Nächster Halt: Smart City

Nächster Halt: Smart City

Noch ist keine Gemeinde oder Stadt in der Schweiz smart bis in die letzte Ecke. Erste Smart-City-Lösungen gibt es aber vielerorts. Am Aufbau der smarten Infrastruktur im Kanton Zürich ist auch EKZ beteiligt. Wir zeigen, wo die Digita­lisierung konkret wird.

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Die Digitalisierung macht viele Dinge smart: vom Telefon über den Stromzähler bis hin zur ganzen Stadt. Wie aber muss man sich eine Smart City vorstellen? «Als eine nachhaltige und effiziente Stadt, die sich den Bedürfnissen der Menschen anpasst, ihnen Lebensqualität bietet und den Alltag erleichtert», erklärt Marina Rodríguez Aliberas, Smart City Applications Engineer bei EKZ. «Dafür nutzt die Smart City die Möglichkeiten der Digitalisierung. Dank Technologie und Vernetzung können Städte und Gemeinden neue Dienstleistungen anbieten und die Effizienz in ihren Prozessen steigern.»

Smarte Mobilität

Viele Städte und Gemeinden gehen bei der Mobilität neue Wege. Verkehrsfluss-Monitoring und Sensoren mit Fahrzeugerkennung unterstützen Städte und Gemeinden bei der Verkehrsplanung. So zum Beispiel in Graz. Die österreichische Stadt setzt auf eine Handvoll sogenannter multimodaler Knoten. «An diesen Knoten werden verschiedene Mobilitäts­angebote gebündelt, was das Umsteigen zwischen ­öffentlichen Verkehrsmitteln, Elektromobilität, Car- und E-Bike-Sharing-Angeboten erleichtert.» Im Zu­sammenhang mit dem Verkehr werden oft auch Daten zur Luftqualität erhoben, die für die Mobilitätsplanung ebenfalls von Interesse sind. In der schwedischen Hauptstadt werden diese Daten sogar geteilt. «Die Verkehrsdaten aus einem Quartier in Stockholm werden der Öffentlichkeit anonymisiert zur Verfügung gestellt, um Innovation und neue Initiativen für die Stadt zu ­fördern», erzählt Rodríguez Aliberas. 

«Der Mensch muss die Entwicklung vorantreiben. Es geht darum, was wir als Menschen brauchen, und nicht, was technologisch möglich ist.» 
Gratis surfen in Effretikon: Wer sich auf dem Märtplatz aufhält, kann das öffentliche WLAN nutzen, das im Lichtmast im Hintergrund eingebaut ist. Als Smart City Applications Engineer kann Marina ­Rodríguez Aliberas zudem über ein Online-Portal das Licht des Lichtmasts steuern oder nachschauen, wie oft das WLAN benutzt wurde.
Gratis surfen in Effretikon: Wer sich auf dem Märtplatz aufhält, kann das öffentliche WLAN nutzen, das im Lichtmast im Hintergrund eingebaut ist. Als Smart City Applications Engineer kann Marina ­Rodríguez Aliberas zudem über ein Online-Portal das Licht des Lichtmasts steuern oder nachschauen, wie oft das WLAN benutzt wurde. (Foto: Sophie Stieger)
Der Märtplatz in Effretikon beim Eindunkeln. Beim multifunktionalen Lichtmast zeigt der grüne LED-Ring an, dass die Ladestation für Elektrovelos frei ist. Die Leuchte ist auf den Veloabstellplatz gerichtet und schaltet sich nur bei Bedarf ein.
Der Märtplatz in Effretikon beim Eindunkeln. Beim multifunktionalen Lichtmast zeigt der grüne LED-Ring an, dass die Ladestation für Elektrovelos frei ist. Die Leuchte ist auf den Veloabstellplatz gerichtet und schaltet sich nur bei Bedarf ein. (Foto: Frank Schwarzbach)
Das verkehrsbeobachtende Licht in Urdorf, das die Lichtstärke dem Verkehrsaufkommen anpasst (links). Bei wenig bis keinem Verkehr wird es gedimmt (rechts).
Das verkehrsbeobachtende Licht in Urdorf, das die Lichtstärke dem Verkehrsaufkommen anpasst (links). Bei wenig bis keinem Verkehr wird es gedimmt (rechts). (Foto: Günter Bolzern)
Der Smart City Tower in Wädenswil. Der Smart City Tower in Wädenswil. Er gibt Licht, ist eine Ladestation für E-Autos, stellt ein öffentliches WLAN zur Verfügung und sammelt Umweltdaten.
Der Smart City Tower in Wädenswil. Er gibt Licht, ist eine Ladestation für E-Autos, stellt ein öffentliches WLAN zur Verfügung und sammelt Umweltdaten. (Foto: Elektron)
Seit dem Herbst 2018 steuert der Smart City Tower zudem die öffentliche Beleuchtung an der Seestrasse - nach dem Prinzip des verkehrsbeobachtenden Lichts in Urdorf.
Seit dem Herbst 2018 steuert der Smart City Tower zudem die öffentliche Beleuchtung an der Seestrasse - nach dem Prinzip des verkehrsbeobachtenden Lichts in Urdorf. (Foto: Elektron)
Smarte Lösungen für den Kanton Zürich (für Details siehe gelbe Infobox unten).
Smarte Lösungen für den Kanton Zürich (für Details siehe gelbe Infobox unten).

