Hacking im Zeichen der Energiezukunft

Energy Data Hackdays

Hacking im Zeichen der Energiezukunft

Was lässt sich in 32 Stunden aus Energiedaten alles rausholen? EKZ wollte es wissen und hat gleich drei Aufgaben, sogenannte Challenges, an die Energy Data Hackdays in Brugg mitgebracht. Deren Resultate sind interessant, noch interessanter aber sind andere Erkenntnisse.

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Wir befinden uns im Hightech Zentrum Aargau in Brugg. Es ist Freitag, 28. August, 10 Uhr. 15 Aufgaben, sogenannte Challenges, die alle auf Energiedaten basieren, stehen bereit. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Verbrauchsdaten von Smart Metern, Anzahl Ladevorgängen, Ladedauer und -zeitpunkt an öffentlichen und privaten Elektroladestationen oder Produktionsdaten von Windturbinen. Formuliert haben die Aufgaben Startups, Hochschulen und Unternehmen wie EKZ. Zu Beginn der Energy Data Hackdays stellen alle ihre Aufgabe kurz vor, um möglichst viele Teilnehmende dafür zu begeistern.

Ihnen gegenüber sitzen ca. 90 Interessierte, die sich diesen Challenges stellen. Es sind Studierende, Mitarbeitende von Startups, aber auch gestandene Berufsleute mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Hintergrund und Wissen.

So fordert EKZ die Teilnehmenden heraus

EKZ hat drei Challenges mitgebracht: Eine beschäftigt sich mit Smart-Meter-Daten, die anderen beiden mit Elektromobilität. Was die Teilnehmer erwartet, erklärt Michael Koller, Leiter Technologiemanagement: 

Michael Koller, Leiter Technologiemanagement EKZ, präsentiert die Challenge «Read your own smart meter».
Michael Koller, Leiter Technologiemanagement EKZ, präsentiert die Challenge «Read your own smart meter».
Angelos Selviaris, EKZ, stellt die Challenge «Cheapest Charging around» vor.
Angelos Selviaris, EKZ, stellt die Challenge «Cheapest Charging around» vor.
Martin Baldinger, EKZ, präsentiert die Challenge «E-Mobility Behaviour Analysis»
Martin Baldinger, EKZ, führt in die Challenge «E-Mobility Behaviour Analysis» ein.

Der Countdown läuft

Nach der Präsentation entscheidet sich jeder Teilnehmer für eine Challenge. Von den 15 Challenges werden heute zwölf ausgewählt, drei stossen auf gar kein Interesse und werden deshalb nicht bearbeitet. Die Teams pro Challenge bestehen aus zwei bis einem Dutzend Personen.

Ab jetzt bleiben den Teams noch 27 Stunden, um sich kennenzulernen und zu organisieren, sodass sie ihre Lösung möglichst weit bringen. Die Teams müssen ihre Schritte zudem dokumentieren, sodass ihr Lösungsweg für andere ersichtlich ist und das Projekt bei Interesse von anderen später weiterbearbeitet werden könnte.

Die Teams beginnen sich zu formieren und die Mitglieder lernen sich kennen.

Alle drei EKZ-Challenges stossen auf positives Echo und werden bearbeitet – auf ganz unterschiedliche Weise. Während im Smart-Meter-Team gestenreich diskutiert, auf Flipcharts gezeichnet und auch viel gelacht wird, arbeitet das Elektromobilitätsteam, das die Plattform ich-tanke-strom.ch weiterentwickeln möchte, ruhig und konzentriert. Das relativ grosse Team, das sich das Ladeverhalten von Elektroautofahrern und -fahrerinnen genauer anschaut, teilt sich auf, um besser vorwärts zu kommen. Wie ihr Plan ausschaut, erklärt David Suter, Mitglied dieses Teams und Gründer des Startups Geoimpact AG:


Die Teilnehmenden können sich die 27 Stunden selbst einteilen. Wer will, hat sogar den Schlafsack dabei und schläft in Brugg.

Frust, Freude und Fragen

Am Samstag, 29. August, kurz nach 15 Uhr, beginnen die Präsentationen. Die Teams erklären, wie sie vorgegangen sind, welche Hürden sie nehmen mussten und wie ihre Lösung noch weiterentwickelt werden könnte. Das Smart-Meter-Team von EKZ kam gut voran: Es hat mit zwei Smart Metern den Verbrauch einer Kaffeemaschine sowie einer Working Station herausgelesen und einen Weg gefunden, diese Daten auf einer Zeitachse zu visualisieren.  

Angelos Selviaridis, EKZ, erklärt, was im Hintergrund passiert, damit die Daten herausgelesen werden können. (Foto: Hightech Zentrum)
Angelos Selviaridis, EKZ, erklärt, was im Hintergrund passiert, damit die Daten herausgelesen werden können. (Foto: Hightech Zentrum)
Ausschnitt aus der Visualisierung, die das Team in der kurzen Zeit realisiert hat.
Ausschnitt aus der Visualisierung, die das Team in der kurzen Zeit realisiert hat.

