«Wenn wir 20 Prozent effizienter werden, müssen wir 20 Prozent weniger zubauen» (2/2)

Der alleinige Ausbau erneuerbarer Energiequellen reicht für den Solarexperten Walter Sachs nicht aus. Er fordert eine grundlegende Auseinandersetzung mit unserem Lebensstil. Nur so sei ein verantwortlicher Umgang mit Ressourcen und eine nachhaltige Energiewelt erst möglich.

Luc Descombes
19. März 2023
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Foto: Norbert Egli - Walter Sachs ist diplomierter Ingenieur und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES
Zum ersten Teil des Interviews

Über Walter Sachs

Walter Sachs ist diplomierter Ingenieur und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES, des Verbandes unabhängiger Energieerzeuger VESE und Geschäftsleitungsmitglied der Solar Campus GmbH. Er setzt sich ein für eine faire und nachhaltige Energieversorgung, die für alle tragbar ist. Dazu gehört für ihn auch eine grundlegende Auseinandersetzung mit unserem Konsumverhalten und Lebensstil.

Walter Sachs ist diplomierter Ingenieur und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES, des Verbandes unabhängiger Energieerzeuger VESE und Geschäftsleitungsmitglied der Solar Campus GmbH. Er setzt sich ein für eine faire und nachhaltige Energieversorgung, die für alle tragbar ist. Dazu gehört für ihn auch eine grundlegende Auseinandersetzung mit unserem Konsumverhalten und Lebensstil.

Eine erneuerbare Energiezukunft hängt auch massgeblich davon ab, ob es uns gelingt, Solarenergie vom Sommer in den Winter zu speichern.

Nicht unbedingt. Erneuerbare Energien bestehen ja nicht nur aus Solarenergie. Dazu gehören auch Wind, Wasser und Biomasse. Und insbesondere die sogenannte Negawatt-Energie ist entscheidend. Jede Kilowattstunde, die nicht produziert werden muss, ist ökologischer und man muss sie auch nicht speichern. Effizienz, Nachhaltigkeit, Energiebescheidenheit – darauf müssen wir fokussieren. Die Speicherthematik ist lösbar. Dafür sind wir Ingenieure da. Man muss es nur wollen. Es gibt zahlreiche Studien, die bestätigen, dass wir uns in der Schweiz selbständig mit Strom versorgen können. Mittels Demand-side-management können wir unseren Verbrauch so optimieren, dass wir Energie dann verbrauchen, wenn sie vorhanden ist. Power-to-X ermöglicht die Speicherung von Strom in Gasen oder als Wärme. Aber wie gesagt: die Effizienz ist entscheidend. Wenn wir 20 Prozent effizienter werden, müssen wir 20 Prozent weniger zubauen. Das ist sehr einfach und günstig umzusetzen und bedeutet keinen Komfortverlust.

Müssen wir dazu die Staumauern erhöhen und neue Stauseen erschliessen?

Ich bin mit einem pensionierten Förster befreundet. Von ihm habe ich gelernt, die Natur zu schätzen. Insbesondere auch Bäume und Pflanzen. Deswegen spreche ich mich dagegen aus. Wir Menschen dürfen uns nicht noch mehr nehmen. Wir müssen andere Lösungen finden. Und das können wir auch.

Sobald wir im Sommer zuviel Strom haben, werden intelligente Speicherlösungen schnell verfügbar sein

Wie?

Wir können bei der Frage anfangen, der wir uns diesen Winter stellen mussten. Nämlich ob man die Zimmertemperatur im Winter von 21 auf 20 Grad reduziert. Mit dieser Massnahme spart man nicht nur Energie, sondern auch viel Geld und es würde unseren Komfort nicht mindern. Dann müssen wir Speicherlösungen ausbauen, Kurzfrist-Speicher auf Basis des bidirektionalen Speicherns von Strom in E-Autos wird kommen. Neue Batterien auf Basis von Natrium stehen in den Startlöchern. Wenn sie Erfolg haben, wird’s rasant voran gehen. Mit denen kann man dann auch Sonnenstrom vom Sommer in den Winter bringen. Zuerst müssen wir jetzt aber mal genügend Solarstrom produzieren im Sommer, den wir überhaupt speichern könnten. Sobald wir im Sommer zuviel Strom haben, werden intelligente Lösungen schnell verfügbar sein. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir im Bereich der Speicherung in den nächsten Jahren den Aufstieg disruptiver Technologien erleben, die völlig neue Möglichkeiten bieten werden. Und ausserdem: eine Solaranlage im Mittelland produziert circa 30 Prozent des Jahresertrags in den Wintermonaten.

