Millionen Franken in den Ausbau und die Digitalisierung des Zürcher Stromnetzes.

Wo früher nur Dieselgeruch in der Luft lag, stehen heute immer mehr Busse leise an der Ladestation. Für Patrick Stutz, Inhaber der Rolf Stutz AG, war der Schritt konsequent:

«Wir bauen keine Dieseltankstellen mehr, die wir in ein paar Jahren nicht mehr brauchen.»

E-Postauto-Depot in Affoltern a. A.
Das E-Postauto-Depot der Rolf Stutz AG in Affoltern am Albis ist bereits seit 2025 in Betrieb. Ein Drittel der Postautoflotte wird elektrisch betrieben.

Bereits heute ist ein Drittel unserer Flotte elektrisch unterwegs, weitere Fahrzeuge sind bestellt

 

Was hier sichtbar wird, ist Teil eines grossen verkehrstechnischen Trends: Die Elektromobilität hält Einzug in den öffentlichen Verkehr.

Die PostAuto AG hat beschlossen, diese Entwicklung schweizweit schnell voranzutreiben, auch in Affoltern ist sie in vollem Gange.

«Bereits heute ist ein Drittel unserer Flotte elektrisch unterwegs, weitere Fahrzeuge sind bestellt», berichtet Stutz.

Bis 2040 soll der gesamte öffentliche Verkehr im Kanton Zürich vollständig elektrisch fahren.

Bei den gelben Bussen könnte es sogar noch schneller gehen.

Rolf Stutz
Patrick Stutz investiert mit Überzeugung in die Zukunft seines Transportbetriebs. Die Rolf Stutz AG ist eines von etwa 100 PostAuto-Unternehmen, die schweizweit rund die Hälfte der Fahrleistung erbringen.

Das Stromnetz muss transformiert werden 

Während viele Busse bereits nahezu geräuschlos durch die Region gleiten, wird hinter den Kulissen mit Hochdruck gearbeitet.

Die Elektromobilität verändert die Anforderungen an das Stromnetz grundlegend.

 

Es ist unser Daily Business, dass wir überall das Netz verstärken

 

Damit die Busse zuverlässig laden können, braucht es leistungsfähige Anschlüsse, neue Trafostationen und verstärkte Leitungen:

«Es ist unser Daily Business, dass wir überall das Netz verstärken», sagt Peter Oser, Leiter Netzregion Limmattal bei EKZ.

Was nüchtern klingt, beschreibt in Wirklichkeit eine gewaltige Transformation:

Das Stromnetz, jahrzehntelang auf stabile und berechenbare Lasten ausgelegt, muss heute immer flexibler und leistungsfähiger werden.
 

Massive Investitionen im Netzbau

Wie aufwendig der Netzausbau ist, zeigt das Beispiel des Postauto-Depots. Neue Leitungen mussten verlegt, bestehende umgebaut und eine leistungsfähige Trafostation errichtet werden. Allein der Bau der Kabeltrasse dauerte Wochen, denn die Bedingungen waren herausfordernd: begrenzter Platz, laufender Verkehr, Abstimmungen mit Grundeigentümern. «Es wird immer schwieriger, ausreichend Platz zu finden, um neue Leitungen und Trafostationen zu bauen», weiss Oser aus seiner langjährigen Erfahrung. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, investiert EKZ kräftig: Über zwei Millionen Franken pro Woche fliessen in den Netzbau im Kanton Zürich. Ein Grossteil davon wird in die Verstärkung bestehender Infrastrukturen investiert. Aber auch neue Anlagen, die zukünftige Anforderungen abdecken sollen, müssen erstellt werden. 

Anschluss an Trafo
Über 100 Millionen Franken investiert EKZ jährlich in den Ausbau des Zürcher Stromnetzes und in leistungsfähige Anlagen, wie jene in Affoltern, um dem steigenden Strombedarf gerecht zu werden. Bild zeigt den Anschluss der Trafostation, die das E-Postauto-Depot mit Energie versorgt.

Die Herausforderungen nehmen zu

Wärmepumpen ersetzen Öl- und Gasheizungen, brauchen dafür aber Strom. Photovoltaikanlagen speisen dezentral Strom ein, und digitale Anwendungen treiben den Verbrauch weiter in die Höhe.

 

Es wird immer schwieriger, ausreichend Platz zu finden, um neue Leitungen und Trafostationen zu bauen

 

Der Strombedarf steigt, und zwar viel stärker als noch vor wenigen Jahren erwartet.

