Elektrofahrzeuge elektrisieren 2021 weiter

Elektromobilität

Elektrofahrzeuge elektrisieren 2021 weiter

2020 gab es einen regelrechten Schub in der Elektromobilität – rund 14 Prozent der zugelassenen Neuwagen hatten einen elektrischen Antrieb. Wohin wird der Trend in diesem Jahr gehen? Und was sind die Neuerungen bei den Fahrzeugherstellern? Jörg Beckmann, Direktor der Mobilitätsakademie AG, einer Tochter des TCS, zeigt die Trends 2021 auf.

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Trend 1: Ausweitung der Fahrzeugmodellpalette zu immer besseren Preisen

Das Elektroauto ist massentauglich geworden. Die Anschaffungskosten werden immer günstiger und über die Reichweite - aktuelle Fahrzeugmodelle haben eine Reichweite von 500 – 600 Kilometern - muss man kaum mehr sprechen. Zudem ist das öffentliche Ladenetz in der Schweiz bereits sehr gut ausgebaut. Anfangs kamen die Innovationen über die Luxusmodelle. Doch mittlerweile finden sich Elektrofahrzeuge für alle Bedürfnisse: Ob ein familienfreundlicher Kombi, ein Sportwagen, SUV oder ein Camper – das passende E-Fahrzeug ist im Angebot. Denn Fahrzeughersteller rüsten auf, denn ab 2030 soll der Neuwagenmarkt rein elektrisch sein.

Trend 2: Elektrifizierungsschub bei Lieferwagen und LKWs sowie Flottenelektrifizierung in der Logistik und anderen Branchen

Die Umrüstung auf elektrische Antriebe bei Lieferwägen und LKWs ist bereits länger ein Thema und nimmt weiterhin an Fahrt auf. Gerade in der Logistikbranche wird immer mehr auf Elektrofahrzeuge gesetzt. Dies ruft auch neue Fahrzeughersteller auf den Markt, die beispielsweise elektrisch betriebene Lieferwagen herstellen. 

Jörg Beckmann, Direktor Mobilitätsakademie AG des TCS

Trend 3: Festlegung von Autoherstellern hinsichtlich Ausstiegsdatum aus der Produktion von Verbrennern

Etablierte Fahrzeughersteller rüsten um und setzen voll auf Elektromobilität. So hat sich Jaguar beispielsweise zum Ziel gesetzt, ab 2025 ausschliessliche Elektrofahrzeuge herzustellen. Auch viele Länder und Städte folgen diesem Ziel und wollen die Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren von den Strassen verbannen. In der Schweiz gibt es diesbezüglich zwar Forderungen, insbesondere rund um die Diskussionen zur Klimastrategie 2050 des Bundes. Doch sind es aktuell nur Forderungen und keine Beschlüsse.
Bei der Frage, ob Plugin-Hybrid-Autos ebenfalls zur Zukunft gehören, verneint Beckmann: «Hybride sind Übergangstechnologien. Aktuell weisen sie noch mehr Reichweite aus, aber dies wird sich bald schon ändern und dann überwiegen die Vorteile des vollelektrischen Autos».

Trend 4: Die Symbiose aus aktiver und elektrischer Mobilität

Die Elektrifizierung findet weiterhin nicht nur bei Autos statt, sondern generell, bei Fortbewegungsmitteln. E-Trottinetts zieren schon länger das Stadtbild, der Elektroveloboom hat im Coronasommer 2020 einen ersten Höhepunkt erreicht und wird vermutlich im aktuellen Jahr noch weitergehen. Zusätzlich werden neue Innovationen auf den Markt gebracht, wie beispielsweise das Lastenrad oder der Bio-Hybrid: Ein Velo mit vier Rädern, einem Dach und das Muskelbetrieben – aber elektrisch unterstützt. Also eine Art Elektroauto, aber doch ein Elektrovelo. Gerade im urbanen Umfeld wird die Mobilität komplett auf den Kopf gestellt und neu aufgesetzt werden.