Bis 2050 soll aber die ganze Energieversorgung elektrifiziert sein. Wir reden dann nicht mehr von 26 Prozent des Energieverbrauchs, den wir mit erneuerbarem Strom bedienen müssen, sondern von 100 Prozent. Sind Sie nicht zu optimistisch?

Es wird schwierig, ja. Darum müssen wir auch bei unserem Lebensstil ansetzen. Nehmen wir zum Beispiel den Verkehr: Statt dass wir jetzt auf kleine leichte Fahrzeuge setzen, fördern wir noch immer grosse und schwere. Die sind jetzt zwar elektrisch, verschlingen aber trotzdem enorme Mengen an Ressourcen, Stichwort «graue Energie».  Verkehr heisst auch Strassenbau – da geht ebenfalls enorm viel Energie rein. Insofern bedeutet für mich eine zu 100 Prozent elektrifizierte Energieversorgung erstens Negawatt - Energieschleudern einsparen. Und zweitens muss man sich fragen, ob wir überhaupt alle Öl- und Gasheizungen ersetzen müssen. Wärmepumpen in höheren Lagen in Altbauten gleichen im Winter lediglich besseren Elektroheizungen. Mit einer Gesamtenergieschau könnte man vielleicht zum Ergebnis kommen, dass wir in höheren Lagen Holzheizungen bauen oder Gasheizungen drin lassen, betrieben mit erneuerbarem Gas und kombiniert mit einer solarthermischen Anlage. Dafür gehen wir in anderen Bereichen intensiver vor.

Können wir unseren Strombedarf in der Schweiz erneuerbar selbst decken?

Ja. Es stellt sich aber eine Frage, in der wir uns gesellschaftlich einig werden müssen. Wollen wir weiterhin überall auf Importstrategien setzen? In fast allen Bereichen haben wir ab den 80er-Jahren umgeschwenkt von einer Selbstversorger- zu einer Importstrategie. Damals wurde noch viel mehr lokal produziert. Nun hat man sich hin zu einer globalisierten Wirtschaft mit entsprechenden Import-/Exportstrategien orientiert. Plötzlich werden Lebensmittel importiert, Futtermittel in grossem Stil. Auch beim Strom hat man zunehmend auf eine Importstrategie gesetzt. Jetzt sind wir viel zu abhängig.

Viele sprechen von Wohlstand, meinen aber Luxus

Von der Globalisierung hängt auch unser Wohlstand ab. Können wir den denn erhalten, wenn wir von Importstrategien abweichen?

Die Frage ist, wie man Wohlstand definiert. Viele sprechen von Wohlstand, meinen aber Luxus. Ich bin überzeugt davon: mit einem achtsamen Lebensstil tragen wir nicht nur mehr Sorge zu uns, der Gesellschaft und der Natur, sondern können auch unseren Lebensstandard und unseren Wohlstand erhalten.

Aber müssen wir uns denn komplett autark mit Energie versorgen können?

Die Lösung wird wohl nicht in den Extremen liegen. Wir werden weiterhin ins europäische Verbundnetz eingebunden sein. Gleichzeitig sollten wir aber zusehen, dass wir möglichst viel selbst lokal produzieren. Das Wichtigste  ist, dass wir in der Bilanz nur noch so viel verbrauchen, wie wir selbst produzieren können.

Welche Innovationen würden Sie sich im Bereich der Solarenergie wünschen?

