Wieso Sonne im Boiler sinnvoll ist

Wieso Sonne im Boiler sinnvoll ist

Wie können wir unseren Solarstrom intelligenter nutzen? Es ist eine der grossen Herausforderungen der Energiezukunft. Einen Lösungsansatz zeigt das Pilotprojekt «Sonne in den Boiler». Projektleiterin Marina González Vayá erklärt, wieso es sinnvoll ist, mit Solarstrom Boiler zu heizen und wieso dadurch weniger Netzausbau nötig wird.

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Marina González Vayá das Pilotprojekt in Rickenbach-Sulz ist nach zwei Jahren beendet – was wurde genau gemacht in Rickenbach?

Wir haben – basierend auf unserer Smart-Metering-Infrastruktur – einen Ansatz getestet, um Solarstrom intelligenter zu nutzen. Dafür haben wir die Warmwasserboiler im Quartier immer dann geheizt, wenn die grosse lokale Solaranlage besonders viel Strom produziert hat. Wir haben eine intelligente Steuerung entwickelt, die anhand von Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen in Echtzeit ermittelt, wann die Boiler geheizt werden müssen.

Projektleiterin Marina González Vayá
Projektleiterin Marina González Vayá

Ist es sinnvoll, Solarstrom zum Heizen von Boilern zu verwenden?

Es geht in erster Linie darum, Wege zu finden, den Solarstrom intelligent zu nutzen. Der Anteil an Solarstrom im Netz wird in den nächsten Jahren weiter stark steigen. Die Sonne scheint aber nicht immer dann, wenn es besonders viel Strom braucht. Der Ansatz in Rickenbach trägt dazu bei, den Solarstrom direkt zum Zeitpunkt und am Ort der Erzeugung zu verbrauchen. So wird das Netz weniger stark belastet. Das bedeutet wiederum: weniger Netzausbau. Der Solarstrom könnte also auch zum Laden von Elektroautos oder in Wärmepumpen verbraucht werden. Wir haben uns in diesem Projekt für die Boiler entschieden – Boiler sind derzeit die am häufigsten vorkommende flexible Last.

Das heisst, das Projekt wird noch weiter ausgebaut?

Das Pilotprojekt in Rickenbach ist beendet. Wir haben bewiesen, dass der Ansatz technisch funktioniert. Allerdings wollen wir die Erkenntnisse daraus natürlich in die Praxis einfliessen lassen – zum Beispiel in unsere einfachsolar-Steuerung, die bereits in vielen Einfamilienhäusern im Einsatz ist. Wir entwickeln den Ansatz auch weiter, um künftig weitere Verbraucher ansteuern zu können.

Sie haben erwähnt, dass Sie damit einen Netzausbau allenfalls verzögern könnten. Wie geht das?

Unser Verteilnetz wird anhand der benötigten Leistung geplant. Wenn in einem Quartier immer mehr Solaranlagen gebaut werden, ohne dass deren Strom gleich vor Ort verbraucht wird, fliesst an sonnigen Tagen irgendwann so viel Strom zurück ins Netz, dass es ausgebaut werden muss. Wenn wir aber diese Leistungsspitzen abfangen und den Strom lokal – eben zum Beispiel in Boilern – direkt verbrauchen können, stossen wir erst später an diese Grenze. Ein Netzausbau wird entsprechend auch erst später nötig.

War das Projekt in Rickenbach erfolgreich? Wurde die Leistungsspitze im Quartier abgefangen?

Ja. Mit der intelligenten Ansteuerung von Warmwasserboilern konnten wir die tägliche Rückfluss-Leistungsspitze der Solaranlage im Quartier deutlich reduzieren. Die Boiler im Quartier bezogen während des Projekts mehr als 20 Prozent ihres Stroms aus lokaler Produktion. Und – was mich natürlich ebenfalls freut: Es hat auch technisch funktioniert. Keiner der Pilotkunden musste kalt duschen.