«Bei uns ist nichts alltäglich»

«Bei uns ist nichts alltäglich»

Mit sieben Jahren sass Simon Zahner zum ersten Mal auf einem Velo – reichlich spät im Vergleich zu den meisten anderen Kindern. Umso erfolgreicher ist er dafür heute auf den zwei Rädern. Ein Besuch beim Radquerprofi und seiner Familie.

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Simon Zahner ist leicht zu finden. Vor dem Haus in Dürnten steht ein Camper mit Sponsorenlogos, die auf einen Radprofi schliessen lassen – und ein Junge in roten Latzhosen. Auf die Frage, ob hier die Familie Zahner wohne, antwortet er: «Das bin ich!» «Ich» heisst Julian und er stellt uns gleich noch seine Zwillingsschwester Jil – die beiden sind sechs Jahre alt – und die achtjährige Shana vor. Im Haus begrüsst uns dann schliesslich Simon Zahner, der Mann, den wir heute kennenlernen wollen.

Eine Leidenschaft fürs Leben 

Velos spielen die Hauptrolle im Leben der Familie. Das wird schon beim Blick in die Garage klar, in der viele Zweiräder unterschiedlichster Art stehen. Und auch im Haus setzt sich dieser Eindruck fort. Bike-Magazine liegen hier auf dem Tisch und an den Wänden hängen Wettkampfbilder von Simon Zahner. «Unser Leben wird tatsächlich mehrheitlich vom Velo und allem Drumherum bestimmt», bestätigt der 33-Jährige.

«Radquer boomt in der Schweiz – auch dank der EKZ CrossTour.»

Sogar als Hobby gibt er das Herumschrauben am Velo an. Früh schon war ihm klar, was seine Passion ist: «Wie die meisten Buben habe ich auch Fussball gespielt, aber ich habe schnell bemerkt, dass ich wohl eher der Typ für eine Einzelsportart bin.» Mit elf Jahren bestritt er seine ersten Velorennen, und von da an liess ihn das Fieber nie mehr los. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er Mitglied im Veloclub Meilen. Zusammen mit drei Kollegen trainierte er dort, er fuhr Rennvelo und zwischenzeitlich auch Mountainbike. Schliesslich kam Simon das erste Mal mit dem Radquer in Berührung. «Das wäre auch noch lässig, sagte man mir – also probierte ich es aus!» Sein erstes Crossrennen absolvierte er damals in Steinmaur. Um diese Leidenschaft zu finanzieren, arbeitete er von da an neben der Schule im Elektrobetrieb seines Vaters und seines Onkels mit. Und nach der Matur arbeitete er dort an den Vormittagen, am Nachmittag setzte er sich aufs Velo. Simon Zahner ging das Wagnis ein, keine Berufsausbildung zu absolvieren, sondern er setzte von Anfang an auf den Sport. Mit Erfolg.

Simon Zahner - Radprofi
Leidenschaft: Simon Zahner lebt seinen Traum.
Simon Zahner - Radprofi
Typisches, aber auch tückisches Hindernis: Simon Zahner kämpft sich durch den Sand.
Simon Zahner - Radprofi
Werkstatt: Simon Zahner hat jedes nur erdenkliche Material parat.

Stammgast auf dem Podest

Seit 2012 ist Simon Zahner Mitglied im Team der EKZ und war auch von Anfang an bei der EKZ CrossTour, die gerade ihre dritte Saison erlebte, mit dabei. Die internationale Radquerserie hat sich mittlerweile gut etabliert, sagt Zahner: «Bisher waren vor allem Belgien und die Niederlande im Radquer die tonangebenden Länder. Mit der EKZ CrossTour entsteht hier ein erfolgreicher Gegenpol zu diesem Schwergewicht. Und die Schweiz etabliert sich in unserem Sport.» Im ersten Jahr belegte er Platz drei, die zweite Saison konnte er auf Rang zwei abschliessen und die letzte auf Rang fünf. Was hat sich der Radprofi für die nächste Saison vorgenommen? «Der Gesamtsieg der EKZ CrossTour wäre natürlich schön.» Auf das erste Rennen im September in Baden bereitet sich Zahner seit Februar vor: «Im Training fokussiere ich vor allem auf Ausdauer und sitze wöchentlich bis zu 35 Stunden auf dem Velo. Dazu kommen Krafttraining und einige organisatorische Aspekte wie Materialplanung.» Auch die mentale Stärke ist Zahner wichtig, deshalb fährt er im Sommer gezielt einige Rennen zur Vorbereitung.

Radcrossrennen finden auf einem Rundkurs von Feld- und Waldwegen statt, der zwischen 2,5 und 3,5 Kilometer lang ist. Charakteristisch sind die kurzen, oftmals enorm steilen Passagen, welche die Fahrer zum Absteigen und Tragen des Rads im Laufschritt über das Hindernis zwingen. Ein Rennen dauert etwa eine Stunde, die Anzahl der Runden wird während des Rennens nach den ersten Runden festgelegt. Für die Zuschauer eine spannende Angelegenheit. Wichtig ist es, sich einen guten Platz an der Strecke zu sichern, um möglichst viel mitzubekommen. Die EKZ CrossTour bietet seit 2016 aber noch ein besonderes Schmankerl, das Urban Cyclocross in Zürich. Für einmal findet Radquer dann nicht auf Feld und Wiesen, sondern auf Stadtasphalt statt. Für April 2018 ist die dritte Auflage des Rennens in Zürich-West geplant.

Familienleben rund ums Velo

Simon Zahners Familie ist an fast jedem Rennen dabei. Auch seine Frau Sina steht ganz hinter ihrem Mann. «Unsere Familienausflüge gehen halt nicht in den Zoo, sondern an die Rennen, an denen Simon teilnimmt.» Sogar die Ferien richten sich nach dem Wettkampfkalender. «Das koordiniere ich mit den Trainingspausen, die ich ja auch immer wieder einmal habe. Und Velo fahren kann ich schliesslich überall.» Denn die Räder hat die Familie im Camper immer dabei. Wie begeistert auch die Kinder mit dabei sind, bekommen wir gleich demonstriert. Jil, Shana, Julian und der zehnjährige Levin, der eben von der Schule heimgekommen ist, holen uns nach draussen und schwingen sich auf die Bikes. Sogar die Kleinen haben schon eine bemerkenswerte Sicherheit auf zwei Rädern. «Levin fährt sogar schon an Rennen mit», erzählt Simon. Doch er betont: «Aber nur, wenn er selbst das will, von mir kommt da kein Druck. Schliesslich sollen meine Kinder die Freude an dem, was sie gern tun, nie verlieren.» Und das glaubt man dem vierfachen Vater gern. Denn Julian etwa hat mit seinen sechs Jahren ganz andere berufliche Ziele: Er will Bauer werden. Jede freie Minute verbringt er bei einem benachbarten Bauern. Hinter dem Haus hört man einen Mähdrescher, Julians Augen beginnen zu leuchten. «Darf ich rüberfahren?» Simon Zahner nickt. Der Junge in der roten Latzhose schnappt sich sein Velo und braust davon.   

Die 19-jährige Svenja Wüthrich hat im Frühling 2017 das Rennen um DAS Talent gewonnen. Sie wird während zwei Jahren von Radprofi Simon Zahner trainiert und begleitet. Warum die Wahl auf Svenja fiel und was sie sich von der Zusammenarbeit mit Simon Zahner erhofft, können Sie hier lesen.