Es braucht eigentlich vorerst keine weiteren Innovationen. Alles, was wir jetzt brauchen, ist fertig entwickelt und serienreif. Man muss die Technologien endlich im grossen Stil anwenden. Wind, Solar, Energieeffizienz – wir sind nirgends so weit, wie wir es sein könnten, wenn wir einfach konsequent umsetzen würden. Ich kenne Firmen, die haben ihre Effizienzmassnahmen nicht umgesetzt, weil sich diese nicht innert sechs Monaten amortisieren. Das ist deren Zeithorizont aufgrund des Bilanzzyklus’. Man denkt teilweise nicht mal über diese Perioden hinaus. Da muss man dann auch nicht mehr weiter diskutieren. Wir könnten jetzt einfach loslegen.

AKW sind nicht nachhaltig: Sie bedingen importierte Energie

Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich den Einsatz moderner AKW vorstellen?

AKW sind nicht nachhaltig. Sie bedingen importierte Energie. Uran kommt aus dem Ausland, aus nicht immer zweifelsfreien Staaten. Zudem sind sie zu teuer und wir bräuchten sicher 20 Jahre, bis wir ein neues Kernkraftwerk am Netz hätten. Bis dahin ist die Energiewende zu grossen Teilen durch in der Schweiz, wenn wir uns jetzt ranhalten. Erneuerbare sind viel günstiger und haben praktisch keine Betriebskosten. Schauen wir als Beispiel nach England, wo man jetzt im Nuklearkomplex Hinkleypoint eine neue Anlage baut. Die erhalten um die 12 bis 13 Rappen garantierten Abnahmepreis für ihren Strom. Zusätzlich müssen sie das Kraftwerk nicht im entsprechenden Ausmass versichern und die Entsorgung der nuklearen Abfälle übernimmt die Öffentliche Hand. Unter diesen Rahmenbedingungen baue ich Ihnen jede erneuerbare Anlage. Wir schaffen das preiswerter. Zumal ein neues AKW nur circa 4 Prozent des Schweizerischen Gesamtenergiebedarfs decken würde. Diese Energiemenge wäre schneller und effektiver eingespart als produziert. Die Diskussion ist eine Scheindebatte und bindet nur Ressourcen, die wir jetzt dringend bräuchten, um bei den Erneuerbaren vorwärtszumachen.

Welches sind für Sie aktuell die vielversprechendsten Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien in der Schweiz?

Es tut sich sehr viel auf verschiedenen Ebenen. Von den Privatpersonen, die ihren eigenen Verbrauch optimieren, über die Gemeinden bis hin zum Bund. Die Frage ist eher, welche Projekte fehlen. Hier würde ich mir eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit unserem Lebensstil wünschen.

Die Energiewende bedeutet für mich…

…nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu leben und auch Pflanzen und Tieren den Lebensraum zuzugestehen, den sie brauchen. Wir sollten nicht mehr verbrauchen als wir selbst produzieren können.  

Eine erneuerbare Energiezukunft hängt auch massgeblich davon ab, ob es uns gelingt, Solarenergie vom Sommer in den Winter zu speichern.

Nicht unbedingt. Erneuerbare Energien bestehen ja nicht nur aus Solarenergie. Dazu gehören auch Wind, Wasser und Biomasse. Und insbesondere die sogenannte Negawatt-Energie ist entscheidend. Jede Kilowattstunde, die nicht produziert werden muss, ist ökologischer und man muss sie auch nicht speichern. Effizienz, Nachhaltigkeit, Energiebescheidenheit – darauf müssen wir fokussieren. Die Speicherthematik ist lösbar. Dafür sind wir Ingenieure da. Man muss es nur wollen. Es gibt zahlreiche Studien, die bestätigen, dass wir uns in der Schweiz selbständig mit Strom versorgen können. Mittels Demand-side-management können wir unseren Verbrauch so optimieren, dass wir Energie dann verbrauchen, wenn sie vorhanden ist. Power-to-X ermöglicht die Speicherung von Strom in Gasen oder als Wärme. Aber wie gesagt: die Effizienz ist entscheidend. Wenn wir 20 Prozent effizienter werden, müssen wir 20 Prozent weniger zubauen. Das ist sehr einfach und günstig umzusetzen und bedeutet keinen Komfortverlust.

