Ein hervorragend umwehter Wallfahrtsort

Windenergie

Ein hervorragend umwehter Wallfahrtsort

Nur wenige Kilometer von der portugiesischen Pilgerstätte Fatima entfernt entsteht derzeit ein Windpark von EKZ. Es ist ein neues Projekt im Auslandengagement des Unternehmens.

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Millionen von Menschen pilgern Jahr für Jahr nach Fátima, eine kleine Stadt im Landesinnern von Portugal, gut eine Autostunde von Lissabon entfernt. Hier sei vor mehr als hundert Jahren drei Hirtenkindern die Muttergottes erschienen und habe ihnen eine Botschaft mitgegeben, heisst es. Ob Maria damals tatsächlich in irgendeiner Form aufgetaucht ist, muss hier offen bleiben. Sicher ist aber: Nur ein paar Kilometer vom Wallfahrtsort entfernt trifft man künftig auf sechs ganz neue Windturbinen von EKZ.

Internationale Zusammenarbeit: Mit vereinten Kräften werden insgesamt sechs Turbinen aufgestellt.

PESMA II ist der neuste Windpark im Portfolio von EKZ. Das Unternehmen beziehungsweise die Tochterfirma EKZ Renewables AG investiert seit knapp einem Jahrzehnt in die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien im Ausland. Den ersten Windpark erwarb die Firma 2011 in Frankreich, wo später weitere Anlagen dazu kamen, ebenso in Deutschland. Nach einigen Jahren begann die EKZ Renewables AG, ihr Portfolio um Photovoltaikprojekte zu erweitern und setzte nun auch auf Standorte in Portugal und Spanien. «Gerade Portugal hat sich hierbei als sehr gutes und sicheres Land für Investitionen erwiesen», sagt Hanspeter Fuchs, der als Leiter Erneuerbare Energien für die Auslandstrategie zuständig ist. Heute besteht das Auslandportfolio aus 14 Windparks mit 80 Windkraftanlagen sowie 4 Solarprojekten mit einer Gesamtkapazität von etwa 420 MW. Dazu hält die Firma Minderheitsbeteiligungen an Terravent, Repartner, HelveticWind sowie TuboSol. 

«Man muss eine Beziehung zu den Menschen aufbauen, dann ist die Motivation am grössten.»
Nebojsa Bogdanovic, EKZ-Projektleiter und verantwortlich für den Bau von PESMA II 

Nebojsa Bogdanovic, als Senior Projekt Manager bei EKZ verantwortlich für den Bau von PESMA II

Trotz der aktuellen Herausforderungen wird PESMA II wie geplant im Herbst ans Netz gehen.

Strom für eine ganze Stadt

PESMA II wird aller Voraussicht nach künftig 70 GWh Energie produzieren pro Jahr. Das entspricht in etwa dem Verbrauch von 17’000 durchschnittlichen Schweizer Haushalten. Die Anlage bei Fátima könnte also theoretisch alle Privathaushalte der Stadt Dietikon und sogar noch einige kleine Gemeinden mehr mit Strom versorgen. Die sechs Turbinen von PESMA II sind mit einem Rotordurchmesser von 126 Metern nicht nur die leistungsstärksten, sondern auch die grössten im portugiesischen Portfolio von EKZ. Das Unternehmen betreibt inklusive der neusten Anlage insgesamt fünf Windparks im Land. PESMA II erreicht etwa 3500 Volllaststunden – seine günstige Lage ist durchaus mit einem Offshore-Standort erreichbar.

Wenn die Anlage wie geplant im Herbst ans Netz geht, steht ihr eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren bevor. Die ersten neun Jahre wird der portugiesische Staat die produzierte Energie abnehmen; er garantiert EKZ für diesen Zeitraum eine Einspeisevergütung. Danach kann das Unternehmen den Strom frei verkaufen, beispielsweise an portugiesische Industriekunden oder Versorgungsunternehmen, oder es importiert ihn in die Schweiz.

Die Montage der Flügel ist Präzisionsarbeit.

