Flaches Wasser für Keiljungfer, Nase, Gänsesäger und Ringelnatter

Flaches Wasser für Keiljungfer, Nase, Gänsesäger und Ringelnatter

Entlang der Limmat bei Dietikon wird das mit Steinen verbaute Ufer an vielen Stellen aufgelockert. Die Flachwasserbuchten und ausgewaschenen Buhnen verwandeln die Limmatufer in geeignete Lebensräume für bedrohten Arten.

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Grosse Bagger graben seit Mai die Ufer der Limmat bei Dietikon um. Lastwagen fahren tonnenschwere Alpenkalksteinbrocken, Schotter und Kies die Fusswege hoch und runter. Im Auftrag von EKZ entstehen naturnahe Ufer – sogenannte Flachwasser-Zonen. Diese fehlen, seit der Fluss Ende 19. Jahrhundert begradigt und die Ufer der Limmat bis tief hinunter mit Kalksteinen befestigt wurden.
Nun wird das alte, schnurgerade Ufer aufgebrochen. Es entstehen Buchten mit flachen Zonen und eingegrabenen Baumstämmen. Das wichtigste Baumaterial dafür sind grosse Felsbrocken – im Durchschnitt bis zu 1500 Kilo schwer – die ineinander verkeilt Ufer und Flusssohle neu strukturieren. Ganze 100 Tonnen Steine braucht es, um eine rund 50 Meter lange Bucht zu gestalten. Das meiste liegt tief im Wasser oder am Ufer vergraben und ist nicht sichtbar. So auch die sechs Baumstämme, die in Flussrichtung weit ins Wasser ragen. Diese sogenannten Raubäume sind eigentlich zwölf Meter lang, sechs Meter sind aber tief im Ufer vergraben und befestigt.

«Kaum war die erste Bucht fertig gestellt, wurde sie von der Natur schon in Beschlag genommen.»

Fertige Buchten bereits genutzt

Der Eingriff scheint nach Beendigung der Bauarbeiten minim: Die Böschung ist etwas flacher, das Wasser anfangs weniger tief und die Baumstämme mindern die Kraft der Strömung. Doch diese minimalen Veränderungen sind sehr wichtig, wie Monica Fernandez betont: «Ob Fische, Schlangen, Insekten oder Vögel – sie haben alle gern zwischendurch flaches Wasser mit wenig Strömung.» Die Bauingenieurin vom Büro Staubli Kurath und Partner leitet die Renaturierungen.  

Dass sie recht hat sieht man beim Blick in eine der bereits fertig gestellten Buchten unweit der künftigen Allmend Glanzenberg: Dort tummeln sich bereits Bachforellen, unzählige Schwärme mit Jungfischen und ein Taucherlipaar mit Kücken. «Kaum war die erste Bucht fertig gestellt, wurde sie von der Natur schon in Beschlag genommen», bestätigt Fernandez.

Nist- und Laichplätze für bedrohte Arten

Gezielt zugute kommen sollen die Massnahmen, zu denen auch ausgewaschene, steile Ufer, sogenannte Buhnen gehören, den bedrohten Arten auf der roten Liste. So sollen Fische wie Nase, Äsche und Barbe mehr Laichplätze und Verstecke finden. Libellen wie die grüne Keiljungfer oder die Zangenlibelle brauchen kiesige oder sandige Stellen mit etwas ruhigerem Fliessgewässer zum Ablegen der Eier. Bei den Vögeln liebt der Eisvogel steile Ufer in die er eine Höhle zum Nisten gräbt. Auch der Gänsesäger, eine Entenart, liebt solche steilen oder gar unterspülten Ufer für seinen Nestbau.
Die Ringelnatter, zu deren Lebensraum auch Flüsse gehören, soll sich am Ufer der Limmat dank den flachen Zonen ebenfalls wohler fühlen und sich vermehrt dort niederlassen. Bereits wieder angesiedelt hat sich der Biber. Auch Hermeline, Eichhörnchen, Eidechsen, Frösche und Molche finden dank den Massnahmen an den Ufern der Limmat bei Dietikon wieder mehr Lebensraum.

Riesige, ineinander verkeilte Alpenkalkstein-Felsbrocken liegen hier unter der Wasseroberfläche und schaffen Rückzugsorte und Flachwasser für Fische, Vögel, Insekten, Reptilien und Amphibien.
Riesige, ineinander verkeilte Alpenkalkstein-Felsbrocken liegen hier unter der Wasseroberfläche und schaffen Rückzugsorte und Flachwasser für Fische, Vögel, Insekten, Reptilien und Amphibien.
Diese Buhnen sollen mit der Zeit vom Fluss ausgespült werden und steile Ufer erhalten. Daraus entstehen neue Lebensräume für den rot gelisteten Eisvogel, aber auch für andere Vögel, Fische und Insekten.
Diese Buhnen sollen mit der Zeit vom Fluss ausgespült werden und steile Ufer erhalten. Daraus entstehen neue Lebensräume für den rot gelisteten Eisvogel, aber auch für andere Vögel, Fische und Insekten.
Solche riesigen, bis zu 1500 kg schwere Alpenkalksteine wurden am und ins Ufer verbaut.
Solche riesigen, bis zu 1500 kg schwere Alpenkalksteine wurden am und ins Ufer verbaut.
Monica Fernandez, Projektleiterin Wasserbau vom Büro Staubli Kurath und Partner, überwacht und koordiniert die Arbeiten an den Ufern der Limmat.
Monica Fernandez, Projektleiterin Wasserbau vom Büro Staubli Kurath und Partner, überwacht und koordiniert die Arbeiten an den Ufern der Limmat.

Erste Teile der Allmend Glanzenberg schon fertig

Damit die Uferrenaturierungen auch eine Wirkung haben, erstellen die beauftragten Unternehmen WSB AG und Eberhard AG unter der Anleitung von Fernandez gleich zwanzig unterschiedliche Buchten. Bereits erstellt sind zudem die Flachwasserzonen bei der Allmend Glanzenberg, die der Bevölkerung einen Zugang zur Limmat ermöglichen.
Bis dahinter eine Liegewiese und ein Schotterplatz mit Feuerstellen, Wasserhahnen und WC entstehen, dauert es aber noch eine Weile. Zuerst muss nun das Wiesland aufgeschüttet und begradigt werden, dann kommt der Landschaftsgärtner zum Zug. Geht es mit den Arbeiten gut voran, ist die Allmend im nächsten Sommer fertiggestellt.