Müssen wir dazu die Staumauern erhöhen und neue Stauseen erschliessen?

Ich bin mit einem pensionierten Förster befreundet. Von ihm habe ich gelernt, die Natur zu schätzen. Insbesondere auch Bäume und Pflanzen. Deswegen spreche ich mich dagegen aus. Wir Menschen dürfen uns nicht noch mehr nehmen. Wir müssen andere Lösungen finden. Und das können wir auch.

Sobald wir im Sommer zuviel Strom haben, werden intelligente Speicherlösungen schnell verfügbar sein

Wie?

Wir können bei der Frage anfangen, der wir uns diesen Winter stellen mussten. Nämlich ob man die Zimmertemperatur im Winter von 21 auf 20 Grad reduziert. Mit dieser Massnahme spart man nicht nur Energie, sondern auch viel Geld und es würde unseren Komfort nicht mindern. Dann müssen wir Speicherlösungen ausbauen, Kurzfrist-Speicher auf Basis des bidirektionalen Speicherns von Strom in E-Autos wird kommen. Neue Batterien auf Basis von Natrium stehen in den Startlöchern. Wenn sie Erfolg haben, wird’s rasant voran gehen. Mit denen kann man dann auch Sonnenstrom vom Sommer in den Winter bringen. Zuerst müssen wir jetzt aber mal genügend Solarstrom produzieren im Sommer, den wir überhaupt speichern könnten. Sobald wir im Sommer zuviel Strom haben, werden intelligente Lösungen schnell verfügbar sein. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir im Bereich der Speicherung in den nächsten Jahren den Aufstieg disruptiver Technologien erleben, die völlig neue Möglichkeiten bieten werden. Und ausserdem: eine Solaranlage im Mittelland produziert circa 30 Prozent des Jahresertrags in den Wintermonaten.

Bis 2050 soll aber die ganze Energieversorgung elektrifiziert sein. Wir reden dann nicht mehr von 26 Prozent des Energieverbrauchs, den wir mit erneuerbarem Strom bedienen müssen, sondern von 100 Prozent. Sind Sie nicht zu optimistisch?

Es wird schwierig, ja. Darum müssen wir auch bei unserem Lebensstil ansetzen. Nehmen wir zum Beispiel den Verkehr: Statt dass wir jetzt auf kleine leichte Fahrzeuge setzen, fördern wir noch immer grosse und schwere. Die sind jetzt zwar elektrisch, verschlingen aber trotzdem enorme Mengen an Ressourcen, Stichwort «graue Energie».  Verkehr heisst auch Strassenbau – da geht ebenfalls enorm viel Energie rein. Insofern bedeutet für mich eine zu 100 Prozent elektrifizierte Energieversorgung erstens Negawatt - Energieschleudern einsparen. Und zweitens muss man sich fragen, ob wir überhaupt alle Öl- und Gasheizungen ersetzen müssen. Wärmepumpen in höheren Lagen in Altbauten gleichen im Winter lediglich besseren Elektroheizungen. Mit einer Gesamtenergieschau könnte man vielleicht zum Ergebnis kommen, dass wir in höheren Lagen Holzheizungen bauen oder Gasheizungen drin lassen, betrieben mit erneuerbarem Gas und kombiniert mit einer solarthermischen Anlage. Dafür gehen wir in anderen Bereichen intensiver vor.

Können wir unseren Strombedarf in der Schweiz erneuerbar selbst decken?

Ja. Es stellt sich aber eine Frage, in der wir uns gesellschaftlich einig werden müssen. Wollen wir weiterhin überall auf Importstrategien setzen? In fast allen Bereichen haben wir ab den 80er-Jahren umgeschwenkt von einer Selbstversorger- zu einer Importstrategie. Damals wurde noch viel mehr lokal produziert. Nun hat man sich hin zu einer globalisierten Wirtschaft mit entsprechenden Import-/Exportstrategien orientiert. Plötzlich werden Lebensmittel importiert, Futtermittel in grossem Stil. Auch beim Strom hat man zunehmend auf eine Importstrategie gesetzt. Jetzt sind wir viel zu abhängig.