Projekt mit vielen Herausforderungen

Beim Projekt PESMA II hat EKZ zum ersten Mal bei einem Auslandengagement die Funktion als Generalunternehmer übernommen. Das sei nicht von Anfang an so geplant gewesen, sagt Nebojsa Bogdanovic, der verantwortliche Projektleiter von EKZ. Die Koordination aller beteiligten Partner oblag ursprünglich dem Turbinenhersteller Senvion. Doch als dieser im Frühjahr 2019 in Insolvenz ging, musste möglichst rasch eine neue Lösung her, zwei Fundamente waren damals bereits in Bau. In der Zwischenzeit hat EKZ mit Vestas einen neuen Partner gefunden. Das Aushandeln neuer Vereinbarungen mit der portugiesischen Regierung und den lokalen Behörden obliegt jedoch EKZ, ebenso die Vertragsabschlüsse mit dem Tiefbauunternehmen sowie dem Unternehmen, das mit den elektrischen Installationen und dem Netzanschluss beauftragt ist. Für den spanischen Turbinenproduzenten sei es eine aussergewöhnliche Situation, nicht die Gesamtverantwortung für den Bau zu tragen und in ein bereits angelaufenes Projekt einzusteigen, sagt Diego Díaz de Espada Eizaguirre, der das Unternehmen vor Ort als Projektmanager vertritt. «Wir haben aber rasch eine gemeinsame Sprache gefunden.» Er habe schon oft mit internationalen Partnern zusammengearbeitet und sei sich solche länderübergreifenden Kooperationen gewohnt.

Die Insolvenz von Senvion sollte nicht die letzte Herausforderung sein, die PESMA II für Bogdanovic und sein Team bereit hielt. Erst vor ein paar Monaten geriet mit dem portugiesischen Elektrounternehmen Efacec, das für die Netzanbindung des Windparks zuständig ist, ein weiterer Partner von EKZ in finanzielle Schwierigkeiten. Und natürlich wirkte sich auch das Coronavirus auf das Projekt aus: So verzögerte sich die Lieferung der Rotorblätter und Maschinenhäuser aus China um mehrere Wochen. Zudem musste der Bau wegen zwei Coronafällen auf der Baustelle kurzzeitig unterbrochen werden. Deutlich spürte Bogdanovic die Konsequenzen der Krise aber auch in den manchmal fast täglich wechselnden Vorgaben zur Prävention und in der Kommunikation mit allen Beteiligten. Der kontinuierliche Austausch via Telefon oder Videokonferenz habe viel Zeit beansprucht und mehr Aufwand bedeutet, sagt der Projektleiter. «In einer solchen Situation ist Vertrauen unter den Partnern besonders wichtig.» Es sei ihm zugute gekommen, dass er sowohl die Arbeitsweise in der Schweiz als auch in südlichen Ländern gut kenne, sagt der serbisch-schweizerische Doppelbürger, der vor fast zwanzig Jahren für seine Doktorarbeit in die Schweiz gezogen ist. Es reiche nicht aus, alles detailliert in einem Vertrag festzuhalten. «Man muss auch eine Beziehung zu den Menschen aufbauen», ist Bogdanovic überzeugt. «Dann ist die Motivation am grössten, gemeinsam auf ein Ziel hinzuschaffen.» 

Wenig Windkraft in der Schweiz

Die Förderung erneuerbarer Energien wie Windkraft gehört zu den Grundpfeilern der Energiestrategie 2050 des Bundesrates. Im Gegensatz zu Wasserkraft oder Photovoltaik fristet diese aber eher ein Nischendasein. «Wenn wir auf Windkraft setzen wollen, führt kein Weg an der Zusammenarbeit mit dem europäischen Ausland vorbei», sagt Christian Hürlimann, der für die Geschäftsführung der EKZ Renewables AG und das Asset Management des Produktionsportfolios zuständig ist. Der Ausbau geht in der Schweiz nur schleppend voran. Das liegt nicht nur an der überschaubaren Zahl günstiger Standorte – sondern häufig auch am Widerstand in der Bevölkerung. Photovoltaikanlagen haben hierzulande nicht nur grösseres Potential, sondern stossen laut Hürlimann auch auf mehr Akzeptanz – zumindest, wenn sie auf Dächern oder an Fassaden installiert werden.
 

Für EKZ ist klar: Jedes Kraftwerk, das an das zentraleuropäische Verbundnetz UCTE angeschlossen ist, leistet einen Beitrag zu einer günstigen und zuverlässigen Stromversorgung: Es gleich nicht nur Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage aus, sondern trägt auch zur Stabilität des Stromnetzes bei. Nutzt ein Kraftwerk also erneuerbare Energien und wird es an den ressourcenstärksten Standorten in Europa gebaut, stellt es damit eine kostengünstige Energieversorgung sicher. Aus diesem Grund macht die Investition in erneuerbare Energien im Ausland für EKZ Sinn. PESMA II ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.