Smarte Infrastruktur und Energieversorgung

Eine Smart City braucht aber auch intelligente Lösungen für die Infrastruktur und die Energieversorgung. «Dazu gehören die multifunktionalen Lichtmasten in Effretikon und Wädenswil oder die intelligente Steuerung für die Strassenbeleuchtung in Urdorf», zählt Marina Rodríguez Aliberas auf. Es sind alles Projekte, die das Team der öffentlichen Beleuchtung von EKZ realisiert hat. Dank der Digitalisierung sind zudem Apps möglich, um die Infrastruktur instand zu halten – wie der «EKZ-Melder»: Wer eine defekte Strassenleuchte oder einen Baum in einer Freileitung beobachtet, kann dies einfach und schnell über die App melden.

Aber auch in der Verwaltung setzen viele Städte und Gemeinden auf smarte Lösungen: «Wenn ich umziehe, kann ich mich online am alten Ort ab- und am neuen Ort anmelden. Ich kann elektronisch wählen und abstimmen und vieles mehr.» Auch für Menschen, die sich nur kurz in der Smart City aufhalten, eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, sagt Marina Rodríguez Aliberas: «Für Touristen ist es ­interessant, mithilfe der neuen Technologien live vor Ort Infos zu bekommen oder Feedback geben zu ­können.»

Jede Smart City ist anders

Viele Smart-City-Lösungen sind heute möglich, weil sich die Technologien dafür weiterentwickelt haben, aber auch weil deren Kosten stark gesunken sind. Zudem profitieren viele dieser Lösungen von einer Verstärkung der öffentlichen Kommunikationsinfrastruktur für die Datenübertragung. «Bei allen technologischen Möglichkeiten darf man nicht vergessen, dass die Digitalisierung das Mittel ist und nicht der Zweck», betont ­Marina Rodríguez Aliberas. Das sei der Grundsatz ­einer Smart-City-Lösung, ob für die Mobilität, die Energieversorgung oder den Tourismus: «Der Mensch muss die Entwicklung vorantreiben. Es geht darum, was wir als Menschen brauchen, und nicht, was technologisch möglich ist.» Jede Gemeinde oder Stadt hat andere Bedürfnisse und Anforderungen, deswegen seien auch die Planung und die Umsetzung sehr unterschiedlich. «Und es ist wichtig, die Bevölkerung, das Gewerbe und die Behörden miteinzubeziehen, um ihre Bedürfnisse richtig zu verstehen. Je mehr diese involviert sind, umso grösser der Nutzen und Erfolg eines Projekts.» Da eine Smart-City-Lösung meist mehrere Bereiche einer Gemeinde oder Stadt beeinflusst, sind viele Parteien an den Projekten beteiligt: Versorger (Energie-, Wasser-, Müll/Recycling, Kommunikation), Mobilitätspartner, die Industrie, Start­ups, Verbände und viele mehr.

Multifunktionale Lichtmasten

Sie geben mehr als nur Licht: Seit 2017 stehen im Versorgungsgebiet von EKZ zwei multifunktionale Lichtmasten. Sie sind so gebaut, dass sie in Zukunft bei Bedarf weitere Funktionen übernehmen könnten.

1 Effretikon, Märtplatz

  • Licht
  • Zusätzliche Leuchte für Veloabstellplatz
  • Ladestation für E-Bikes
  • Öffentliches WLAN
  • Mögliche zusätzliche Funktionen: Sensoren an Abfallkübeln auf Märtplatz melden automatisch, wann diese geleert werden sollen; Lärm- und Umweltsensoren.

2 Wädenswil, Bahnhof: Smart City Tower

  • Licht
  • Ladestation für E-Autos
  • Öffentliches WLAN
  • Umweltdaten
  • Dynamische Lichtsteuerung für Seestrasse (siehe 6)

3 Schlieren, Färbiplatz

  • Licht
  • Ladestation für E-Autos

Kopplung von Licht­steuerung und Verkehrsmessung

Ein Licht, das sich der Umgebung anpasst, ist ein wichtiger Baustein einer Smart City. Verknüpft man Verkehrsmessung und Lichtsteuerung, lässt sich die Lichtstärke sanft und fliessend dem Verkehrsaufkommen anpassen – als ob das Licht den Verkehr beobachten würde.

Was das EKZ-Beleuchtungsteam aktuell im Kleinen testet, soll später auch im grossen Massstab funktionieren: Gemeinden und Städte mit einem dichten Netz an Strassen und -leuchten. Deshalb setzt EKZ die gleiche Idee an verschiedenen Orten mit verschiedenen Komponenten um.

4 Urdorf, Birmensdorferstrasse

An der Birmensdorferstrasse, einer Kantonsstrasse, steht seit 2015 die Pilotanlage des verkehrsbeobachtenden Lichts. In diesem Jahr wird die Anlage erweitert: An einem weiteren Abschnitt der Ortsdurchfahrt soll das Licht dynamisch gesteuert werden. Die Herausforderung für die Steuerung: Zwischen dem bestehenden und dem neuen Abschnitt befindet sich ein Kreisel, an dem Verkehr ab- und zufliessen kann.

5 Neftenbach, Rietstrasse

Die Rietstrasse, eine Kantonsstrasse, welche die beiden Ortsteile Riet und Aesch verbindet, wird instand gesetzt. Gleichzeitig wird die Beleuchtung erneuert. Auch hier wird bis Ende Jahr die Idee des verkehrsbe­o­bachtenden Lichts umgesetzt.

6 Wädenswil, Seestrasse

Auf einem Abschnitt der Seestrasse soll das Licht ebenfalls dynamisch gesteuert werden. Der Sensor, der den Verkehr misst, befindet sich im Smart City Tower.

ekz.ch/smartcity