«Die Ausgangslage ist heute entspannter»

Nachdem der Schweiz im letzten Jahr eine handfeste Strommangellage drohte, bewertet Lukas Küng, Leiter der Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen (OSTRAL), die Ausgangslage für die bevorstehenden Wintermonate optimistischer. Doch die Situation könne sich rasant verändern.

Luc Descombes
12. Oktober 2023
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Bilder: zVg - Dr. Lukas Küng ist Geschäftsführer von Primeo Netz AG und leitet die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL)

Wie bewerten Sie die Lage der Stromversorgung hinsichtlich der vor uns stehenden Wintermonate?

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind die Stauseen gut gefüllt, die Gasspeicher sind voll und auch die französischen Kernkraftwerke konnten grösstenteils wieder ans Netz genommen werden. Die Schweiz ist also deutlich besser vorbereitet als im vergangenen Herbst. 

Es bräuchte eine unglückliche Verkettung von Ereignissen, um eine Strommangellage auszulösen

Geht man aktuell nicht etwas zu entspannt mit dem Thema um?

Potenzielle Strommangellagen beschäftigen die Energiebranche nicht erst seit letztem Jahr. Im letzten Herbst war die Situation allerdings bedrohlich. Seither haben wir viel dazugelernt und verbessert. Seitens OSTRAL sind die Prozesse etabliert und eingeübt. Mit dem Reservekraftwerk in Birr hat der Bund zusätzliche Kapazität geschaffen, und auch mit Notstrompools wurden Erfahrungen gesammelt. Zudem werden heute Winterreserven in den Stauseen langfristig eingeplant. Grundsätzlich ist die Ausgangslage schon wesentlich entspannter.

Man ist nun also routinierter?

Wir können uns heute voll aufs Einüben der Notfallabläufe konzentrieren, ja. Letztes Jahr mussten die Prozesse erst noch richtig eingespielt werden. Nun können wir laufend optimieren. 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Den Umgang mit Kontingenten. Unternehmen könnten heute auch mit kleinen Stromkontingenten handeln. Wenn sie an unterschiedlichen Standorten produzieren, können sie ganz einfach entscheiden, wie sie ihre Stromkontingente einsetzen möchten. Das war im letzten Winter organisatorisch nicht möglich. Jetzt haben wir sehr einfach Lösungen gefunden, die die Unternehmen eigenverantwortlich handeln lassen würden. Die Unternehmen wären flexibler und könnten auch mit weniger Energie das Optimum herausholen.  

Wie bewerten Sie die Lage der Stromversorgung hinsichtlich der vor uns stehenden Wintermonate?

Im Gegensatz zu letztem Jahr sind die Stauseen gut gefüllt, die Gasspeicher sind voll und auch die französischen Kernkraftwerke konnten grösstenteils wieder ans Netz genommen werden. Die Schweiz ist also deutlich besser vorbereitet als im vergangenen Herbst. 

Es bräuchte eine unglückliche Verkettung von Ereignissen, um eine Strommangellage auszulösen

Geht man aktuell nicht etwas zu entspannt mit dem Thema um?

Potenzielle Strommangellagen beschäftigen die Energiebranche nicht erst seit letztem Jahr. Im letzten Herbst war die Situation allerdings bedrohlich. Seither haben wir viel dazugelernt und verbessert. Seitens OSTRAL sind die Prozesse etabliert und eingeübt. Mit dem Reservekraftwerk in Birr hat der Bund zusätzliche Kapazität geschaffen, und auch mit Notstrompools wurden Erfahrungen gesammelt. Zudem werden heute Winterreserven in den Stauseen langfristig eingeplant. Grundsätzlich ist die Ausgangslage schon wesentlich entspannter.

Man ist nun also routinierter?

Wir können uns heute voll aufs Einüben der Notfallabläufe konzentrieren, ja. Letztes Jahr mussten die Prozesse erst noch richtig eingespielt werden. Nun können wir laufend optimieren. 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Den Umgang mit Kontingenten. Unternehmen könnten heute auch mit kleinen Stromkontingenten handeln. Wenn sie an unterschiedlichen Standorten produzieren, können sie ganz einfach entscheiden, wie sie ihre Stromkontingente einsetzen möchten. Das war im letzten Winter organisatorisch nicht möglich. Jetzt haben wir sehr einfach Lösungen gefunden, die die Unternehmen eigenverantwortlich handeln lassen würden. Die Unternehmen wären flexibler und könnten auch mit weniger Energie das Optimum herausholen.  

nicht-verschwenden.ch

Auch wenn sich die Lage aktuell positiv darstellt, kann sie sich rasant verändern.

Wo verorten Sie für den anstehenden Winter die grössten Herausforderungen?

Auch wenn sich die Lage aktuell positiv darstellt, kann sie sich rasant verändern. Es existieren unterschiedliche Szenarien, die zu einer Mangellage führen könnten, bei denen aber mehrere Ereignisse zusammen auftreten müssten. Ein trockener Herbst würde den Pegelstand der Stauseen sinken lassen. Dann könnte ein sehr kalter und langer Winter unsere Systeme auf die Probe stellen. Insbesondere dann, wenn gleichzeitig noch zwei Kernkraftwerke ungeplant länger ausfallen würden. Eine solche Situation hätte uns aber auch bereits vor fünf Jahren herausgefordert.

Wie realistisch ist das denn, dass gleich zwei Kernkraftwerke gleichzeitig ausfallen?