Trend 5: Vision «Monovalente Mobilität»: Elektrizität als einziger (End)Energieträger im Landverkehr

Mittel- und Langfristig wird sich unsere Mobilität verändern und sie wird elektrisch sein. Dies eröffnet auch neue Synergien für Anbieter von Mobilität. Denn geladen werden müssen alle Elektrofahrzeuge. Und für das braucht es einzig Ladestationen.

Herausforderung 2021

Jörg Beckmann sieht neben den vielversprechenden Trends auch Herausforderungen, die auf die Elektrifizierung des Verkehrs warten: «Für Mieter und Stockwerkeigentümer ist es nicht einfach, eine Ladestation für Elektroautos zu installieren. Hier gilt es weiterhin zu sensibilisieren, damit das Elektroauto auch Einzug in die Tiefgarage halten kann». EKZ unterstützt Kundinnen und Kunden auf dem Weg zur Elektromobilität: Mit Beratungen und Ladelösungen.

Sind die Reichweiten der Elektrofahrzeugmodelle genug hoch?

Aktuell gibt es auf dem E-Automarkt immer mehr neue und spannende Modelle. So haben sich die Reichweiten der verschiedenen Modelle stark verbessert und sind immer mehr alltagstauglich geworden. Der durchschnittliche Pendlerverkehr in der Schweiz ist pro Tag bei ca. 38 Kilometer. Dies bedeutet, dass die Reichweite der Elektroautos in der Regel problemlos reichen. Neue Modelle in der Mittelklasse können bis zu 500 Kilometer fahren. Wichtig scheint mir aber, dass das E-Auto auch die Möglichkeit bietet, schnell zu laden. So steht der Ferienreise nichts im Wege und man kann auf der Fahrt in die Ferien bei einer Kaffeepause zugleich an einer der Schnellladestationen sein Fahrzeug innert nützlicher Frist wieder aufladen.

Hier finden Sie E-Automodelle

Öffentliche Ladestationen finden 

Was ist anders beim Fahren mit Elektroautos?

Mit einem E-Auto zu fahren ist viel entspannter und ruhiger als in einem konventionellen, fossil betriebenen Fahrzeug. Das durchgängige Getriebe und die gute Beschleunigung in einem E-Auto machen das fahren zu einem Genuss. Durch die Möglichkeit der Rekuperation ist ein vorausschauendes Fahren wichtig und gibt ein gutes Gefühl von Sicherheit. Ansonsten unterscheidet sich das Fahren in einem E-Auto nicht zu den üblichen Fahrzeugen.

Verliert die Batterie im Winter durchs Heizen und im Sommer durch die Klimaanlage nicht zu schnell Leistung?

Durch das Heizen wie auch Kühlen im Fahrzeug wird zusätzlich Energie benötigt. Dies hat auch Einfluss auf die Reichweite. In der Vergangenheit hat dies durchaus zu etwa 20 Prozent Reichweitenreduktion geführt. Mittlerweile werden die Systeme zum Heizen und Kühlen immer mehr energetisch verbessert und es wird weniger Energie benötigt. Somit besteht kaum noch ein grosser Einfluss auf die Reichweite. Zumal die Batterieleistung im normalen Alltagsgebrauch mehr als genügend gross ist. 

Im Jahr 2008 gründete der TCS die Mobilitätsakademie AG, als 100 Prozentige Tochter. Schwerpunkthemen der Mobilitätsakademie sind neben den zentralen Zukunftsfragen im Verkehrsbereich die Elektromobilität, die kollaborative und die aktive Mobilität. Die Mobilitätsakademie betreibt die weltweit erste und nach wie vor grösste Sharing-Plattform für elektrische Lastenvelos «carvelo2go», führt die Geschäftsstelle des Verbands «Swiss eMobility» und veranstaltet jährlich die Schweizer Mobilitätsarena.