Vom Flickwerk zur klaren Linie

Vom Flickwerk zur klaren Linie

Um Energie zu sparen, entschied man sich beim Strassenverkehrsamt Zürich für eine neue Arealbeleuchtung mit LED. Welche Vorteile das neue Licht mit sich bringt, zeigt ein Besuch vor Ort.

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Beim kantonalen Strassenverkehrsamt in der Stadt Zürich stellte man vor zwei Jahren Risse in den Betonmasten von zwei Kandelabern fest. «Wir hatten zwei Möglichkeiten: Entweder die beiden Betonmasten aus dem Jahre 1973 ersetzen oder gleich die ganze Arealbeleuchtung neu machen», erzählt Pascal Signer, Leiter Technisches Gebäudemanagement. Ein Teil der Arealbeleuchtung des Strassenverkehrsamtes in der Nähe des Albisgütli war bereits Anfang der 90er-Jahre einmal ersetzt worden. «Seither hatten wir zwei Arten von Licht auf dem Areal: Das gelbe Licht aus den 70er-Jahren und das weisse aus den 90ern.» Beiden gemeinsam war, dass sie viel Energie brauchten. Die Anschlussleistung betrug insgesamt 7400 Watt. «Um Energie zu sparen und die Beleuchtung zu vereinheitlichen, entschieden wir uns 2016 für eine neue Arealbeleuchtung», sagt Signer. Das Konzept, die Planung und die Umsetzung übertrug das Strassenverkehrsamt den EKZ.

Über zwei Drittel Energie gespart

Nur dort Licht, wo es nötig ist – so die Devise beim Konzept fürs Strassenverkehrsamt. Denn das Areal grenzt an Wohngebiet. EKZ hat die Anzahl und die Standorte der Kandelaber angeschaut, aber auch ihre Höhen. Bei den Simulationen stellte sich heraus, dass sich sowohl die Anzahl, wie auch die Leistung und die Höhen der Kandelaber reduzieren lassen. Während früher 23 Kandelaber mit insgesamt 7400 Watt das Areal beleuchtet haben, reichen heute 18 mit einer Leistung von 2325 Watt. Nicht nur die Leistung ist um knapp 70 Prozent zurückgegangen. Da sich in diesem Fall die Leistung proportional zum Energieverbrauch verhält, beträgt die Energieeinsparung ebenfalls 70 Prozent. «Trotzdem ist das Areal jetzt besser ausgeleuchtet», meint Signer. «Wir haben keine Schattenbereiche mehr und gleichzeitig weniger Lichtemissionen, weil wir nur noch den Asphalt beleuchten.» Möglich ist dies dank dem gerichteten Licht der LED. Zudem sind die Masten ein bis zwei Meter weniger hoch als früher. «Während die zwei höchsten früher 18 Meter massen, sind 16 Meter heute das Maximum. In dieser Höhe braucht es auf dem Areal nur einen Mast», sagt Signer. «Beschwerden von Anwohnern aufgrund der neuen Beleuchtung gab es keine», betont er. Dank der Energieeinsparung beim Licht konnte das Strassenverkehrsamt 2017 die jährliche Vorgabe des Kantons erfüllen, den Energiebedarf um zwei Prozent zu verringern.

«Dank der neuen Arealbeleuchtung sparen wir in Zürich knapp 70 Prozent Energie, in Winterthur sogar 83 Prozent im Vergleich zu früher.»
Strassenverkehrsamt Zürich: Der Eingang zum Prüfareal ist gut beleuchtet. Ausserhalb des Areals ist es dunkel.
Strassenverkehrsamt Zürich: Der Eingang zum Prüfareal ist gut beleuchtet. Ausserhalb des Areals ist es dunkel.
Strassenverkehrsamt Zürich: Dieser Teil der Prüfstrecke  wird in den Abendstunden oft von Motorrad-Lernfahrern zum Üben genutzt.
Strassenverkehrsamt Zürich: Ein Teil der Prüfstrecke wird in den Abendstunden oft von Motorrad-Lernfahrern zum Üben genutzt.
Strassenverkehrsamt Zürich: Die Prüfstrecke rechts im Bild ist gleichmässig beleuchtet.
Strassenverkehrsamt Zürich: Die Prüfstrecke rechts im Bild ist gleichmässig beleuchtet.
Strassenverkehrsamt Zürich: Gleichmässiges Licht auch um diese Kurve herum.
Strassenverkehrsamt Zürich: Gleichmässiges Licht auch um diese Kurve herum.

Klare Linie

Die Lichtsteuerung beim Strassenverkehrsamt ist bewusst einfach gehalten, sagt Signer: «Wir dimmen nicht, weil wir das Licht nur dann überhaupt einschalten, wenn wir es brauchen, also in den Randstunden.» Über den Dämmerungswächter wird das Licht am Abend eingeschaltet – im Winter früher, im Sommer nur falls nötig. Kurz nach 19 Uhr wird es wieder ausgeschaltet. In der Nacht bleibt es dunkel auf dem Areal, denn niemand arbeitet in dieser Zeit. Am Morgen, kurz vor 6 Uhr, wird das Licht wieder eingeschaltet und bleibt so lange an, bis es genügend hell ist. Auch hier kommt wieder der Dämmerungswächter zum Einsatz. Zusätzlich ist die Schaltung über KNX an das Gebäudeleitsystem gekoppelt und lässt sich so von überall her ein- und ausschalten.

