Dünnschicht-Module im Praxistest

Dünnschicht-Module im Praxistest

Auf dem EKZ-Areal in Ohringen bei Winterthur steht ein Carport mit Solaranlage. Elektroautos können hier Strom direkt vom Dach laden. Der stromproduzierende Unterstand ist Teil des EU-Projekts «PVSites», das die Gebäudeintegration flexibler Solarmodule demonstriert und testet.

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Für den unbeteiligten Passanten ist am neuen Carport in Ohringen nichts Besonderes zu erkennen. Der Autounterstand bietet unter dem geschwungenen Dach sieben Personenwagen Platz. Aber: Was auf das Runddach laminiert wurde, ist aussergewöhnlich. Der Carport auf dem EKZ-Areal ist einer von zwei Carports in der Schweiz, auf denen eine neuartige Solartechnologie der Firma Flisom getestet wird. «Diese Module wurden erst gerade entwickelt und werden hier zum ersten Mal getestet», sagt Julian Perrenoud, Leiter Entwicklung bei Flisom. Das ETH-/Empa-Spinoff entwickelt und produziert flexible Photovoltaik-Module. Mit 0,025 Millimetern ist die neuste Generation hauchdünn und entsprechend leicht – mit 60 Gramm pro Quadratmeter leichter als gewöhnliches Druckpapier.

«Wir testen hier die Herstellung, den Einfluss des Wetters und die Energieproduktion.»

Darüber hinaus sind diese sogenannten Dünnschicht-Module biegsam und können damit an Stellen und auf Oberflächen eingesetzt werden, wo herkömmliche Solarmodule nicht in Frage kommen.  Das eröffnet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten wie etwa jene des Solarcarports. Im Rahmen des Horizon-2020-Forschungsprogramms «PVSites» der EU werden diese Module nun bei zwei Pilotprojekten direkt in die Gebäudehülle integriert und getestet. «Wir testen die Herstellung, den Einfluss von Wind und Wetter und die Energieproduktion», so Perrenoud. EKZ und EMPA ermöglichen den Test der Module auf zwei Carport-Prototypen, welche zusammen mit «Swisscarport» aus Attiswil entwickelt wurden.

Eine Chance für die Energiezukunft

EKZ arbeitet eng mit innovativen Jungunternehmen, Universitäten und Fachhochschulen zusammen, um die Energiezukunft der Schweiz mitzugestalten und voranzutreiben. So stellt EKZ den Boden für den Horizon-2020-Solarcarport zur Verfügung und kümmerte sich um Aufbau und Elektroinstallationen. EKZ trägt so dazu bei, dass neue Technologien im Bereich erneuerbare Energie Marktreife erlangen können. «Wir betrachten es als spannende Aufgabe, innovative Projekte und Unternehmen zu fördern, die einen Beitrag zu einer nachhaltigen und sicheren Stromversorgung in der Schweiz leisten», sagt Urs Rengel, CEO von EKZ.

Erste Messungen überzeugen

Seit letztem Sommer ist der Solarcarport in Ohringen installiert. Anfang April startete die offizielle Testphase. Geprüft wird die Stromproduktion, aber auch die Widerstandsfähigkeit und Wetterfestigkeit des Solardaches. Bisherige Messungen zeigen viel Potenzial: Im Februar hat das Dach 327 Kilowattstunden Solarstrom produziert. An einem sonnigen Märztag waren es über 30 Kilowattstunden – genügend Energie, um mit einem durchschnittlichen Elektroauto über 230 Kilometer zu fahren.  

PV-Sites ist Teil des EU-Programms Horizon 2020, das Innovation und Forschung in der EU unterstützt. Dabei werden an Gebäuden in der EU und in der Schweiz neue Ansätze in gebäudeintegrierter Photovoltaik getestet. Hier einen Überblick über die laufenden Projekte:

  • In Genf werden ganz neue CIGS-Module an der Fassade von Gebäuden der Hotelschule montiert und getestet.
  • In San Sebstián (Nordspanien) und Wattignies (Niederlande) werden Fensterfronten von Gebäuden mit einer belüfteten Solar-Glas-Fassaden-Konstruktion versehen und getestet.
  • Auf dem Dach eines Hauses in Stambruges (Belgien) werden sogenannte Photovoltaik-Ziegel montiert und getestet.
  • In Zürich und Dübendorf werden Solarcarports mit laminierten Dünnschicht-Modulen aufgestellt und getestet.

Ziel des Projektes ist es, flexible Solarmodule, die sich besser in die Hülle eines Gebäudes oder Objektes integrieren lassen, zu testen. Damit soll dem Bedürfnis nach speziellen Lösungen im Solarbereich für Gebäude aber auch weiteren Ojekten wie etwa Fahr- oder Flugzeugen begegnet werden. Die Entwicklungsprojekte werden alle von der EU finanziert.