Notstromfähigkeit gewinnt an Bedeutung

Notstromfähigkeit gewinnt an Bedeutung

Eigenheimbesitzer, die eine Solaranlage anschaffen, tun das immer etwa aus ähnlichen Gründen. Sie wollen einen Beitrag für die Energiezukunft leisten, Geld sparen oder das gute Gefühl haben, ihren Strom selbst zu produzieren. Es gibt aber auch Menschen, die aus Sicherheitsüberlegungen Solarstromproduzenten werden.

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«Ich habe das Buch ‚Blackout‘ gelesen und im Bezirk Meilen hatten wir im letzten Jahr einige mehrstündige Stromausfälle», erzählt der ETH-Elektroingenieur, der namentlich nicht genannt werden will. «Seither bin ich persönlich überzeugt: Die Versorgungssicherheit wird künftig sinken.» Er habe deshalb beschlossen, eine Solaranlage mit Batteriespeicher und vollwertiger Notstromfunktion anzuschaffen – um sich im Falle eines Stromausfalls selbst versorgen zu können.

Ein möglichst grosser Teil der Dachfläche wurde mit Solarmodulen belegt.
Batteriespeicher mit 28 kWh Nennkapazität und 18 kW Leistung

Ein Einfamilienhaus, das sich auch bei Stromunterbrüchen, die mehrere Tage dauern, selbst versorgen kann? Keine alltägliche Aufgabe für die Ingenieure von EKZ. «Eine spannende Herausforderung», bringt es Projektleiter Lukas Müller auf den Punkt. «Normalerweise legen unsere Kunden den Fokus auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlage und wollen ihren Eigenverbrauch optimieren – also möglichst viel des auf dem Dach produzierten Stroms direkt im Haus verbrauchen. Die Notstromfähigkeit steht selten im Vordergrund, was aufgrund der hohen Verfügbarkeit des EKZ-Netzes nachvollziehbar ist.»

Fokus: Weiterversorgung bei Stromunterbruch

Die Anlage aus dem Bezirk Meilen fokussiert aber eben nicht auf Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit, sondern auf die Weiterversorgung des Einfamilienhauses im Falle eines Stromunterbruchs. «Wir evaluierten für diese Anlage Komponenten, die ideal auf die Kundenbedürfnisse und den Projektstandort abgestimmt sind», erklärt Projektleiter Müller. «Wir installierten beispielsweise einen Batteriespeicher, der mit 28 Kilowattstunden und 18 Kilowatt die fünffache Nennkapazität und die zehnfache Leistung aufweist, verglichen mit dem Durchschnitt der bisher im Einfamilienhausbereich verkauften Speicher. Auch die Solaranlage auf dem Dach des Hauses wurde so leistungsfähig wie möglich realisiert und erreicht eine Spitzenleistung von 19,5 Kilowatt. Aufgrund der komplizierten Dachgeometrie kamen smarte Module mit Leistungsoptimierung auf Zellstringebene zum Einsatz. Diese haben eine höhere Verschattungstoleranz und erlauben eine einfachere Verschaltung.»

Die Solarmodule verfügen über eine besonders hohe Verschattungstoleranz.

Mit der Anlage kann sich der Kunde nun während längerer Zeit unabhängig vom Verteilnetz mit Energie versorgen: im Winter während einigen Tagen, im Sommer mit geringen Einschränkungen sogar unbegrenzt. Die effektive Dauer hängt von der Sonneneinstrahlung, dem Verbrauch und dem Ladezustand des Batteriespeichers ab. «Wer so eine Anlage baut, muss ausserordentlich viel Wert auf die Versorgungssicherheit legen», betont Lukas Müller. «Solche Anlagen sind derzeit noch relativ teuer. Da die Preise für Speicher aber weiter sinken werden, kann zukünftig mit einer besseren Wirtschaftlichkeit gerechnet werden.»

Auch die Prioritäten in der Steuerungslogik der Anlage wurden abweichend zum Standardfall festgelegt. «Beim Fokus auf Eigenverbrauch und maximale Effizienz wird – wenn der Produktionsüberschuss der Solaranlage genügend gross ist – zum Beispiel der Boiler mit Solarstrom geheizt, bevor der Batteriespeicher geladen wird», erklärt Projektleiter Müller. Aus diesem Blickwinkel mache es wenig Sinn, zuerst den Batteriespeicher zu laden und später allenfalls den Batteriestrom zur Ladung des Boilers zu verwenden. «Wenn man den Schwerpunkt aber auf die Versorgungssicherheit legt, dann ist es sinnvoll, zuerst die Batterie zu laden – damit diese im Fall eines Stromunterbruchs möglichst voll ist.»