Dass ein KKW ungeplant oder länger als gedacht ausgefallen ist, ist schon mehrfach vorgekommen. Auf die Schnelle ist mir aber tatsächlich nicht bekannt, wann schon mal zwei gleichzeitig länger ausgefallen wären. Trotzdem müssen wir damit rechnen. Das ist eben Krisenvorbereitung: auch aufs Unerwartete vorbereitet zu sein. Schliesslich machen die beiden KKW Gösgen und Leibstadt etwa 25 Prozent der Schweizer Stromproduktion aus. Wenn beide ausfallen, dann sind die Auswirkungen entsprechend heftig. Angesichts des Kriegs in der Ukraine dürfen wir auch das massiv gestiegene Risiko von Cyberangriffen nicht ausser Acht lassen.

Wie können sich Privatpersonen und Unternehmen auf eine Strommangellage vorbereiten?

Unternehmen sollten einen Plan erstellen: Was ist zu tun, wenn ihr Verbrauch kontingentiert würde und sie beispielsweise mit 20 Prozent weniger Energie auskommen müssen. Ich empfehle, dass sich die Unternehmen frühzeitig mit Lieferanten und Kunden austauschen. Privatpersonen wären in einer Strommangellage durch Einschränkungen und Verbote betroffen. Die Benützung von Saunas oder die Verwendung von Bügeleisen könnte verboten werden. Oder, was mich persönlich treffen würde, die Skilifte könnten nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen. Man kann sich überlegen, wie man dann mit einer solchen Situation umgehen würde. Zudem lohnt es sich bei den aktuellen Strompreisen, Energie nicht zu verschwenden. Wenn man die Möglichkeit hat, eine Solaranlage aufs Dach oder an den Balkon zu schrauben, sollte man das tun. Wenn das alle machen, ergibt das eine beträchtliche Leistung. Ganz allgemein ist es sowieso sinnvoll, wenn man sich 14 Tage lang selbst mit Wasser und Lebensmitteln versorgen kann und über einen batteriebetriebenen Radio verfügt.

An wen sollte man sich bei weiterführenden Fragen wenden?

Im vergangenen Herbst war die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung sehr gross. Das hat zu vielen Fragen geführt. Die Kolleginnen und Kollegen im Kundendienst der Energieversorger haben bei deren Beantwortung einen tollen Job gemacht. Viele dieser Fragen und Antworten sowie eine immer  aktuelle Lagebeurteilung findet man heute gesammelt beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung.

Auch wenn sich die Lage aktuell positiv darstellt, kann sie sich rasant verändern.

Wo verorten Sie für den anstehenden Winter die grössten Herausforderungen?

Auch wenn sich die Lage aktuell positiv darstellt, kann sie sich rasant verändern. Es existieren unterschiedliche Szenarien, die zu einer Mangellage führen könnten, bei denen aber mehrere Ereignisse zusammen auftreten müssten. Ein trockener Herbst würde den Pegelstand der Stauseen sinken lassen. Dann könnte ein sehr kalter und langer Winter unsere Systeme auf die Probe stellen. Insbesondere dann, wenn gleichzeitig noch zwei Kernkraftwerke ungeplant länger ausfallen würden. Eine solche Situation hätte uns aber auch bereits vor fünf Jahren herausgefordert.

Wie realistisch ist das denn, dass gleich zwei Kernkraftwerke gleichzeitig ausfallen?

Dass ein KKW ungeplant oder länger als gedacht ausgefallen ist, ist schon mehrfach vorgekommen. Auf die Schnelle ist mir aber tatsächlich nicht bekannt, wann schon mal zwei gleichzeitig länger ausgefallen wären. Trotzdem müssen wir damit rechnen. Das ist eben Krisenvorbereitung: auch aufs Unerwartete vorbereitet zu sein. Schliesslich machen die beiden KKW Gösgen und Leibstadt etwa 25 Prozent der Schweizer Stromproduktion aus. Wenn beide ausfallen, dann sind die Auswirkungen entsprechend heftig. Angesichts des Kriegs in der Ukraine dürfen wir auch das massiv gestiegene Risiko von Cyberangriffen nicht ausser Acht lassen.

Wie können sich Privatpersonen und Unternehmen auf eine Strommangellage vorbereiten?

Unternehmen sollten einen Plan erstellen: Was ist zu tun, wenn ihr Verbrauch kontingentiert würde und sie beispielsweise mit 20 Prozent weniger Energie auskommen müssen. Ich empfehle, dass sich die Unternehmen frühzeitig mit Lieferanten und Kunden austauschen. Privatpersonen wären in einer Strommangellage durch Einschränkungen und Verbote betroffen. Die Benützung von Saunas oder die Verwendung von Bügeleisen könnte verboten werden. Oder, was mich persönlich treffen würde, die Skilifte könnten nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen. Man kann sich überlegen, wie man dann mit einer solchen Situation umgehen würde. Zudem lohnt es sich bei den aktuellen Strompreisen, Energie nicht zu verschwenden. Wenn man die Möglichkeit hat, eine Solaranlage aufs Dach oder an den Balkon zu schrauben, sollte man das tun. Wenn das alle machen, ergibt das eine beträchtliche Leistung. Ganz allgemein ist es sowieso sinnvoll, wenn man sich 14 Tage lang selbst mit Wasser und Lebensmitteln versorgen kann und über einen batteriebetriebenen Radio verfügt.

An wen sollte man sich bei weiterführenden Fragen wenden?

Im vergangenen Herbst war die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung sehr gross. Das hat zu vielen Fragen geführt. Die Kolleginnen und Kollegen im Kundendienst der Energieversorger haben bei deren Beantwortung einen tollen Job gemacht. Viele dieser Fragen und Antworten sowie eine immer  aktuelle Lagebeurteilung findet man heute gesammelt beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung.

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