In die Ferien mit dem Elektroauto

E-Mobilität

In die Ferien mit dem Elektroauto

Bald stehen die Sommerferien an. Ob wir in diesem Sommer mit dem Auto durch halb Europa an unsere beliebten Ferienstrände fahren können, ist noch nicht absehbar. Könnten Sie sich aber vorstellen, dies mit dem Elektro­auto zu machen? Claudio Pfister hat es getan.

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Im vergangenen Herbst planten Claudio Pfister und seine Frau eine Woche Ferien ohne ihre Kinder. Mit den E-Bikes auf dem Dach hatten sie das Ziel, mit ihrem Tesla S ins Südtirol zu fahren. Ein Test für den Leiter der Fachgesellschaft e-mobile von Electrosuisse. Er wollte schauen, ob es machbar ist, mit dem E-Auto zu verreisen, und das so wie immer: spontan und ohne allzu grosse Voraus­planung.

Der Weg ist das Ziel

«Viele Leute denken, E-Fahrzeuge seien nur für kurze Strecken und zum Pendeln geeignet», sagt der langjährige Elektroautofahrer. «Dabei eignen sie sich genauso für längere Strecken.» Und er ergänzt, «dass es eh allgemein empfohlen ist, alle zwei bis drei Stunden eine Pause beim Autofahren einzulegen». Eine Schnellladung dauert etwa 20 bis 30 Minuten, was für eine Kaffeepause oder einen
WC-Stopp reicht.

«E-Autos sind eine Entschleunigung beim Fahren, bei gleichzeitig besserer Beschleunigung.»

Ferienplanung leicht gemacht

Claudio Pfister wirkt entspannt, wenn er von seinen Ferien erzählt. Von aufwendiger Suche nach Hotels mit Ladesta­tionen oder möglichen Schnellladestationen auf dem Weg erzählt er gar nichts. «Wenn ich die Strecke im Navigationssystem eingebe, sagt mir mein Auto, wo ich zwischenladen sollte. Ich muss also nicht vorab schauen, wo es mögliche Ladestationen gibt, und Berechnungen anstellen, wie lange meine Batterie wohl halten wird», erzählt Pfister. Dies vereinfache die Reise. Bestätigt der Fahrer die vorgeschlagene Ladestation, sprechen sich Ladestation und Fahrzeug zugunsten eines optimalen Ladevorgangs ab, sodass er bequem hinfahren und sein Auto direkt laden kann, sobald er dort ankommt. Er achte einzig darauf, dass die Batterie bei Abfahrt voll sei, sodass er nicht so schnell eine Pause einlegen müsse. «Bei den Hotels hat sich auch viel getan. Gerade bei den Hotels in den höheren Sterne-Kategorien haben die meisten mindestens eine Ladestation», erklärt Pfister. Und sollte ein Hotel mal keine Ladestation haben, dann geht es auch einmal eine Nacht, ohne die Batterie zu ­laden. Es gibt aber auch Online-Plattformen wie chargehotels.com, die Hotels mit Ladestationen aufführen. 

Batterie voll, Navigation eingestellt – die Fahrt zum nächsten Ladestopp in St. Moritz kann losgehen.
Hoch über Partschins im Südtirol.
Kurze Pause am Julierpass.
Ladestopp im Veltlin.

Passfahrt mit dem E-Auto

Die Reise führte das Paar zuerst über den Julierpass ins schöne Engadin. Heute brauche er nur noch das Gaspedal, sagt Pfister. Auch auf einer Passfahrt bremse er mit dem Motor, der je nach Stellung des Gaspedals rekuperiere und die Energie in die Batterie zurückspeise. Das Fahren eines Elektroautos sei sehr angenehm: «E-Autos sind eine Entschleunigung beim Fahren, bei gleichzeitig besserer Beschleunigung», schwärmt Pfister. In St. Moritz nutzte er eine Schnellladestation, welche ihm für eine längere Erkundung des Engadiner Kurorts leider keine Zeit liess. Sobald der Ladezustand 80 Prozent erreicht hatte, kam die Nachricht vom Auto aufs Telefon, dass es geladen sei und der Platz zugunsten anderer Nutzer wieder freigegeben werden sollte. Die Ladung reichte vollkommen aus für die Fahrt nach Livigno, wo das Paar in einem Hotel ohne Lademöglichkeit übernachtete, sowie die Weiterfahrt am nächsten Tag in die Nähe von Meran. Dort verbrachten sie zwei Tage und erkundeten die wunderschöne Region mit ihren E-Bikes. Das Auto in der Garage des Hotels hatte da ­genügend Zeit, sich langsam und schonend aufzu­laden.

Alle Wege führen ins Tessin

Nach den erholsamen Tagen im Südtirol wollten Pfisters Richtung Veltlin und über den Tonalepass ins Tessin. Vorab sollte die Batterie aber nochmals geladen werden. Da es in Bozen zwar Schnellladestationen gibt, aber keine von Tesla, musste das Ehepaar einen kleinen Umweg über Trient fahren. «Uns störte das nicht, wir hatten schliesslich Ferien», sagt Pfister.

«Auch mit dem Elektroauto hat man eine Reserve – man kann langsam fahren.»

Vertrauen in die Technologie

Eine letzte Ladepause vor dem Tessin legten Pfisters in Sondrio ein und luden die Batterie nochmals für 20 Minuten mit dem Supercharger auf. Dass ihm der Strom ausgehen könnte, bereitete Pfister keine Sorgen: «Auch mit dem Elektroauto hat man eine Reserve – man kann langsam fahren.» Sein Elektroauto zeige immer die Reichweite an, berechne die Zeit bis zum Ziel und ob die Batterieladung bis dorthin reiche. Wenn es knapp werde, schlage das Auto vor, langsamer zu fahren. Beispielsweise nur 110 Kilometer pro Stunde auf der Autobahn. Durch den geringeren Luftwiderstand steigt die Reichweite sofort an. «Im Notfall kann man mit 60 Kilometer pro Stunde übers Land fahren und kommt fast beliebig weit», sagt Pfister.  

