Wie fliesst der Strom?

Wie fliesst der Strom?

Das Schweizer Stromnetz wurde ursprünglich als Einbahnstrasse gebaut. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien fliesst Strom aber vermehrt auch von den Kunden zurück ins Netz. In Bonstetten untersucht EKZ diese Stromflüsse.

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Seit über 100 Jahren ist die Schweiz elektrifiziert. Der Strom fliesst seither im Wesentlichen nur in eine Richtung: Das Kraftwerk produziert, der Strom fliesst übers Netz zu den Firmen und Haushalten und wird dort verbraucht. Das ist allerdings die alte Welt der Stromversorgung. Im Laufe der letzten 100 Jahre hat sich einiges getan. «Das Modell ist so nicht mehr gültig», sagt Nils Beckhaus, der das EKZ-Pilotprojekt in Bonstetten leitet. «Immer häufiger fliesst der Strom auch von den Kunden – zum Beispiel aus einer Solaranlage – zurück ins EKZ-Verteilnetz.» Möglich sei auch, dass ein Kunde aus seiner Solaranlage einspeise und der Nachbar diesen Strom gleich wieder verbrauche. Welche Wege der Strom in den Zürcher Quartieren genau nimmt, weiss EKZ nur theoretisch. Gemessen wird lediglich bis in die Unterwerke – das sind die Stromverteilzentralen weit weg von den Haushalten.

Kabel und Verteiler werden smart

Das ändert sich nun. Ein Pilotprojekt in Bon­stetten erlaubt den EKZ-Spezialisten erstmals detaillierte Einblicke in die «unteren» Teile des Stromnetzes. «Dafür haben wir eine Trafostation und zwei Verteilkabinen ‹smart gemacht›», erklärt Projektleiter Beckhaus – und meint damit die kleineren Verteilstationen im Ort und im Quartier. «Smart machen» bedeutet, dass in diesen Verteilstationen Geräte installiert werden, welche die Stromflüsse messen. «Das Quartier in Bonstetten ist gut durchmischt und damit optimal geeignet für dieses Pilotprojekt», betont Beckhaus. «Es gibt Ein- und Mehrfamilienhäuser, aber auch etwas Gewerbe und einen gros­sen Landwirtschaftsbetrieb mit Solaranlage.» Smart gemacht wurden in Bonstetten übrigens nicht nur die Trafostationen und Verteilkabinen. Laut Beckhaus setzt EKZ auch erstmals ein smartes Kabel ein. «Dank Sensoren in diesem Kabel wissen wir künftig immer, an welcher Stelle welche Temperatur herrscht.» So lassen sich die Auswirkungen von Lastspitzen auf die Kabel genauer untersuchen.

Nächster Schritt in die Energiezukunft

Nils Beckhaus geht davon aus, dass aus den erhobenen Daten künftig Schlussfolgerungen für andere Quartiere im EKZ-Verteilnetz gezogen werden können. «Konkret versprechen wir uns Erkenntnisse, die uns bei der Planung des Stromnetzes helfen.» Möglich sei beispielsweise, dass ein anstehender Netzausbau aufgrund der Erkenntnisse erst später oder schon früher angepackt werden müsse.  

Illustration: Das smarte Kabel im Querschnitt. Zwischen den drei Leitern (blaue Kreise) befinden sich vier Sensoren (rote Punkte).