Mehr zur Challenge #3 «Read your own smart meter» und zur Lösung: https://hack.opendata.ch/project/466

Harziger lief es beim Team, das auf der Plattform ich-tanke-strom.ch für jede Ladestation darstellen wollte, wie viel eine Ladung kostet, damit Elektroautofahrende möglichst einfach die nächste, günstigste Ladestation finden. Das Team nannte in der Präsentation zwei grosse Hindernisse: Zum einen sei es schwierig, an die Preise der verschiedenen Anbieter heranzukommen, weil nicht alle ihre Preise als offene Daten zur Verfügung stellen. Zum anderen würden die Anbieter verschiedene Preisberechnungsmodelle verwenden, die einen Vergleich erschweren. Das Team hat deshalb kurzerhand umdisponieren und vieles manuell machen müssen: Auf einer Karte wird nun pro Ladestation ein Tarif pro Einheit (pro Kilowattstunde) angezeigt anstatt der totalen Kosten für eine Ladung.  

Team an den Hackdays
Nicht immer läuft es rund. Gerade dieses Team musste viel Geduld zeigen. (Foto: Hightech Zentrum)
Das Resultat dieser Challenge. (Foto: Hightech Zentrum)
Das Resultat dieser Challenge. (Foto: Hightech Zentrum)

Mehr zur Challenge #4 «Cheapest charging around» und zur Lösung: https://hack.opendata.ch/project/467

Das dritte EKZ-Team hat Datensätze von privaten und öffentlichen Ladestationen untersucht, graphisch dargestellt und dabei einige Verhaltensmuster herauslesen können: Ladestationen in Städten und touristischen Regionen haben eine hohe Auslastung, während diese bei Ladestationen in ländlichen Gebieten tiefer ist. Bei öffentlichen Ladestationen wird tagsüber am meisten geladen, bei privaten nachts. Und es gibt zwei Arten von privaten Ladestationbenutzern: Die einen laden täglich, die anderen erst, wenn die Batterie fast leer ist. Zudem ist bei privaten Ladestationen eine klare Zunahme der Ladezeiten feststellbar – ein Zeichen, dass sich die Elektromobilität etabliert.  

Das Team erklärt seine Vorgehensweise und zeigt Grafiken, die es aus den Datensätzen produziert hat. (Foto: Hightech Zentrum)
Das Team erklärt seine Vorgehensweise und zeigt Grafiken, die es aus den Datensätzen produziert hat. (Foto: Hightech Zentrum)

Mehr zur Challenge #5 «E-Mobility Behaviour Analysis» und zur Lösung: https://hack.opendata.ch/project/507

Neue Kontakte, Sichtweisen und Ideen

Bei EKZ zieht man ein positives Feedback über die Energy Data Hackdays. «Erstens konnten wir mit unseren Challenges das Interesse der Teilnehmenden wecken», zählt Michael Koller, Leiter Technologiemanagement bei EKZ, auf. Zweitens sei das, was die Teams in dieser kurzen Zeit herausgefunden hätten, sehr wertvoll für EKZ. «Die Resultate geben uns einen Hinweis, ob etwas lösbar ist, und sie zeigen eine mögliche Richtung auf. In diesem Sinne ein grosses Dankeschön an die drei Teams, die viel Energie und Durchhaltevermögen in ihre Lösungen gesteckt haben!» Während zwei Gruppen ein super Resultat abgeliefert hätten, sei die Challenge mit den Ladepreisen schwierig gewesen, gibt Koller zu. «Das Fazit dieses Teams deckt sich aber mit unseren Erfahrungen, auch das eine Erkenntnis.»

Noch spannender sei aber die Zusammenarbeit mit Personen mit unterschiedlichem Wissen und Hintergrund gewesen, sind sich Koller und sein Team einig. «Mit ihnen zu diskutieren und ihre Sichtweisen kennenzulernen, war für uns sehr bereichernd. Und es geht natürlich auch ums Networken: Wir alle haben interessante Leute aus der Branche kennengelernt, die wir vielleicht für ein zukünftiges Projekt wieder ins Boot holen können.»
Für Michael Koller und sein Team ist klar, dass sie zwei der drei Challenges intern weiterverfolgen werden. Klar ist auch, dass EKZ nicht das letzte Mal an einem Hacker-Anlass mitgewirkt hat. «Daten und Ideen dafür haben wir genug», so Koller.

Die Energy Data Hackdays sind eine Initiative der Zukunftsregion Argovia, des Hightech Zentrum Aargau und des Vereins Opendata.ch. Unterstützt wurden die Hackdays von: EKZ, AEW Energie AG, Kanton Aargau, Bundesamt für Energie, Bundesamt für Statistik, Road to Bern, SEP Swiss Energy Planning, Kickstart, Akenza, Energy Startup Days, BEN Energy, Tomorrow und geoProRegio.