Meran im Südtirol mit der Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus.
Meran im Südtirol mit der Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus.
Blick über Meran hinweg in Richtung Süden.
Das Kurhaus von Meran.
«Beim Kauf eines Elektroautos reicht eine Reich­weite von 200 bis 300 Kilometern.» 

1000 Kilometer in acht Tagen

Insgesamt ist Claudio Pfister in den Ferien rund 1000 Kilometer mit seinem E-Auto gefahren. Die reine Fahrzeit betrug dabei etwa 18 Stunden. Dazu kommen insgesamt zwei Stunden für die Ladezeit unterwegs. Total verbrauchte er 300 Kilowattstunden Strom – ohne den zusätzlichen Luftwiderstand durch die Fahrräder auf dem Dach wären es 200 Kilowattstunden gewesen. Da sein Auto noch aus der Zeit stammt, in der der Strom gratis mitverkauft wurde, war die Fahrt «gratis». Aber auch wenn er den Strom hätte bezahlen müssen, hätte die Reise nur 50 bis 100 Franken Energie ge­kostet. Was neben den übrigen Reisekosten nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Faktor Umwelt

Wer schon einmal in einem Elektroauto sass, weiss, wie genussvoll das Fahren eines elektrisch angetriebenen Autos ist. Neben dem ruhigen Dahingleiten bietet es Raum für gute Gespräche oder klangvolle Musik. So ist es nicht verwunderlich, dass Claudio Pfister durchwegs positiv ist, was seine Reise mit dem Elektroauto betrifft. Er würde es jederzeit wieder so machen und ergänzt: «Durch die Corona­Krise hat sich die Luftqualität verbessert. Mit dem Fahren eines Elektroautos unterstütze ich die Reduktion von CO2 weiterhin – und dies ohne Komforteinbusse. Im Gegenteil: Fahren wird zum Erlebnis», sagt der überzeugte E-Automobilist. In der Tat: Ab 10 000 bis 20 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr lohnt sich ein Elektroauto. Ganz CO2-frei ist es nicht, wenn man die Produktion des Fahrzeugs mitberücksichtigt. Autohersteller haben jedoch auf die Diskussionen rund um den CO2-Ausstoss reagiert und produzieren ihre E-Modelle vermehrt mit Strom aus erneuerbaren Energien. Im Kanton Zürich lädt man als Kunde von EKZ die Batterie des E-Autos daheim zudem ausschliesslich mit Strom aus erneuerbaren Energien. «Die Produktion meines Tesla S ergibt einen CO2-Ausstoss von circa 50 Gramm pro Kilometer, wobei die Distanz, welche das Auto über die ganze Lebensdauer fährt, den CO2-Ausstoss pro Kilometer weiter minimieren kann», verdeutlicht Pfister seine Aussage und ergänzt, dass sein früheres Auto, ein Benziner, mit einem Verbrauch von 13 Litern Benzin auf 100 Kilo­meter in etwa 300 Gramm CO2 pro Kilometer ausstiess.

Verbesserungsbedarf ist da

Was Pfister kritischer sieht, sind die oft komplizierten Ladesysteme: «Meistens kann man zwar die Säulen über Kreditkarten oder einen QR-Code freischalten, aber es gibt einfach zu viele unterschiedliche Systeme, die häufig auch nicht benutzerfreundlich sind.» In der Schweiz gibt es heute vier grosse Betreiber von öffentlichen Ladestationen, nebst zahlreichen kleineren. Pfister geht jedoch davon aus, dass sich der Markt konsolidieren wird.

Fazit der Reise

«Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das geht ja jedem so. Elektromobilität erfordert Offenheit für Neues. Ich kann nur jedem empfehlen, den Mut zu haben und einzusteigen», sagt Pfister. Eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern reiche seiner Meinung nach aus. Auch wenn man übers Wochenende oder für die Ferien verreisen möchte. Denn die Ladeinfrastruktur ist bereits so gut ausgebaut, dass ein entspanntes Reisen möglich ist. Auch mit Velos auf dem Dach. 

Schweiz Tourismus hat gemeinsam mit Partnern aus dem Tourismus die E-Grand Tour ins Leben gerufen. Die E-Grand Tour ist eine Rundreise durch die Schweiz, extra für Elektrofahrzeuge. Sie führt Reisende zu einer Vielfalt von Sehenswürdigkeiten in unserem Land. Und damit die Reise auch sorglos genossen werden kann, sind Ladestationen entlang der Strecke reichlich vorhanden.

> myswitzerland.com 

Der Kauf eines Elektroautos kann Fragen aufwerfen. EKZ bietet eine unabhängige Energieberatung zu diesem Thema an. Dabei zeigt Ihnen der EKZ-Energieberater die Vor- und Nachteile von Elektro-, Benzin- und Dieselfahrzeugen. Und dies zugeschnitten auf Ihre Bedürfnisse. Mit ihm vergleichen Sie verschiedene Elektrofahrzeuge und deren Ökobilanz. Zusätzlich unterstützt er Sie bei der Wahl der Ladeinfrastruktur zu Hause. Basierend auf der vorhandenen Elektroinstallation und den technischen Anforderungen Ihres Elektrofahrzeugs erhalten Sie vom EKZ-Spezialisten konkrete Empfehlungen zur passenden Ladelösung. Die Beratung ist auch für Mieter einer Wohnung geeignet.

> ekz.ch/beratung-emob