«Wir haben keine Schattenbereiche mehr und gleichzeitig weniger Lichtemissionen, weil wir nur noch den Asphalt beleuchten.»  

Das Licht auf dem Areal ist neutralweiss, was einer Farbtemperatur von 4000 Kelvin entspricht. Bei Strassen wird üblicherweise ein warmweisses Licht von 3000 Kelvin eingesetzt, doch das Areal hat verschiedene Flächen: Die Prüfstrecke gleicht einer Strasse, dann gibt es aber auch Parkplätze, von wo aus die Fahrprüfungen starten, sowie die reine Arealbeleuchtung. Da es mehr Arbeitsflächen als Strassen sind, hat man sich auf 4000 Kelvin auf dem ganzen Areal geeinigt. Einzig der Abschnitt auf der Prüfstrecke, wo die Autos beschleunigen, sei bewusst heller gemacht worden, sagt Signer. «Da das Tempo der Autos dort höher ist, muss die Sichtweite auch grösser sein und dafür braucht es mehr Licht.» Gelöst hat man dies, indem ein Kandelaber etwas höher gesetzt wurde als die anderen.
Die ganze Umsetzung – vom Abbrechen der alten Betonmasten über die Errichtung von neuen Stahlmasten bis hin zur Installation der Leuchten – fand an drei Samstagen statt. Teilweise wurde schon am Freitagabend mit Vorbereitungsarbeiten begonnen. Seit zwei Jahren ist die neue Beleuchtung nun in Betrieb. Beim Strassenverkehrsamt ist man zufrieden damit, wie Signer sagt: «Vorher hatten wir ein Flickwerk, heute eine klare Linie.»

«Wir dimmen nicht, weil wir das Licht nur dann überhaupt einschalten, wenn wir es brauchen, also in den Randstunden.»  

Angepasstes Lichtkonzept für Winterthur

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem neuen Lichtkonzept in Zürich entschied man beim kantonalen Strassenverkehrsamt, auch die Zweigniederlassung Winterthur neu zu beleuchten. Der Auftrag ging an EKZ, allerdings mit anderen Anforderungen als in Zürich, erklärt Pascal Signer: «Der Standort Winterthur ist jünger und das Areal etwas kleiner. Anwohner gibt es keine, trotzdem aber wollten wir unnötige Lichtemissionen vermeiden.»
Das Lichtkonzept von EKZ sah vor allem eine Reduktion der Leistung vor: Die ursprünglich zwölf Kandelaber mit 9450 Watt wurden auf rund 1450 Watt reduziert, und zwar indem weniger Leuchtköpfe eingesetzt wurden. Die Anzahl Lichtmasten blieb indessen gleich. Ein Fluter wurde auf 14 Meter raufgesetzt, um die Strecke nach der Prüfhalle besser auszuleuchten, weil hier beschleunigt und gebremst wird. «Dank der neuen Beleuchtung sparen wir im Vergleich zu früher insgesamt 85% Energie», sagt Signer. Wie in Zürich wird auch in Winterthur nicht gedimmt. Gleich ist zudem die Farbtemperatur von 4000 Kelvin.
Ein Jahr ist die neue Arealbeleuchtung in Winterthur nun in Betrieb. «Negative Rückmeldungen haben wir keine erhalten», meint Signer, «und auch wir sind sehr zufrieden damit.»

Während die LED-Technologie bei der Beleuchtung von öffentlichen Strassen und Plätzen heute verbreitet ist, stehen auf Firmenarealen häufig noch Entladungslampen. Dies hängt unter anderem mit der Entwicklung der LED-Technologie zusammen: Das Angebot an LED-Strassenleuchten ist weitaus grösser und vielfältiger als dasjenige an LED-Scheinwerfern für die Beleuchtung von Arealen. Doch die LED-Technologie holt in diesem Bereich auf. Verschiedene namhafte Hersteller haben in den letzten Jahren Produkte auf den Markt gebracht, die eine hohe Qualität aufweisen und trotzdem erschwinglich sind.
Hinzu kommt, dass LED vor allem für eine Steigerung der Energieeffizienz stehen. Was stimmt, denn im Gegensatz zu herkömmlichen Leuchten ist es bei LED einfacher, das Licht mit speziellen Optiken in die richtige Richtung zu lenken, was zu weniger Reflexionen im Inneren der Leuchte führt. In LED steckt aber weitaus mehr Potenzial, wie die Erfahrungen des Strassenverkehrsamtes in Zürich und Winterthur sowie des Milchverarbeiters Emmi zeigen.