Besonders herausfordernd sind dabei sogenannte Punktlasten: konzentrierte Strombezüge oder Produktionsanlagen an einem Ort.

Dazu zählen Rechenzentren, grosse PV-Anlagen und, eben, Ladeinfrastrukturen wie jene in Affoltern. 

Peter Oser vor dem Trafo
Neuer Trafo für das Postauto-Depot: Peter Oser, Leiter EKZ-Netzregion Limmattal, kennt die Herausforderungen des Ausbaus erneuerbarer Energien für das Stromnetz.

Denn immer mehr Unternehmen, Gemeinden und Verkehrsbetriebe wollen auf Elektromobilität umstellen.

Die Folge ist eine unvermindert steigende Anzahl an entsprechenden Anschlussgesuchen.

 

Man kann nicht überall gleichzeitig verstärken. Also müssen wir Prioritäten setzen.

 

Manchmal kann ein Anschluss zwar sofort bewilligt werden, oft aber nur unter der Bedingung, dass zuerst das Netz verstärkt wird. Für EKZ bedeutet das: prüfen, planen, ausbauen.

Doch Peter Oser warnt: «Man kann nicht überall gleichzeitig verstärken. Also müssen wir Prioritäten setzen.»

Strom statt Diesel
Zugmaschine zieht Kabel durchs Rohr
Bereit ein Drittel der Postautoflotte der Rolf Stutz AG werden mit Strom betrieben (1/3).
BILD-SLIDESHOW
Bild des Displays der Zugmaschine
Das Laden der Postauto dauert länger als bisher das Tanken. Das ist auch logistisch eine neue Herausforderung (2/3).
Kabel von beiden Richtung aus den Röhren
Eine Lade-Einrichtung im Postautodepot. (3/3)

Ausbau mit grösstmöglicher Flexibilität

Auch für Patrick Stutz bringt die Elektromobilität neue Anforderungen mit sich. Die Busse müssen nicht mehr betankt, sondern geladen werden, und das zur richtigen Zeit.

«Die Hauptsache ist, dass die Busse immer einsatzfähig sind. Reichweiten von bis zu 360 Kilometern sind möglich, doch die Einsatzplanung muss laufend angepasst werden.»

 

Es wurden insgesamt 1077 Module verbaut

 

Dienste werden aufgeteilt, Ladezeiten eingeplant, Abläufe neu gedacht. Patrick Stutz hat sich beim Bau des Depots in Affoltern am Albis zudem für den Bau einer PV-Anlage entschieden.

«Es wurden insgesamt 1077 Module verbaut, die Anlage hat eine Leistung von 445 Kilowattpeak», berichtet er.

Peter Oser und Patrick Stutz
Erfolgreich ans Netz genommen: Peter Oser und Patrick Stutz im Postauto-Depot.

Eine Investition in die Zukunft, die aber noch nicht abgeschlossen ist.

Damit der tagsüber erzeugte Strom auch nachts zur Ladung der Fahrzeuge genutzt werden kann, plant Stutz den Bau eines Batteriespeichers.

 

Man kann nicht nur auf den aktuellen Zustand planen, man muss Reserven haben

 

Das bringt die nötige Flexibilität in der Energieversorgung. Wichtig war deshalb in Affoltern am Albis eine vorausschauende Planung.

Die Trafostation wurde so ausgelegt, dass sie nicht nur den aktuellen Bedarf deckt, sondern auch zukünftige Ausbaustufen ermöglicht.

Peter Oser und Patrick Stutz
Wichtig ist eine vorausschauende Planung: Die Trafostation wurde so ausgelegt, dass sie auch zukünftige Ausbaustufen ermöglicht.

«Man kann nicht nur auf den aktuellen Zustand planen, man muss Reserven haben», sagt Peter Oser.

Gleichzeitig ist genau das die Herausforderung: Reserven kosten Geld und müssen dennoch wirtschaftlich vertretbar sein.

Netzverfügbarkeit von 99.997 Prozent

Um die hohe Versorgungssicherheit im Kanton Zürich zu gewährleisten, investiert EKZ kräftig: Über zwei Millionen Franken pro Woche fliessen in den Netzbau im Kanton Zürich. Ein Grossteil davon wird in die Verstärkung bestehender Infrastrukturen investiert. Gleichzeitig werden neue Anlagen erstellt, die zukünftige Anforderungen abdecken werden. 

Mehr Informationen über den Netzbau von EKZ

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