Viele sprechen von Wohlstand, meinen aber Luxus

Von der Globalisierung hängt auch unser Wohlstand ab. Können wir den denn erhalten, wenn wir von Importstrategien abweichen?

Die Frage ist, wie man Wohlstand definiert. Viele sprechen von Wohlstand, meinen aber Luxus. Ich bin überzeugt davon: mit einem achtsamen Lebensstil tragen wir nicht nur mehr Sorge zu uns, der Gesellschaft und der Natur, sondern können auch unseren Lebensstandard und unseren Wohlstand erhalten.

Aber müssen wir uns denn komplett autark mit Energie versorgen können?

Die Lösung wird wohl nicht in den Extremen liegen. Wir werden weiterhin ins europäische Verbundnetz eingebunden sein. Gleichzeitig sollten wir aber zusehen, dass wir möglichst viel selbst lokal produzieren. Das Wichtigste  ist, dass wir in der Bilanz nur noch so viel verbrauchen, wie wir selbst produzieren können.

Welche Innovationen würden Sie sich im Bereich der Solarenergie wünschen?

Es braucht eigentlich vorerst keine weiteren Innovationen. Alles, was wir jetzt brauchen, ist fertig entwickelt und serienreif. Man muss die Technologien endlich im grossen Stil anwenden. Wind, Solar, Energieeffizienz – wir sind nirgends so weit, wie wir es sein könnten, wenn wir einfach konsequent umsetzen würden. Ich kenne Firmen, die haben ihre Effizienzmassnahmen nicht umgesetzt, weil sich diese nicht innert sechs Monaten amortisieren. Das ist deren Zeithorizont aufgrund des Bilanzzyklus’. Man denkt teilweise nicht mal über diese Perioden hinaus. Da muss man dann auch nicht mehr weiter diskutieren. Wir könnten jetzt einfach loslegen.

AKW sind nicht nachhaltig: Sie bedingen importierte Energie

Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich den Einsatz moderner AKW vorstellen?

AKW sind nicht nachhaltig. Sie bedingen importierte Energie. Uran kommt aus dem Ausland, aus nicht immer zweifelsfreien Staaten. Zudem sind sie zu teuer und wir bräuchten sicher 20 Jahre, bis wir ein neues Kernkraftwerk am Netz hätten. Bis dahin ist die Energiewende zu grossen Teilen durch in der Schweiz, wenn wir uns jetzt ranhalten. Erneuerbare sind viel günstiger und haben praktisch keine Betriebskosten. Schauen wir als Beispiel nach England, wo man jetzt im Nuklearkomplex Hinkleypoint eine neue Anlage baut. Die erhalten um die 12 bis 13 Rappen garantierten Abnahmepreis für ihren Strom. Zusätzlich müssen sie das Kraftwerk nicht im entsprechenden Ausmass versichern und die Entsorgung der nuklearen Abfälle übernimmt die Öffentliche Hand. Unter diesen Rahmenbedingungen baue ich Ihnen jede erneuerbare Anlage. Wir schaffen das preiswerter. Zumal ein neues AKW nur circa 4 Prozent des Schweizerischen Gesamtenergiebedarfs decken würde. Diese Energiemenge wäre schneller und effektiver eingespart als produziert. Die Diskussion ist eine Scheindebatte und bindet nur Ressourcen, die wir jetzt dringend bräuchten, um bei den Erneuerbaren vorwärtszumachen.

Welches sind für Sie aktuell die vielversprechendsten Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien in der Schweiz?

Es tut sich sehr viel auf verschiedenen Ebenen. Von den Privatpersonen, die ihren eigenen Verbrauch optimieren, über die Gemeinden bis hin zum Bund. Die Frage ist eher, welche Projekte fehlen. Hier würde ich mir eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit unserem Lebensstil wünschen.

Die Energiewende bedeutet für mich…

…nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu leben und auch Pflanzen und Tieren den Lebensraum zuzugestehen, den sie brauchen. Wir sollten nicht mehr verbrauchen als wir selbst produzieren können.